Bünde Ein Leben mit den „Tommies“

Briten in Bünde: Bärbel Möller hatte enge Kontakte – und hat für eine Ausstellung in Paderborn einige Exponate zur Verfügung gestellt

Haselhorst

Bünde. Theoretisch könnte Bärbel Möller bei sich daheim ein Museum mit einer Dauerausstellung aufmachen. Thema: Die Briten in Bünde. Die 76-Jährige, die zeit ihres Lebens in engem Kontakt mit den einstigen „Besatzern“ stand, hat es aber vorgezogen, dem Stadtmuseum Paderborn einige Exponate aus ihrem reichhaltigen Fundus zur Verfügung zu stellen. In der Domstadt findet zurzeit die Ausstellung „Briten in Westfalen“ statt (siehe Infokasten). Möller hatte in der Vergangenheit auch in Bünde versucht, gewisse Leute vom ideellen Wert ihrer Privatsammlung zu überzeugen – vergebens. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hingegen zögerte nicht lange, als er Wind davon bekam. Die Dinge nahmen ihren Lauf. Möller gab den Historikern vom LWL allerhand Requisiten mit: Fotos und Dokumente, Pinnchen und Feuerzeuge, einen Schlagstock und eine Schützenmütze mit britischem Abzeichen. All das steht jetzt in Paderborn. „Das Tollste ist aber das Nashorn aus reinem Silber, mit Marmorsockel“, sagt Möller. Zur Erklärung: Das Rhinozeros war das Regimentssymbol der im Bünder Land lebenden Soldaten. Es handelte sich um ein Geschenk an Bärbel Möller und ihren Mann, „das Zivilpersonen nur ganz selten bekamen“, wie die Bünderin nicht ohne Stolz sagt.Martinssingen bei den britischen Familien Auch in einem projektbegleitenden Film kommt Möller mit einigen Sätzen zu Wort. „Der Dreh mit mir hat Stunden gedauert, die entsprechende Sequenz im Film ist wesentlich kürzer“, sagt sie und lacht. Wie war es eigentlich dazu gekommen, dass Möller eine derart gute Beziehung zu den britischen Soldaten – im Volksmund gern „Tommies“ genannt – aufbaute? Möller holt weit aus, erinnert sich an ihre ersten deutsch-britischen Begegnungen gegen Kriegsende und daran, dass sie etwas später als Kind beim Martinssingen gerne vor britische Türen trat, „weil es alle möglichen unbekannten Süßigkeiten gab“. Frühe Kontakte wie diese sorgten dafür, dass Berührungsängste abgebaut wurden, bevor sie überhaupt entstehen konnten."Ihr Zuhause wurde zu einem Ort, an dem so manche Feier stieg" Während ihrer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten gegen Ende der 1950er Jahre wurden – teils auf Tanzveranstaltungen – erste freundschaftliche Kontakte zu britischen Offizieren geknüpft, die im Laufe der Jahrzehnte immer intensiver wurden. Die Adresse des britenfreundlichen Ehepaars wurde von einem Colonel zum anderen weitergegeben, die beiden wurden zu wichtigen Ansprechpartnern und Helfern vor Ort, Bärbel Möllers Mann Volker gar zum offiziellen Verbindungsoffizier zwischen Schützenverein und Briten. Die Möllers wurden – häufig als einzige Zivilisten – zu vielen Festlichkeiten eingeladen, und auch ihr Zuhause wurde zu einem Ort, an dem so manche Feier stieg. So kam es, dass die Bünderin bis zum Abzug der Briten aus Ostkilver in den 90er Jahren immer mehr kleine Geschenke, Andenken und Fotos sammelte. Vieles davon hängt bis heute an den Wänden ihrer Wohnung. Im Moment ist es etwas weniger als sonst – die Besucher der Ausstellung in Paderborn werden es Bärbel Möller danken.

realisiert durch evolver group