Es gibt viel zu gucken und zu entdecken: Der Autohof an der A 30 in Bünde. - © Schwarze-Blanke
Es gibt viel zu gucken und zu entdecken: Der Autohof an der A 30 in Bünde. | © Schwarze-Blanke

Bünde 10 Minuten lang zu Besuch auf dem Bünder Autohof

Zehn-Minuten-Reportage (5): Anlaufstelle für Lastwagenfahrer an der A 30

Stefan Boscher

Bünde. "Geh da weg, sonst geb' ich Gas." Was für eine nette Begrüßung. Der Lastwagenfahrer sieht nicht so aus, als sei mit ihm zu spaßen. Also gehe ich einen Schritt nach rechts und lasse ihn vorbeifahren. Die kommenden zehn Minuten sollte ich wohl besser aufpassen hier auf dem Autohof an der A 30 - sonst gibt am Ende ein Lastwagenfahrer tatsächlich noch Gas, wenn ich ihm im Weg stehe. Ein kurzer Blick in die Runde zur Orientierung muss sein. Ich stehe inmitten dutzender Lastwagen, dazwischen immer mal ein Wohnmobil, deren Fahrer - meist sind es Familien mit Kindern, die Ferien haben - hier eine Pause machen. Die meisten Autos hier kommen schon gar nicht aus dem Kreis Herford, viele aus den Niederlanden, die auf dem Weg zur Tankstelle zunächst einmal die richtige Spur erwischen müssen. Vom Parkplatz der Lastwagenfahrer sind Motorengeräusche zu hören. Bei den Temperaturen lassen die Brummifahrer öfter ihre Lastzüge an, um Batterien aufzuladen oder die Klimaanlage für ein paar Minuten zu aktivieren. Denn Losfahren können sie nicht. Es ist Samstagmittag, noch mehr als 24 Stunden müssen die Lastwagen hier aushalten, dann erst dürfen sie wieder auf die Autobahn. Aushalten ist allerdings kein schöner Ausdruck. Der Autohof hat so einiges zu bieten, um die Wartezeit für Auto- und Lastwagenfahrer angenehmer zu gestalten. Es gibt Restaurants, einen Shop und sogar ein Kasino auf dem weitläufigen Gelände und ein Blick auf die andere Straßenseite lädt ein, die schöne Bünder Natur mit grünen Feldern und Wiesen und Baumalleen zu genießen. Voll ist es auch vor der Waschanlage. Das Wochenende nutzen viele Autofahrer, ihr Schätzchen auf Vordermann zu bringen - und endlich sind die Bünder auch mal in der Mehrheit. Schon von Weitem ist der Autohof von allen Seiten zu sehen. Der Grund ist der hohe Mast mitten vor der Tankstelle, so dass jeder, der auf der A 30 unterwegs ist, den Stopp wahrnehmen kann. Ein Gespräch an der Kasse der Tankstelle offenbart denn auch, dass so mancher Lastwagenfahrer glaubt, "Bünde" ist nur der Name des Rasthofes. "Die Stadt heißt auch so?", fragt ein Fahrer in Schlappen, kurzer Hose und Muskelshirt über einem nicht ganz so muskelbepackten Bauch den jungen Mann hinter dem Tresen. Das heftige Nicken wird mit einem "Sachen gibt's" quittiert. Draußen sind es die Jugendlichen der nahe gelegenen Stadt Bünde, die notgedrungen ihre Zeit auf dem Autohof verbringen. Sie sind Fahrschüler und ihre Lehrer nutzen die Weitläufigkeit und die vielen Parkplätze, um ihren Schützlingen hier die Grundlagen des Autofahrens beizubringen. Mal geht es rückwärts in eine Parklücke, dann geht es für Fortgeschrittene weiter: Rückwärts einparken mit einem Anhänger. Unter den aufmerksamen Blicken des Fahrlehrers - und von fünf Lastwagenfahrern, die die willkommene Abwechslung nutzen, um aus ihrem Fahrerhaus zu steigen - gelingt das Manöver. Ganz ungefährlich ist es hier nicht, viele Autos, Bullis und Lastwagen sind unterwegs in - so scheint es - alle möglichen Himmelsrichtungen. Auf dem Rückweg zum geparkten Wagen kommt ein Mann von links. Ob ich mein Auto verkaufen wolle, will der Unbekannte wissen. Er sei hier gestrandet und wolle zurück nach Hause. Aber mit einem kaputten Auto gehe das schlecht. Ein ungläubiger Blick, dann wird klar: Die Werkstätten öffnen erst am Montag wieder, in knapp zwei Tagen. Was ist mit dem ADAC? Ein Schulterzucken. Kein Mitglied, nicht genügend Geld. Er versuche weiter sein Glück, sagt der Unbekannte. Zur Not wolle er hier übernachten. "Ist doch ganz schön hier", sagt er und legt sich erst einmal in die Sonne. Auf eine Wiese, direkt neben der Autobahn im schönen Bünde.

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