Hinter dem Verkaufstresen: Die Sponsoren und die Neuntklässler, die die Firma betreiben werden, schauen sich schon mal in dem kleinen Laden um. - © Mareike Patock
Hinter dem Verkaufstresen: Die Sponsoren und die Neuntklässler, die die Firma betreiben werden, schauen sich schon mal in dem kleinen Laden um. | © Mareike Patock

Enger WGE-Schüler gründen eigenes Unternehmen

Ambitioniertes Projekt: Neuntklässler des Engeraner Widukind-Gymnasiums gehen in ihrer Schule mit einer Firma für Bürobedarf an den Start.

Mareike Patock

Enger. Noch sind die Regale hinter dem Verkaufstresen leer. In ein paar Tagen aber werden sich hier Blöcke, Buntstifte, Geodreiecke und Kleber stapeln. Denn dann wird hier, im Obergeschoss des Engeraner Widukind-Gymnasiums (WGE), ein neues Unternehmen für Bürobedarf an den Start gehen. Das Besondere: Es wird eine Schülerfirma sein – gegründet und geführt von Neuntklässlern des WGE. „Wir werden Büromaterial verkaufen, das möglichst fair und ökologisch nachhaltig gehandelt wird", sagt Lehrer Hartmut Schulz, der den Jungunternehmern zur Seite steht. Der Kundenkreis: vor allem Schüler und Lehrer. Aber es könne auch jeder andere kommen und einkaufen. Die Idee einer Schülerfirma hatte Schulleiter Ulrich Henselmeyer. Im November hatte er einen Aushang gemacht und erfragt, ob Interesse an der Gründung eines solchen Unternehmens bestehe. Schulz warb in einer seiner Klassen für das Projekt – und traf auf 12 begeisterte Neuntklässler. „Es geht darum, Selbstständigkeit einzuüben und möglichst früh zu lernen, auch wirtschaftlich zu denken", sagt er. Dass sie selbstständig sind, haben die Neuntklässler in den vergangenen Monaten schon mehr als einmal bewiesen. So haben sie zunächst in den einzelnen Klassen des WGE und im Kollegium eine Marktanalyse gemacht und erfragt, an welchen Büromaterialien Bedarf besteht. Anhand der Umfrage-Ergebnisse seien dann die Produkte ausgewählt worden, die künftig verkauft werden sollen, sagt Schulz. Die würden über einen Großhändler bezogen, berichtet der 15-jährige Tim Luca. Jemanden zu finden, der bereit gewesen sei, mit einer Schülerfirma zusammenzuarbeiten, sei nicht einfach gewesen, ergänzt sein Lehrer. „Unser Umsatz ist ja nicht so hoch und Großhändler denken doch meist in anderen Stückzahlen." Kleiner Laden im Obergeschoss Der kleine Laden im Obergeschoss des WGE soll nächsten Montag zum ersten Mal öffnen und von da an immer in den Pausen. Damit er dann auch gut bestückt ist, haben die Jugendlichen schon einige Waren geordert. Aber der Einkauf sei schon ein bisschen komplizierter gewesen als gedacht, sagt der 14-jährige Henning. Bei den Produkten hätten sie etwa darauf achten müssen, dass sie vom Preis akzeptabel und außerdem ökologisch nachhaltig seien. Die Jungunternehmer sind in den letzten Wochen auch losgezogen und haben eigenständig Sponsoren für ihre Firma gesucht – der Engeraner Apotheker Jens Kosmiky zum Beispiel stieg in das Projekt ein. Auch die Volksbank Bad Oeynhausen/Herford ist mit im Boot. Sie unterstütze die Schüler jedoch nicht nur finanziell, sie werde auch Seminare anbieten und die Jugendlichen zum Beispiel in Buchführung schulen, sagt Schulz. Die Bank habe auch den Vorschlag gemacht, eine Schüler-Genossenschaftsfirma zu gründen – und die Idee kam an bei den Neuntklässlern. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, Anteilsscheine zu verkaufen", betont ihr Lehrer. 500 wolle man davon ausgeben, voraussichtlich zu je 10 Euro. „Und wir rechnen mit einer Dividende von 3,5 bis 4 Prozent." Ein weiterer Vorteil der Genossenschaftsfirma: Man sei erst ab einem Erlös von 35.000 Euro im Jahr und nicht schon ab 20.000 Euro umsatzsteuerpflichtig. Vorstand und Aufsichtsrat Die Volksbank unterstütze schon einige Schülergenossenschaften im Kreis Herford, sagt Mitarbeiterin Maren Babatz. „Aber in Enger ist es die erste." Die Unternehmensform setze eine besondere Firmenorganisation voraus, berichtet Schulz: Es brauche zum Beispiel einen Vorstand und sogar einen Aufsichtsrat. Ende des Jahres schicke die Volksbank jemanden, der die Buchführung prüfe. „Das wird alles ganz professionell." Sogar einen Bring-Service soll es künftig geben. „Unsere Ware liefern wir dann mit dem Fahrrad aus", sagt Jonas. "Selbst etwas lernen" Die zwölf Jugendlichen ziehen ihr Start-up-Unternehmen in ihrer Freizeit auf – und brennen für das Projekt. „Mir macht das einfach Spaß. Und ich freue mich, dass wir den Schülern hier so etwas ermöglichen können", sagt Tim. „Ich möchte hier aber auch selbst etwas dazulernen", ergänzt Edon. „Damit ich mich später mit Wirtschaft auskenne."

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