Bünde Warten aufs Kindergeld

Mutter und Sohn machen Familienkasse Vorwürfe

Bünde. Roswitha Tappe fühlt sich an der Nase herumgeführt. Die Kirchlengeranerin hat im Juni vergangenen Jahres Kindergeld für ihren Sohn Christopher Diaz beantragt. Der 24-Jährige besucht seit August das Wilhelm-Normann-Berufskolleg (WNB) in Herford, bis zum 25. Lebensjahr hat er noch Anspruch auf die Unterstützung. Bis heute jedoch steht die staatliche Zahlung aus. Mutter und Sohn warten auf insgesamt 920 Euro.

Vor einem Jahr, im Januar 2010, hat sich Christopher Diaz Tappe am WNB Herford angemeldet, um sich als Holztechniker ausbilden zu lassen. Im vergangenen Juni habe Mutter Roswitha alle nötigen Unterlagen an die Familienkasse geschickt, sagt sie. "Dann fing die Odyssee an." Im Juli habe die Familienkasse behauptet, dass kein Antrag eingegangen sei, so die 54-jährige Bäckereifachverkäuferin, die infolgedessen neue Anmeldescheine ausgefüllt und eingeschickt hatte. Wieder blieb die Zahlung aus. "Es folgten unzählige Telefonate und erneute Nachsendungen." Im Oktober habe die Familienkasse den Vorgang nicht mehr nachvollzogen.

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Christopher Diaz war im Jahr 2009 wohnungslos. Die Diakonie-Stiftung in Herford nahm sich seiner an, organisierte ihm im Juni desselben Jahres einen festen Wohnsitz und kümmert sich seither um den jungen Mann. Diakonie-Betreuerin Theresa Holtmann bestätigt die Ausführungen von Roswitha Tappe - und hat ebenfalls keine Erklärung für die Bearbeitungspraxis der Familienkasse. Gleichwohl mache sie diese Erfahrung nicht zum ersten Mal: "Ich habe es schon oft erlebt, dass Kindergeldanträge auf wundersame Weise verloren gehen."

Ulrich Spohr, der Leiter der Familienkasse weist die Vorwürfe von sich, bestätigt aber, dass "die Tappes im Oktober bei uns waren". Die Behörde forderte Unterlagen ein, die bereits seit längerer Zeit vorgelegen hatten - allerdings im falschen Ablageordner. "Das haben wir übersehen", gesteht Spohr, weist jedoch darauf hin, dass bis heute ein weiteres Dokument für die Kindergeldauszahlung fehle, die Bafög-Bescheinigung. "Diese Unterlagen haben wir im August und im Oktober angefordert, ohne eine Antwort zu erhalten."

Süffisanz liegt Roswitha Tappes Stimme: Dazu falle ihr nichts mehr ein, selbstredend liege der Familienkasse auch der Bafög-Schein vor. "Die Unterlagen sind komplett." Alle 14 Tage gehe sie mit ihrem Sohn in den Supermarkt, um seine finanziellen Ausfälle zu kompensieren. Jetzt müsse auch sie und ihr Lebensgefährte den Gürtel deutlich enger schnallen.

Diakonie-Betreuerin Holtmann ging auch davon aus, dass sämtliche Unterlagen vorliegen. Gestern hat sie noch einmal das fehlende Dokument beantragt, um es an die Familienkasse weiterzuleiten. Zehn Tage nach dem Eingang soll das Kindergeld fließen. Holtmann, die das Engagement der Tappes explizit heraushebt, nervt das Prozedere inzwischen: "Ich hoffe, dass jetzt endlich mal was passiert."

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