BÜNDE/KRICHLENGERN/BIELEFELD Missbrauch: Vater stellt sich der Polizei

Prozess vor Bielefelder Landgericht wird fortgesetzt

Bünde/Kirchlengern/Bielefeld. "Ich hatte damals völlig verschobene Wertvorstellungen." Mit diesen Worten versuchte Peter P. (Namen aller Betroffenen geändert) in der Verhandlung zu erklären, was ihm heute - zumindest nach eigenem Bekunden - völlig unbegreiflich erscheint. Seit gestern muss sich der 43-jährige Mann aus Bünde wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs seiner Tochter vor dem Bielefelder Landgericht verantworten.

Die Bielefelder Staatsanwaltschaft wirft P. vor, in der Zeit vom 31. März 2001 bis Ende 2008 seine Tochter Britta in zahlreichen Fällen teils schwer sexuell missbraucht zu haben. Das Kind soll zu Beginn der Tatenserie sieben Jahre alt gewesen sein. 395 Mal, so Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann gestern, soll es in den Wohnungen der Familie in Bünde und Kirchlengern zu derartigen Übergriffen gekommen sein. Diese Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, beruht sie doch auf Schätzungen anhand der bisherigen Aussagen des Opfers.

Auf eine genaue Zahl festlegen konnte und wollte sich P. in der gestrigen Verhandlung nicht. Dennoch räumte er ein, dass die Vorwürfe im Wesentlichen zutreffend seien. In seiner Ehe sei es nicht mehr so richtig gelaufen, gab P. zu Protokoll. So sei er ab 1999 immer mehr der Internet-Pornographie verfallen. Dabei hätte Kinderpornographie keine Rolle gespielt, dennoch sei er moralisch zu jener Zeit sicherlich "etwas verroht".

Schließlich hielt es P. nicht mehr aus und offenbarte sich seiner Frau. Das Paar trennte sich, der Angeklagte verfiel nach eigenen Angaben in Depressionen und erstattete schließlich Selbstanzeige bei der Polizei. Darüber hinaus begab er sich in therapeutische Behandlung.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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