Die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium begeisterten die Zuhörer während des Konzertes in der Pauluskirche. - © FOTO: NICOLAS BRÖGGELWIRTH
Die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium begeisterten die Zuhörer während des Konzertes in der Pauluskirche. | © FOTO: NICOLAS BRÖGGELWIRTH

BÜNDE Mozart, Kiefer und Bach

Bünder Kantorei und Telemann-Collegium spielten vielseitiges Konzert in der Pauluskirche

VON NICOLAS BRÖGGELWIRTH

Bünde. 2012 ist das Jahr der Kirchenmusik. Unter dem Titel "366+1, Kirche klingt" gab und wird es an jedem Tag in diesem Jahr ein Konzert irgendwo in Deutschland gegeben. Am Freitagabend erklang das 188. in der Pauluskirche. Die Bünder Kantorei und das Telemann-Collegium spielten unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Kiefer ihr Programm mit dem Titel "Auferstehung".

Auf dem Spielplan standen drei unterschiedliche Werke für Chor und Orchester, worin sich Barock, Wiener Klassik und Moderne trafen. Begonnen wurde mit der kurzen Messe (Missa brevis) in G-Dur (KV 140) von Wolfgang Amadeus Mozart, die zu den frühen Werken des berühmten Musikers gehören soll. Manche Musikwissenschaftler haben sie aufgrund ihres Stiles aber auch anderen Komponisten zugeschrieben. Hans-Martin Kiefer interpretierte sie fein akzentuiert, obwohl es ihm dabei dennoch gelang, eine gleichförmige Amplitude zu finden.

Nichts war zu dominant, aber auch kein Klang wurde unterdrückt. Hier traten zum ersten Mal die außerordentlichen Solisten hervor: Jutta Potthoff im Sopran, Eike Tiedemann im Alt, Jörd Erler im Tenor und Andreas Jören im Bass. Sie alle sangen sehr expressiv, "gesundt und wohle im Klange", aber niemals aufdringlich. Sie litten an den Stellen, an denen sie seufzen sollten, erzählten dann, als sie berichten sollten und frohlockten, wenn sie jauchzen sollten. Ein Genuss, bei dem ein einzelner Künstler nicht herausgehoben werden darf. Doch nicht minder war die Leistung des Chors der Bünder Kantorei, bestehend aus etwa 20 Männern und 60 Frauen, der dynamisch in den überlagernden Stimmen ganz zart und gefühlvoll eingestellt worden war.

Ein besonderes Augenmerk muss dem zweiten Teil des Konzertes gelten. Es war in Uraufführung eine Eigenkomposition von Hans-Martin Kiefer. Er hat fünf Sätze über den Osterchoral "Christ ist erstanden" von Wigbert von Burgund gesetzt. Paradigmatisch führte der Komponist vor, wie zeitgemäß ein Orchester in barocker Instrumentierung klingen kann, ohne mit übertrieben vielen Dissonanzen musikalischen Intellekt vorzutäuschen. Dennoch waren die dem modern sozialisierten Gehör eingängigen Sätze niemals harmonisch belanglos und sehr emotional. Eindringlich waren die dunkler und offener klingenden Blockflöten, die mit den hellen und gepressten Oboen einen sanften Dialog führten. In der Klangfarbe bediente die Komposition trotz fast minimalistischer orchestraler Besetzung das ganze Spektrum. Rhythmisch kam sie im Arrangement manchmal wie ein leichter Wellenschlag daher, um im nächsten Augenblick mit Blechbläsern und Pauken wieder druckvolle Dominanz zu präsentieren.

Nach diesem Erlebnis würde man gerne mal ein Konzert hören, welches ausschließlich aus den Kompositionen von Hans-Martin Kiefer besteht.

Den Abschluss des Abends bildete das Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach (BWV 249). Obwohl es zu den bekanntesten Werken des damals (1725) bereits Leipziger Kantors gehört, wird es nur selten aufgeführt. Möglicherweise liegt es daran, dass es inhaltlich etwas schwerer kategorisierbar ist und in mindestens drei verschiedenen Fassungen vorliegt. Kiefer intonierte es von Anfang als herrlich verspielte und leichte Barock-Musik. Es klang, als ob er die Schwere, die man an manche Stellen des Werkes hineininterpretieren könnte, nur an den absolut notwendigen Stellen zugelassen hätte, ohne dabei jemals brachial ins Pathos zu kippen. Die warme Klangfarbe und die tiefen Töne bei den Streichern und den Blockflöten klangen zu keiner Zeit übertrieben schwermütig. Das Lob für den Abend war der lange und begeisterte Applaus von mehr als 300 Zuhörern.

Informationen zur Veranstaltungsreihe im Jahr der Kirchenmusik, die mit ihren Konzerten in der Zeit auch häufig in unserer Region vertreten ist, finden sich im Internet unter www.ekd-366plus1.de.

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