Hinter manchen vorgeblich sozialen Kleidersammlungen verbergen sich dubiose Geschäftemacher. Soziale Anbieter haben oft das Nachsehen.
Hinter manchen vorgeblich sozialen Kleidersammlungen verbergen sich dubiose Geschäftemacher. Soziale Anbieter haben oft das Nachsehen.

BÜNDE Wohltätigkeit oder Geschäft?

Was mit Kleidersammlungen passiert

Bünde. Wieder stehen sie vor Haustüren im Bünder Land, leuchtend rot und reichlich dubios. Gezielt platzierte Wäschekörbe werben auch in diesen Tagen auf Privatgrundstücken für die Abgabe ausrangierter Altkleider. Eine verantwortliche Firma oder Angaben zur Nutzung der Kleidungsstücke aber sucht man vergeblich. Dabei geht es auch transparenter, wie ein Blick auf die verschiedenen Kleidersammlungen in Bünde zeigt.

Langsam verwischt sie, die Grenze zwischen Seriosität und Geschäftemacherei. Es ist die Häufung der Sammlungen, die Vielzahl an Anbietern und die mangelnde Transparenz, die eine Unterscheidung erschwert. Auch in Bünde mischen sich schwarze Schafe mit sozialem Antlitz unter die wohltätigen Sammler. Was mit den Klamotten passiert, bleibt oft unklar.

Die roten Wäschekörbe etwa bergen keinerlei Informationen über Hintergründe der Sammlung. Kein Name, kein Verwendungszweck – lediglich eine Handy-Nummer ist auf den beigefügten Zetteln angegeben. Erst ein Anruf der Neuen Westfälischen bringt Licht ins Dunkel. "Wir sammeln für Afrika", sagt eine Männerstimme in gebrochenem Deutsch, die erst auf Nachfrage einräumt, die Kleider vor Ort zu verkaufen.

Eine Praxis, die durchaus mit Argwohn betrachtet wird. Verschiedene Aspekte gelte es beim Thema Gebrauchtkleidung in Afrika zu beachten, heißt es bei der Bünder Recyclingbörse, die regelmäßig Kleidersammlungen durchführt: "Teilweise zerstören Kleiderimporte den Wäschemarkt vor Ort, woanders sind sie die einzige Möglichkeit, an Kleidung zu kommen".

Gleichwohl sei der Second-Hand-Markt eine globale Verwertungskette: "Die Sammelmenge übersteigt den Bedarf für soziale Zwecke", sagt die Recyclingbörse, "deshalb vermarkten wir Überschüsse nach klaren Standards des Dachverbandes FairWertung, die ökologische und soziale Aspekte abdecken". Somit sei eine verantwortungsvolle Verwendung garantiert.

Dass gebrauchte Kleidung begehrt ist, weiß auch Rot-Kreuz-Leiter Sven Kampeter, der die roten Körbe oft unmittelbar vor eigenen Sammlungen beobachtet. Er bemüht sich um Transparenz: "Unsere Container werden täglich geleert, der Inhalt geht in unsere Kleiderkammer". Diese öffne einmal pro Woche für Bedürftige, die gegen einen Obolus gebrauchte Kleidung bekommen. "Früher haben wir sie verschenkt", sagt Kampeter, "leider tauchten sie dann teilweise auf Flohmärkten auf". Zweimal jährlich rückt der Ortsverein Bünde zudem zu einer Sammlung aus. 30 Tonnen kommen dabei jeweils zusammen, die im zentralen Sortierungslager Wolfen verwertet werden. "Unbrauchbares wird zu Decken verarbeitet, der Rest ausschließlich für humanitäre Zwecke in Krisengebieten eingesetzt".

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