In nur wenigen Minuten verlegte Gunter Demnig die Stolpersteine vor der Heidkampstraße 11. - © FOTO: ANDREA HÜTTENHÖLSCHER
In nur wenigen Minuten verlegte Gunter Demnig die Stolpersteine vor der Heidkampstraße 11. | © FOTO: ANDREA HÜTTENHÖLSCHER

BÜNDE Stolpersteine mahnen sich zu erinnern

Drei Gedenktafeln in der Heidkampstraße verlegt

Bünde (hue). Sie sind klein, trotzdem haben sie eine große Bedeutung: Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Auf Initiative der Netzwerkgruppe des Marktgymnasiums wurden gestern drei weitere Stolpersteine verlegt. In Erinnerung an Eveline Weisz und ihre Söhne Siegbert und Manfred, die bis zur Machtergreifung der Nazis in der Heidkampstraße 11 lebten.

Besonders emotional war die Zeremonie für Manfred Weisz, er war mit seiner Familie aus Amsterdam angereist, um die Verlegung der Steine mitzuerleben. Er verlor durch die NS-Zeit seine Großmutter Eveline und seinen Onkel Manfred, nach dem er benannt wurde. Sein Vater Siegbert litt sein ganzes Leben unter den Folgen der Nazi-Herrschaft.

Während Gunter Demnig die Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einließ, erzählten Schüler der Oberstufe des Marktgymnasiums die Geschichte der Familie. 1942 versucht Eveline mit ihrem Sohn Manfred in die Schweiz zu fliehen. Sie werden von der Gestapo aufgegriffen. Beide sterben in Auschwitz. Siegbert, der sich alleine auf den Weg macht, überlebt mehrere Nazi-Lager. Die schrecklichen Erlebnisse überschatten für immer sein Leben. 1994 stirbt er in den Niederlanden.

Die gestern verlegten Stolpersteine sollen an das Schicksal der Familie Weisz erinnern. "Über diese Steine stolpert man mit dem Kopf und dem Herzen", sagte Gunter Demnig, der sich über die Anwesenheit der Familie freute. Bürgermeister Wolfgang Koch lobte das Engagement der Netzwerkgruppe: "Ich bin stolz, dass wir es geschafft haben, dass sich auch so viele junge Menschen mit der Vergangenheit beschäftigen."

Im Anschluss an die Zeremonie in der Heidkampstraße wurden die drei Stolpersteine für Theodora und Erwin Löwenstein sowie Else Jelin neu verlegt. Im Zuge der Straßensanierung in der Eschstraße waren sie zu nah an die Hauswand der Commerzbank gekommen. Ein Stolperstein für Helene Katz vor der Hindenburgstraße 32 musste zudem ersetzt werden. Die Forschungen der Netzwerkgruppe ergaben, dass sie nicht, wie angenommen in Theresienstadt ermordet wurde. In Bünde fehlen jetzt noch sieben Stolpersteine.

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