Die Statiker haben berechnet, dass der Erddruck von außen dazu führen kann, dass das Becken bricht, sobald das Wasser bei einer Revision abgelassen wird. - © MEIKO HASELHORST
Die Statiker haben berechnet, dass der Erddruck von außen dazu führen kann, dass das Becken bricht, sobald das Wasser bei einer Revision abgelassen wird. | © MEIKO HASELHORST

Bünde Freibad: "Dringender Handlungsbedarf"

Sitzung des Stadtrates: Der Gutachter der Sanierungsstudie für das Freibad macht sehr deutlich, dass er von einem Weiterbetrieb über 2018 hinaus dringend abrät. Bürgermeister Koch will "zeitnah etwas Neues"

Gerald Dunkel

Bünde. Von einer Weiternutzung des Freibades in Bünde bis 2027 war während und erst recht nach der Sitzung des Stadtrates am Mittwochabend keine Rede mehr. Das schlug noch vor drei Wochen die CDU-Fraktion vor. Doch der Gutachter, der die Bausubstanz untersuchte, machte sehr deutlich, dass das mitunter grob fahrlässig sein könnte. "Diese und nur mit Bauchschmerzen auch noch die nächste Saison" - zu mehr ließ Ingenieur Christian Bär, der die Sanierungsstudie für das Bünder Freibad verfasste und darin das Materialgutachten der Jadehochschule Oldenburg einarbeitete, nicht hinreißen. Bär erläuterte am Mittwochabend im Bünder Stadtrat noch einmal die Kernpunkte der Studie und wurde dabei sehr deutlich, dass er von einem Weiterbetrieb des Beckens über 2018 hinaus "dringend abrät". "Das drückende Grundwasser von außen ist ein permanentes Problem", so Christian Bär. In Bünde sei dieses Wasser zudem noch - wenn auch schwach - aggressiv gegen Beton. Bär erläuterte, dass bei der letzten Revision das Becken komplett entleert worden sei. Über Nacht sei Grundwasser, unter anderem durch undichte Bewegungsfugen, eingedrungen und stand in einer Höhe von 30 Zentimetern im Becken. Die Untersuchung des verbauten Stahlbetons habe deutlich gemacht, dass man vor 80 Jahren noch nicht über die Erfahrung mit diesem Baustoff verfügte. Die Stahlbewehrungen im Beton müsse nach heutigen Maßstäben zwischen 40 und 50 Millimeter unter Beton liegen. "Wir konnten nur Abstände zwischen 10 und 15 Millimeter feststellen", erklärte Bär. Der Ingenieur machte deutlich, dass die "Standsicherheit des Beckens nicht mehr gegeben sei, weshalb sich "ein Weiterbetrieb" erübrige. Zwar sei das Risiko eines größeren Schadens bei befülltem Becken relativ gering, weil das Badewasser von innen einen Gegendruck erzeugt. "Problematisch ist aber die Revision, wenn das Wasser abgelassen wird", so Christian Bär. So könnten beispielsweise Erschütterungen oder zusätzlicher Druck in Beckennähe durch Fahrzeuge dazu führen, dass der Beckenkörper brechen könne. Bär empfahl dem Rat, das Becken einem Monitoring zu unterziehen, bei dem die Abstände zwischen den beiden Beckenköpfen gemessen werden, um rechtzeitig festzustellen, ob sich die Wände aufeinander zu bewegen. Auf die spätere Nachfrage von Martin Schuster (CDU), wie aufschlussreich dieses Monitoring sei, wenn das Becken einmal jährlich vermessen würde, entgegnete Christian Bär erneut, dass das Becken auch unter einem laufenden Monitoring nicht weiterbetrieben werden könne. "Wenn zum Beispiel ein Tragwerksplaner das Becken wegen einer nicht mehr vorhandenen Standsicherheit sperrt, gibt es immer noch eine wirtschaftliche Karenzzeit, bis die Schließung tatsächlich vollzogen würde", so Bär. Diese Karenzzeit betrage aber keine fünf und ganz sicher keine zehn Jahre. Auch zur Studie zum Funktionsgebäude nahm Bär noch einmal Stellung und legte dar, dass dabei zwar kein so akuter Handlungsbedarf gegeben sei wie beim Schwimmbecken, es aber dennoch Stellen gebe, die bedenkenswert seien. Beispielsweise offen über Dachbalken verlaufende Kabel, oder aber auch die Tatsache, dass die Wasserleitungen zum Schutz vor Legionellen immer noch von Hand gespült werden müssten, wo das sonst eine Automatik erledige. Die offen liegenden Kabel auf den Holzbalken seien an sich nicht das Problem, wohl könnten aber Nagetiere eine gewisse Brandgefahr hervorrufen. Umkleide- und Funktionsgebäude: Sanierung für 733.000 Euro oder Neubau ab etwa 1,1 Millionen Mit 733.000 Euro rechnete Christian Bär für eine Sanierung des Gebäudes und seiner Einrichtungen. Etwa 1,1 bis 1,35 Millionen würde ein Neubau des Gebäudes kosten, der von den Einrichtungen und den Funktionen her vergleichbar wäre. Zusammenfassend stellte Christian Bär klar: "Ein Betrieb bis 2018 würden wir aus technischer Sicht noch mitgehen, aber nicht weiter." Bürgermeister Wolfgang Koch kündigte gleich nach dem Vortrag Bärs im Ratssaal an: "Es ist jetzt dringender Planungs- und Handlungsbedarf gegeben. Wir müssen jetzt kurzfristig das weitere Vorgehen beschließen, damit wir hier zeitnah etwas Neues kriegen." Klicken Sie auf das folgende Bild, um zum Dossier zur Zukunft der Bünder Bäder zu gelangen

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