Das Storchenpaar: In diesem Jahr haben es die beiden Vögel geschafft, in ihrem Nest im Enger Bruch zwei Jungvögel groß zu ziehen. - © Ekkehard Wind
Das Storchenpaar: In diesem Jahr haben es die beiden Vögel geschafft, in ihrem Nest im Enger Bruch zwei Jungvögel groß zu ziehen. | © Ekkehard Wind

Enger Für den Nachwuchs alles gegeben

Im Enger Bruch: Erstmals seit über 100 Jahren brütete ein Storchen-Paar in der dort aufgestellten Nisthilfe.

Karin Wessler

Enger. Für Vogelfreunde war es eine kleine Sensation: Erstmals seit 1908 hatte sich ein Storchenpaar im Enger Bruch wohnlich eingerichtet und hier eine Familie gegründet. „Das Paar hat es geschafft, zwei Jungtiere groß zu ziehen. Im Herbst sind dann alle in wärmere Gefilde Richtung Süden geflogen", sagt Holger Stoppkotte, stellvertretender Kreisvorsitzender des BUND aus Westerenger, der die Störche während des Sommer beobachtet hat. „Die Aufzucht mitzuerleben war schon beeindruckend. Ich bin froh, dass es geklappt hat. Und ich fände es toll, wenn sie im Frühjahr wieder kommen." Die beiden Altvögel, die selber noch recht jung sind, stammen aus dem Süden Deutschlands. „Dies ließ sich durch die Beringung der Tiere, die man mit dem Fernglas oder einem starken Teleobjektiv ablesen kann, feststellen", erklärt der Engeraner. Das zweijährige Männchen stamme aus der Gegend von Darmstadt, das dreijährige Weibchen aus der Schwäbischen Alb. Ein junger Storch hat es nicht geschafft Drei Eier seien auf der Nisthilfe, die die Biologische Station in Kooperation mit dem BUND im Enger Bruch aufgestellt hatte, ausgebrütet worden. „Das schwächste Küken hat aber nur kurz gelebt und ist früh gestorben", berichtet Holger Stoppkotte. „Eines der beiden verbleibenden Küken war zunächst auch recht schwach." Die Eltern schafften es jedoch, beide Jungtiere groß zu ziehen, obwohl die Bedingungen nicht unbedingt günstig waren. „Beide Störche haben zum ersten Mal in einem Revier gebrütet, das sie erstmal kennen lernen mussten." Schon früh mussten beide Elternteile zeitgleich das Nest verlassen, um für Futter zu sorgen. „Eigentlich bleibt immer einer bei den Jungvögeln, um sie vor Räubern zu schützen." Und die Eltern mussten weit fliegen, um Nahrung zu finden. Auch seien sie, gerade zu Beginn des Sommers, oft zum Bach geflogen und hätten Wasser für ihre Jungen geholt. „Sie haben wirklich alles gegeben, um den Nachwuchs durchzubringen und aufzuziehen", so Stoppkottes Einschätzung. „Sie sind gestartet, ehe es kalt wurde" In Herbst hätten sich die Störche dann auf den Weg in den Süden gemacht. „Sie sind gestartet, ehe es kalt wurde. Die beiden Jungtiere sind noch vor ihren Eltern losgeflogen", so Stoppkotte. „Wenn nichts passiert, dann kommen die Eltern zurück." Jedes Tier fliege für sich, sie seien während der kalten Jahreszeit nicht gemeinsam unterwegs. „Sie treffen sich dann wieder an diesem Nest." Gelegentlich komme es vor, dass nur einer der beiden zurück kehrt. „In Bünde etwa ist einem Männchen zweimal das Weibchen abhanden gekommen, vielleicht sind die Tiere verunglückt." Dann suche sich dieser Storch einen neuen Partner oder eine neue Partnerin.  „Das Enger Bruch ist da eher grenzwertig" Nach der Rückkehr im Frühjahr könne es Streitigkeiten um die Nester geben. „Wenn etwa Jungtiere, die sich eine eigene Bleibe suchen, die Nisthilfe für sich beanspruchen und sich dort einrichten wollen", weiß der Ornithologe. „Aber in der Regel setzt sich das Paar durch, das dort schon einmal gebrütet hat." Jungstörche, so erläutert Stoppkotte, müssten sich dann ja auch ein eigenes Revier und einen Partner suchen, wenn sie eine Storchenfamilie gründen wollen. „In der Regel richten sie sich dann auf Nisthilfen ein", weiß er. Die zu finden, sei nicht immer leicht für die Tiere. „Die wollen ja auch ein gutes Revier, das ausreichend Futter bietet." In Niedersachsen oder im Kreis Minden-Lübbecke seien die Möglichkeiten besser. „Für die Kolonie an der Weser im Bereich der Ortschaft Wasserstraße oberhalb von Minden war es ein gutes Storchenjahr", weiß er. Dort seien die Bedingungen bestens für Störche. „Das Enger Bruch ist da eher grenzwertig. Die Störche mussten in einem Radius von fünf oder sechs Kilometern fliegen, um ausreichend Futter zu sammeln. Das ist oft problematisch."

realisiert durch evolver group