Beliebter Treffpunkt: Bei „Cilli“ trafen sich seit den 50er Jahren nicht nur Kinder und Jugendliche auf ein Eis. Eine der ersten Musikboxen in Enger lockte abends auch die Älteren an. - © Archiv Werner Brakensiek
Beliebter Treffpunkt: Bei „Cilli“ trafen sich seit den 50er Jahren nicht nur Kinder und Jugendliche auf ein Eis. Eine der ersten Musikboxen in Enger lockte abends auch die Älteren an. | © Archiv Werner Brakensiek

Enger Altes Eiscafé weicht Wohnbebauung

In bester Innenstadtlage: Investor plant Komfort-Eigentumswohnungen zwischen Bielefelder Straße und Hasenpatt. Stadt: „Vorhaben planungsrechtlich zulässig“

Martina Chudzicki

Enger. Für viele ältere Engeraner war es einst „der" Treffpunkt in Enger. Nach der Schule kamen Kinder und Jugendliche hier her, um ein Eis zu essen, sich mit Freunden zu treffen oder auch mal eine kostenlose Nachhilfestunde zu nehmen. Am Abend war das Eiscafé von Cäcilia Hainsch Treffpunkt für die Älteren, die hier über Gott und die Welt quatschten – oder sich die neuesten Hits aus einer der ersten Musikboxen in Enger anhörten. Jetzt sind die Tage von „Cillis" Eiscafé gezählt. Der rote Ziegelbau an der Bielefelder Straße 14 soll einem großen Wohnkomplex weichen. Neun hochwertig ausgestattete Eigentumswohnungen plant ein Ibbenbürener Architekturbüro an dieser Stelle. Das alte Eiscafé, das bereits seit einigen Jahren leer stand, soll dafür wohl noch in diesem Jahr dem Bagger weichen. "Vor allem Engeraner jenseits der 60 sind sehr interessiert" Und obwohl der Bauantrag noch nicht gestellt ist, so bestätigt Josephin Koegel vom Herforder Maklerbüro JK Immobilien, sei die Nachfrage nach den Wohnungen schon groß. „Es sind vor allem Engeraner jenseits der 60 oder ehemalige Engeraner, die in ihre Heimatstadt zurückkehren wollen, die sich dafür interessieren", sagt sie. Im Alter wollen sich viele Menschen kleiner setzen und das eigene Haus mit Garten – oft in einem Vorort – gegen eine seniorengerechte Wohnung in Innenstadtlage tauschen. Diesen Bedürfnissen kommt die Planung entgegen. Vom Aufzug bis zum Gemeinschaftsraum Aufzug, Gegensprechanlage mit Kamera, elektrische Rollläden, bodengleiche Duschen oder auch Hauswirtschaftsräume sind nur einige der Besonderheiten im geplanten Objekt. Ein Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss mit Küche und Sanitäranlagen und Zugang zu einem kleinen Gartenstück soll den neuen Bewohnern für Feste und gesellige Zusammenkünfte zur Verfügung stehen. Beworben wird der neue Wohnkomplex aber vor allem mit der „zentralen Lage in Enger" und der „hervorragenden Anbindung" der Widukindstadt an Bielefeld, Herford und Bünde. Das zweigeschossige Wohnhaus wird das Erscheinungsbild der Bielefelder Straße ohne Zweifel nachhaltig verändern. Der Baukörper wird sich von der Bielefelder Straße über das rückwärtige Grundstück fast bis zum Hasenpatt ziehen. Entsprechend wird das Objekt als „Wohnanlage am Hasenpatt" bereits im Internet und mit Flyern vermarktet. 140 Qudratmeter für 413.000 Euro Wer hier einziehen möchte, muss allerdings ein paar Euro beiseite gelegt oder sein altes Eigenheim zuvor gut verkauft haben. Eine ca. 140 Quadratmeter große Penthouse-Wohnung wird im Internet für rund 413.000 Euro angeboten. Eine 72 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung kostet immerhin knapp 184.000 Euro. Josephin Koegel rechnet trotzdem damit, bis zum Ende des Jahres für mindestens sechs Wohnungen die Kaufverträge unter Dach und Fach zu haben. Mit Fertigstellung kann Ende 2019 gerechnet werden Wenn dieses Ziel erreicht ist, so sagt sie, werde der Bauantrag eingereicht und zeitnah mit dem Bau begonnen. „Wir rechnen dann mit einer Bauzeit von etwa 14 Monaten, so dass mit einer Fertigstellung Ende 2019/Anfang 2020 gerechnet werden kann." Der Stadt Enger sind die Planungen für das Bauvorhaben an der erst vor wenigen Jahren mit Mitteln aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) komplett umgestalteten Bielefelder Straße schon seit einiger Zeit bekannt. Fachbereichsleiterin Inge Nienhüser bestätigt, dass der Verwaltung inzwischen „ein positiver Vorbescheid" des zuständigen Bauordnungsamtes des Kreises Herford vorliegt. Nüchterne Bilanz Im vergangenen Jahr, so fügt sie hinzu, habe es wegen dem an dieser Stelle geplanten Bau des Mehrfamilienhauses „intensive Gespräche" mit dem Investor, dem Bauordnungsamt des Kreises sowie dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gegeben. Inhalt dieser Gespräche sei „das Maß der baulichen Nutzung und die optische Ausgestaltung" des Neubauprojektes gewesen. Aus Sicht der Stadt sollte vor allem „die städtebauliche Struktur der Bielefelder Straße erhalten bleiben". Als Ergebnis dieser Gespräche, so zieht Nienhüser die nüchterne Bilanz, bleibe am Ende festzuhalten, dass „das Vorhaben planungsrechtlich zulässig ist" und der „Vorbescheid des Bauordnungsamtes zu erteilen war".

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