Streitpunkt: Kunden wollten ihre Reifen wiederhaben, allerdings hatte der Werkstattinhaber Insolvenz angemeldet. - © Foto: Kai Remmers/DPA
Streitpunkt: Kunden wollten ihre Reifen wiederhaben, allerdings hatte der Werkstattinhaber Insolvenz angemeldet. | © Foto: Kai Remmers/DPA

Bünde Geldstrafe für Betrug und Unterschlagung

Weil ein ehemaliger Werkstattbetreiber eingelagerte Autoreifen und ein beschädigtes Auto nicht wieder aushändigte, stand er jetzt vor Gericht

Gerald Dunkel

Bünde. Uneinsichtig präsentierte sich gestern am Amtsgericht der ehemalige Besitzer einer Kfz-Werkstatt in Bünde. Der 33-Jährige, der wegen Betrugs in zwei Fällen, Unterschlagung in drei Fällen und Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, hatte während der Verhandlung arge Probleme, sich im Zaum zu halten. Er erschien ohne Verteidiger. In zwei Fällen hat der gelernte Kfz-Meister Reifen eines Kunden und einer Kundin eingelagert und ihnen diese zum gegebenen Zeitpunkt vorenthalten. Ferner nahm er die Reparatur eines BMW mit erheblichen Unfallschäden an, behielt den Wagen jedoch bis heute - rund anderthalb Jahre - ein und gab an, noch Geld vom Kunden zu bekommen. In einem weiteren Fall bestellte der Angeklagte einen Dieselpartikelfilter bei einer Bielefelder Firma, obwohl er laut Gericht zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass er ihn nicht bezahlen konnte. In zwei Fällen konnte ihm das Fahren ohne Fahrerlaubnis nachgewiesen werden. Auf dem Foto einer Geschwindigkeitskontrolle war der 33-Jährige auf der Levisonstraße deutlich zu erkennen. Zuvor gab er an, Beifahrer gewesen zu sein. Als der Richter ihm das Foto zeigte, schwenkte er um und erklärte, dass es sich dabei um einen Verwandten handeln müsse, der hinter dem Steuer gesessen habe. Dass er mindestens ein weiteres Mal ohne Führerschein selbst gefahren ist, bestätigte einer der Zeugen, dessen Reifen der Angeklagte erst auf Drängen und nach erfolgter Strafanzeige herausrückte. Er sagte zu Richter und Staatsanwältin: "Wir haben uns ja schon längst geeinigt. Das müssen wir hier nicht weiter besprechen." Mehrfach wurde der Angeklagte ermahnt Im Übrigen schienen ihm auch Details der reichhaltigen Anklagepunkte einer weiteren Diskussion unwürdig zu sein. Zitat: "Also, wenn Sie das jetzt alles wieder rausholen, gehe ich sofort und komme mit einem Anwalt wieder." Sowohl Richter wie auch Staatsanwältin machten ihm klar, dass ihm das vor der Verhandlung freigestanden hätte. Mehrfach mussten ihn beide ermahnen, ihnen oder auch den Zeugen nicht ins Wort zu fallen. Was die Reifen seiner früheren Kundin betraf, argumentierte er, dass sie ihr nicht gehörten, sondern ihrem Nachbarn, der sie bezahlt habe - auch wenn sie sie eingelagert hätte. Dass der - noch unreparierte - BMW noch immer nicht zurück beim Kunden ist, rechtfertigte der Angeklagte mit der Aussage, dass er noch Geld zu bekommen habe. Knapp 1.800 Euro für eine Scheibe und einen Scheinwerfer, die die Versicherung seines Kunden nicht übernommen habe, weil dieser betrunken gewesen sei, als es zu dem Unfall kam. In den Angaben der Zeugen gab es Ungereimtheiten, die diese selbst auf den langen Zeitraum von mehreren Monaten zurückführten, die seit dem vergangen waren. Der Kfz-Meister bekundete, dass er sofort Auto und Reifen herausgeben wolle. Und auch die Schuld bei der Firma, von der der Dieselpartikelfilter stammt, wolle er sofort begleichen. Die Reifen-Kunden räumten ein, dass sie mit der Arbeit des Angeklagten in früherer Zeit immer zufrieden gewesen seien. Im März standen sie jedoch vor verschlossenen Werkstatt-Türen, ohne zu wissen, dass der Angeklagte mittlerweile Insolvenz angemeldet hatte. Die Staatsanwältin hielt in ihrem Plädoyer in Richtung des Angeklagten gleich zu Beginn fest, dass er in der Verhandlung "keinen positiven Eindruck" hinterlassen habe. Dessen eingeworfene Gegenfrage "Wieso das denn nicht?" ließ sie unbeantwortet. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Darüber hinaus 200 Stunden Betätigung in sozialer Arbeit für den arbeitslosen Kfz-Meister. Der Richter blieb mit seinem Urteil deutlich darunter. Zwar hielt er die Wiedergutmachungsbemühungen und Begründungen für das Handeln des Angeklagten für Ausreden, bliebt aber bei einer Geldstrafe von 2.700 Euro und einer Fortsetzung des Entzugs der Fahrerlaubnis von weiteren sechs Monaten.

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