So sah es vor 23 Jahren unter der Beckenfolie in der Sprunggrube aus. Der Sprungturm darf unter anderem wegen der Unterschreitung von Mindestabständen nicht mehr genutzt werden. - © STADT BÜNDE
So sah es vor 23 Jahren unter der Beckenfolie in der Sprunggrube aus. Der Sprungturm darf unter anderem wegen der Unterschreitung von Mindestabständen nicht mehr genutzt werden. | © STADT BÜNDE

Bünde Freibad Bünde: Gutachter beschränkt Nutzungszeit bis 2018

Diskussion um die Zukunft des Freibades: Nach dem CDU-Vorschlag, das Freibad vorübergehend weiterzunutzen werden Bau- und Materialexperten jetzt konkreter und raten von einer Nutzung über die nächste Badesaison hinaus ab.

Gerald Dunkel

Bünde. Die Informationsveranstaltung zum Freibad heute Abend im Ergo Vivamus ist von der Interessengemeinschaft "Lebenswertes Bünde" sehr kurzfristig geplant gewesen. Die meisten Ratspolitiker, die dort den Bürgern Rede und Antwort stehen sollten, werden jedenfalls nicht vertreten sein. Erst am Montag haben die Kommunalpolitiker in einer kritischen Stellungnahme der Interessengemeinschaft zur aktuellen Entwicklung der Freibadplanung und zu Äußerungen von Ratspolitikern von diesem Treffen aus der Neuen Westfälischen erfahren. Eine persönliche Einladung haben sie nach eigenen Worten zu dieser Veranstaltung heute Nachmittag um 17.30 Uhr nicht erhalten. Einige nutzen das lange Wochenende für einen Kurzurlaub und machen sich heute Nachmittag mit ihren Familien auf die Reise, andere können aus beruflichen Gründen erst abends oder haben bereits andere Termine, die längerfristiger geplant waren. Einzig Armin Kuschel (UWG) wird nach NW-Informationen wohl teilnehmen. Die Interessengemeinschaft "Lebenswertes Bünde" wirft der CDU vor, den Neubau des Freibades so lange aufschieben zu wollen, bis keine Gäste mehr kämen, um dann das Freibad endgültig zu schließen und das Areal als exklusive Grundstücke verkaufen zu können. Die CDU gab am Pfingstwochenende bekannt, das Bad - ohne Investitionen, wie sich dann herausstellte - noch "ein paar Jahre" weiterzubetreiben und beruft sich auf die Ergebnisse eines Materialgutachters. Dieser hatte sich zuvor ungenau zu der weiteren Nutzungsdauer geäußert. Der Vorstoß der CDU-Fraktion und der tatsächliche Zustand des Beckens kamen nach NW-Informationen am Montagabend auf den Tisch einer Aufsichtsratssitzung der Energie- und Wasserversorgung Bünde (EWB). Ratspolitiker nehmen wegen Kurzfristigkeit an Info-Abend heute überwiegend nicht teil Wie aus der vor einigen Tagen fertiggestellten Sanierungsstudie für das Freibad, zu der auch das Materialgutachten über den Beton im Außenbecken gehört, hervorgeht, ist das Becken bekanntlicherweise nicht mehr sanierungsfähig. Das gab auch schon Bürgermeister Wolfgang Koch in der Ratssitzung im Mai mündlich bekannt. In der schriftlichen Sanierungsstudie, die der NW-Redaktion vorliegt, heißt es, dass das Außenbecken aus "baulicher Sicht noch einige Jahre" betrieben werden kann. Wie lange das Becken noch ohne nennenswerte Schäden genutzt werden könne, könne nicht prognostiziert werden, heißt es in der Studie des Ingenieurbüros Janßen Bär aus Bad Zwischenahn. "Eine weitere jahrzehntelange schadensfreie Nutzung erscheint unwahrscheinlich", erklärten außerdem die Materialgutachter des Instituts für Materialprüfung an der Jadehochschule in Oldenburg, die ferner schreiben: "Die erwartbare weitere Nutzungsdauer dürfte vermutlich im Bereich weniger Jahre liegen." Der Geschäftsführung der EWB als Auftraggeberin des Gutachtens war dies nach Bekanntwerden der CDU-Planungen aber offenbar zu unscharf formuliert, weshalb sie den Gutachter nach Informationen der Neuen Westfälischen um eine konkretere Stellungnahme zum noch verbleibenden Nutzungszeitraum bat. Wie die NW ferner erfuhr, habe der Gutachter daraufhin mitgeteilt, dass er "keineswegs eine Nutzung auf Jahre hinaus" gemeint habe, sondern die Nutzung des Beckens für diese und auch noch die nächste Badesaison. "Eine Nutzung über 2018 hinaus ist aus Gutachtersicht nicht ratsam", soll es in einer E-Mail an die EWB geheißen haben. CDU-Fraktionsvorsitzender Georg Kruthoff teilte Anfang der Woche mit, dass das Bad bis dahin ohne größere Investitionen betrieben werden könne. Nach der Saison 2018 solle dann mit dem Neubau begonnen werden, da ab dem Folgejahr gesetzliche Standards gefordert sind, die das Bad in der jetzigen Form nicht mehr erfüllen würde. Für diese "Verschiebung" erntete die CDU Kritik - allerdings auch, weil zunächst der Eindruck entstand, es müssten trotzdem größere Investitionen für Baumaßnahmen umgesetzt werden, was laut Kruthoff aber nicht so sei. Aber selbst wenn man die Umsetzung einer der Neubauvarianten jetzt ausgeschrieben hätte, wäre unklar gewesen, ob die Bauunternehmen - selbst bei europaweiter und mehrere Monate dauernder Ausschreibung - die Kapazitäten hätten, die Arbeit unmittelbar nach dieser Badesaison im September oder Oktober aufzunehmen. Klicken Sie auf das folgende Bild, um zum Dossier zur Zukunft der Bünder Bäder zu gelangen

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