Wertvoller Fund: Die Seekuh aus dem Doberg lebte vor rund 25 Millionen Jahren. Ihr Skelett ist etwa 3,50 Meter lang. Im Doberg-Museum kann man das Skelett begutachten. - © Dominique Reiz
Wertvoller Fund: Die Seekuh aus dem Doberg lebte vor rund 25 Millionen Jahren. Ihr Skelett ist etwa 3,50 Meter lang. Im Doberg-Museum kann man das Skelett begutachten. | © Dominique Reiz

Bünde Die Seekuh allein lockt keine Besuchermassen an

Die Verantwortlichen kämpfen mit rückläufigen Zahlen. Dabei zahlt nicht einmal jeder, der ins Museum kommt, den normalen Eintrittspreis

Stefan Boscher

Bünde. Die Zahlen sind ernüchternd: 2016 zählte das Museum in Bünde lediglich 4.865 Besucher – der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Auf die Öffnungstage umgerechnet sind es durchschnittlich lediglich 17 Besucher am Tag, die dem Museum einen Besuch abstatteten. Noch ernüchternder: Nicht alle der 4.865 Männer und Frauen haben den regulären Eintrittspreis gezahlt. Die Zahlen gehen aus einer Aufstellung hervor, die die Stadt Bünde für die Neue Westfälische angefertigt hat. In den Blick genommen wurden die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren, seitdem die Einrichtung von der Stadt Bünde betrieben wird. Besonders auffällig dabei: Die Zahlen zwischen allen Besuchern und denen, die den regulären Eintrittspreis gezahlt haben, klaffen teils weit auseinander. Nicht den regulären Preis zahlt zum Beispiel, wer dem Imkerverein besucht. Als Besucher wird er trotzdem gewertet, mehr als 500 Mal war das in diesem Jahr schon der Fall. Bei der Stadt Bünde liegen die Besucherzahlen ab 2009 vor. Davor befand sich das Museum in der Trägerschaft des Kreises Herford. Besonders niedrig – weniger als 4.000 Besucher – waren es in den Anfangsjahren. In diesem Zeitraum erfolgten „umfangreiche Umbau-, Modernisierungs- und Neugestaltungsmaßnahmen auf der Museumsinsel" heißt es zur Begründung. Wiedereröffnung führte zu Besucherandrang Mitte Januar 2010 wurde das Untergeschoss des Tabakmuseums geschlossen und die neue Dauerausstellung eingebaut. Ende Oktober 2010 erfolgte die Wiederöffnung. „Während dieser Einrichtungsphase war lediglich das Obergeschoss für den Publikumsverkehr geöffnet, in dem die Regionalgeschichte der Tabakindustrie präsentiert wird", schreibt Bürgermeister Wolfgang Koch in einer Stellungnahme. Die Wiedereröffnung des Dobergmuseums erfolgte kurz vor Weihnachten des Folgejahres. Koch: „Dies führte in den Jahren 2012 und 2013 zu beachtlichen Besucherzahlen, die sowohl auf die Ausstellungen, aber schwerpunktmäßig auf die neugestalteten Räumlichkeiten der Museumsinsel zurückzuführen sind."Einen wesentlichen Anteil an den hohen Besucherzahlen hatte zudem die von der Neuen Westfälischen initiierte Ausstellung „Du lebst schon lange in Bünde, wenn . . .", in der Exponate von Bündern gezeigt wurden, die sich mit ihrer Heimatstadt beschäftigen. Nach den beiden Hochjahren 2012 und 2013 bewegten sich die Besucherzahlen „dann wieder auf einem normalen Niveau", heißt es von der Stadt Bünde. Ein deutlicher Einbruch ist 2016 zu beobachten, als in zwölf Monaten nicht einmal 5.000 Besucher das Museum aufsuchten. 22 Prozent zahlen keinen vollen Eintritt Die Gesamtzahlen sagen indes nur wenig über die Besucher aus, die auch den normalen Eintrittspreis fürs Museum gezahlt werden. Teilweise ein Drittel der Besucher brauchte den Unterlagen zufolge, die der NW vorliegen, nicht den kompletten Eintrittspreis zahlen. Im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre zahlten knapp 22 Prozent der Besucher nicht den regulären Eintrittspreis. Für das laufende Jahr entwickeln sich die Zahlen wieder deutlich besser. Vor allem die Wald-Ausstellung hat zu dem sich abzeichnenden Erfolg beigetragen, wie es Museumsleiter Michael Strauß auch schon im Mai prognostiziert hatte. Ein Grund für das gesteigerte Interesse der Menschen könnte sein, dass „Unter Bäumen – der Wald und der Mensch", so der vollständige Titel der Ausstellung, die am vergangenen Sonntag beendet wurde, eine vom Museum selbst konzipierte Ausstellung war und keine extern eingekaufte Schau. Ob die Folgeveranstaltung ebenfalls so erfolgreich sein wird, ist offen. Dieses Mal steht wieder eine eingekaufte allgemeine Ausstellung auf dem Programm: Am 10. Dezember wird „Von Plaggenstechern, Venntüten und Krammetsvogelfängern, Natur und Landschaft vor 100 Jahren" eröffnet. Bei der Stadt Bünde gibt man sich zumindest offiziell nicht unzufrieden mit den Besucherzahlen. Vergleiche mit anderen naturkundlichen Museen hätten ergeben, dass „etwa zehn Prozent der Einwohnerzahl als Maßstab" für Besucherzahlen gelte. Man liege in Bünde also „absolut im Trend", so die Einschätzung von Wolfgang Koch.

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