Im Ergo Vivamus kamen Bürger zusammen, um mit den Ratsherren Elmar Holstiege (links) und Armin Kuschel (Mitte) zu diskutieren. - © GERALD DUNKEL
Im Ergo Vivamus kamen Bürger zusammen, um mit den Ratsherren Elmar Holstiege (links) und Armin Kuschel (Mitte) zu diskutieren. | © GERALD DUNKEL

Bünde Freibadinitiative: "Vorschläge der Bürger werden ignoriert"

Info-Veranstaltung zu Freibadplanungen: Die Interessengemeinschaft "Lebenswertes Bünde" verlieh ihren Forderungen für ein künftiges Bad noch einmal Nachdruck und fürchtet eine "kalte Stilllegung"

Gerald Dunkel

Die aktuellen Vorgänge rund um das Freibad haben viele Parallelen zu denen aus dem Jahre 1994, als das Bad saniert wurde. Kurz davor wäre es aber fast schon geschlossen worden. Die Bürgerinitiative von damals ist auch heute wieder aktiv und traf sich nun, um mit Ratspolitikern zu diskutieren, was aus dem Freibad jetzt werden solle. Wegen der kurzfristigen Einladung zwei Tage zuvor saßen jedoch nur Elmar Holstiege und Armin Kuschel auf dem Podium. Eines wollte die Interessengemeinschaft "Lebenswertes Bünde" gleich zu Beginn klarstellen: "Wir wollten niemanden herzitieren, sondern haben - wenn auch sehr kurzfristig - am Sonntagabend mit einer E-Mail an das Rathaus die Fraktionssprecher eingeladen", sagt Lore Kluger, die der Initiative schon 1994 angehörte. Die meisten von ihnen haben dann aus der Neuen Westfälischen von der Veranstaltung erfahren und sagten wegen parallel stattfindender Veranstaltungen oder anderer längerfristiger Planungen ab, bekundeten aber deutlich ihre Gesprächsbereitschaft zu einem anderen Zeitpunkt. "Wir mussten nach der Diskussion der vergangenen Woche aber schnell in die Öffentlichkeit - noch vor den nächsten Sitzungen im Rathaus", so Kluger weiter. Elmar Holstiege (Bündnis 90/Grüne) und Armin Kuschel (UWG) stellten sich den Fragen der Bürger, die so aber schon längst formuliert wurden, nur in den Augen der Interessengemeinschaft den Stadtrat offenbar nicht erreicht hatten. Unter den Nägeln brannte den Bürgern die Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Georg Kruthoff, das Bad weiterzubetreiben. Einige Tage später sagte Kruthoff, dass damit der Betrieb bis zum Ende der Saison 2018 gemeint war, was mit dem Rat des Gutachters korrespondiert, der den Becken-Beton untersucht hat. "Der Vorschlag, das Bad so wie bisher weiterzuführen, bedeutet für uns definitiv die Stilllegung des Bades auf kaltem Wege", schreibt die Interessengemeinschaft "Lebenswertes Bünde" in einer Stellungnahme. Und weiter: "Weiterhin wären bei hohen Betriebskosten Kinder, Jugendliche und Familien ausgeschlossen, denn die seit drei Jahren aufwendig eingezäunte Rutsche, fehlende Spielgeräte, ständig gesperrte Sprungbretter, der geschlossene Kiosk und vieles mehr signalisieren doch diesen Gruppen ganz deutlich, dass sie nicht willkommen sind", stellen Lore Kluger, Michaela Ernst, Brigitte Büsing und Kai Könemann, die die Stellungnahme unterzeichneten, fest. Es sei auch vorgekommen, dass das Freibadpersonal gesagt hat, es sei zu aufwendig, die Spielgeräte zu beaufsichtigen. Mediziner Kai Könemann bot sogar an, eine Helferin zu engagieren, die den Kiosk betreiben würde. "Dafür zeige die Stadtverwaltung aber kein Interesse", so Könemann. Die Interessengemeinschaft machte gegenüber Kuschel und Holstiege klar, dass sie ein Abweichen von "öffentlich kommunizierten Terminvorgaben, widersprüchlich irrlichternde Argumentationen, intransparente Vergabe weiterer Gutachten und ein auch in dieser Saison völlig inspirationsloses Betreiben des Bades" festgestellt hat. Auch die "angeblich gewünschten Vorschläge der Bürgerinitiative wurden einfach ignoriert". "Wir fühlen uns einfach nicht mehr ernstgenommen", machte die Medizinerin Michaela Ernst am Mittwochabend in Richtung Kuschel und Holstiege deutlich, denen die Gruppe für ihr Kommen dennoch ausdrücklich dankte. Ein zentraler Punkt in den Forderungen der Interessengemeinschaft ist ein separater Bereich mit Sprungturm. In allen im vergangenen Jahr vorgestellten Neubauvarianten eines holländischen Architekten ist die Sprunganlage aber immer an den Stirnseiten im Schwimmerbereich geplant gewesen, was für die Bürgerinitiative völlig unverständlich ist. "Wir haben ausführlich dargelegt, dass mit dieser Lösung keine der das Bad benutzenden Gruppen glücklich sein wird", heißt es in der Stellungnahme. "Es ist uns ein Rätsel, warum ein renommierter holländischer Bäderarchitekt uns nur Vorschläge präsentiert, die eindeutige Empfehlungen zur Anlage von Bädern ignorieren. Wir würden gerne wissen, welche Vorgaben dem Architekten gegeben wurden, oder ob es noch - wie man munkelt - weitere Varianten gab, die aber dem Bürger vorenthalten wurden. Fragen, die auch Elmar Holstiege und Armin Kuschel nicht zu beantworten vermochten. Holstiege bemerkte auf die vielfache Kritik der Bürgerinitiative abschließend jedoch, dass es der EWB und auch der Stadtverwaltung offenbar am Servicegedanken für die Bürger mangelt. Er und Armin Kuschel wollten die - abermals - angesprochenen Punkte in den entsprechenden Gremien anbringen. Eines davon ist bereits am Montagabend die interfraktionelle Sitzung beim Bürgermeister. Mit Ausschuss und Rat geht es im Juli weiter. Klicken Sie auf das folgende Bild, um zum Dossier zur Zukunft der Bünder Bäder zu gelangen

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