literarisches abendgebet - © Meiko Haselhorst
literarisches abendgebet | © Meiko Haselhorst

Bünde Mehr Buch als beten

10-Jähriges: 2007 begann der katholische Pfarrer Wolfgang Sudkamp in der St.-Josef-Kirche mit seinen „Literarischen Abendgebeten“ – seitdem hat die Reihe dort ihren festen Platz

Bünde. Bert Brecht und die Kirche – nicht unbedingt ein Traumpaar. Wolfgang Sudkamp stört das nicht, im Gegenteil: Der Pfarrer der katholischen Gemeinde mag es, Gegensätze miteinander zu vereinen. Nicht zuletzt deshalb führte er vor zehn Jahren „Das Literarische Abendgebet“ in St. Josef ein. Eine Veranstaltungsreihe, die dort seitdem ihren festen Platz hat. „Als ich vor elf Jahren meinen Dienst hier antrat, gab es Abendgebete, die waren mehr so im Taizé-Stil“, erzählt der 57-Jährige. Als gelernter Buchhändler und ausgesprochener Literaturfan sei er dann auf die Idee gekommen, besagte Literarische Abendgebete einzuführen. „Obwohl oder gerade weil Literatur und Kirche ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis haben“, erklärt er. In Elisabeth Jong-Pilz, Helma Rombach-Geier und Renate Obenderhabighorst fand er drei gleichgesinnte und belesene Damen, die mit ihm fortan das „Literarische Quartett“ bildeten. Los ging es im Frühling 2007. Das erste Thema der vier über das Jahr verteilten Abendgebete waren die Jahreszeiten. „Darüber ist in der Literatur ja viel zu finden“, sagt Sudkamp. „Da kamen dann auch gleich ziemlich viele Leute. Es war ja was Neues, da ist man immer neugierig.“ „Wir hatten schon 250 Menschen in der Kirche“, erinnert sich der Gottesmann Der Reiz der Literarischen Abende verflog aber auch in den darauffolgenden Jahren nicht. „Die vier Elemente“, „Deutsche Mythen“ und „Literarische Metropolen“ hießen weitere Zyklen, die das Quartett vor Publikum besprach – meistens vor großem Publikum. Selbst die schwächeren Veranstaltungen, so Sudkamp, hätten „immer so um die 60 oder 70 Besucher“. Manchmal seien es aber auch viel mehr. „Wir hatten schon 250 Menschen in der Kirche“, erinnert sich der Gottesmann. Manche kämen sogar aus den Nachbarstädten im Kreisgebiet. Was ihn persönlich ganz besonders freut, sei seine „treue evangelische Gemeinde“, die regelmäßig zu den Abendgebeten pilgere, sagt der katholische Pfarrer. „Wir könnten noch 20 Jahre so weitermachen“, ist Sudkamp sich sicher Wie das Publikum, so auch die Hauptdarsteller der Literarischen Abendgebete: Sudkamp und seine Damen besprechen Schriftsteller quer durch alle Religionen, schrecken auch vor Kirchenkritikern wie Heinrich Böll und Bert Brecht nicht zurück. Die Musik, so Sudkamp, sei an diesen Abenden ein weiteres ganz wichtiges Element. Manchmal singe der eigene Kirchenchor, manchmal andere Chöre, manchmal komme die Musik nur vom Band, manchmal aus der Orgel, zuweilen seien auch Musiker aus der Region zu Gast. Gebete gehören selbstverständlich mit dazu, eine Hauptrolle nehmen sie aber an diesen Abenden nicht ein. Insgesamt gilt „mehr Buch als beten“. Dass dem Quartett in den kommenden Jahren dafür die literarischen Themen ausgehen könnten, befürchtet Pfarrer Wolfgang Sudkamp nicht. „Wir könnten noch 20 Jahre so weitermachen“, ist er sich sicher. Wer möchte, kann die Veranstaltungen übrigens regelmäßig mit einem Gläschen Rotwein ausklingen lassen. Zu dem hatte die Kirche ja schon immer ein ziemlich unproblematisches Verhältnis.

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