Handschellen - © DPA / Collage: Gerald Dunkel
Handschellen | © DPA / Collage: Gerald Dunkel

Bünde/Bielefeld Haftstrafen für stadtbekannte Dealer

Prozess: Bielefelder Landgericht verurteilt Angeklagte wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Die beiden vorbestraften Täter hatten umfassende Geständnisse abgelegt

Bünde/Bielefeld. Es glich beinahe schon eher einem väterlichen Stoßseufzer denn einer gestrengen richterlichen Maßregelung: "Eine gewisse Unreife in Ihrer Person ist echt zu bejahen", sagte der Vorsitzende Richter Christoph Meiring zu den Angeklagten. Angesprochen waren zwei 26 und 29 Jahre alte Männer aus Bünde. Das Bielefelder Landgericht verurteilte sie gestern wegen eines ehemals florierenden Handels mit verschiedensten Drogen zu mehrjährigen Haftstrafen. Die beiden Angeklagten seien keineswegs mit den hartgesottenen Mitgliedern südamerikanischer Drogenkartelle zu vergleichen - das stellte Richter Meiring in der Urteilsbegründung klar. Dennoch sei es Ulrich F. (26) und dem drei Jahre älteren Jonas O. (Namen aller Betroffenen geändert) gelungen, vor allem bei der jüngeren Bevölkerung Bündes eine gewisse Prominenz zu erlangen. Bereits am ersten von insgesamt drei Verhandlungstagen hatte ein Zeuge vor Gericht gesagt: " Die hatten schon einen gewissen Ruf. Man wusste, dass man bei denen etwas bekommen konnte." Bekommen konnte man bei den vorbestraften Angeklagten vor allem Marihuana und Amphetamin. In der Zeit von spätestens Herbst 2016 bis zum Frühjahr dieses Jahres belieferten sie einen Kundenstamm von rund dreißig Leuten. Dabei führten sie penibel Buch - die von der Polizei sichergestellten Schuldner- und Umsatzlisten machten es dem Gericht leicht, die umfassenden Geständnisse der Angeklagten auf ihre Glaubhaftigkeit zu überprüfen. Doch hatten die Polizisten bei der am 3. Mai erfolgten Hausdurchsuchung nicht nur die besagten Listen gefunden: Die Beamten stellten eine Messersammlung, Teleskopschlagstöcke, Elektroschocker und Gaspistolen sicher. "Über eine bewährungsfähige Strafe brauchten wir nicht zu reden, damit das noch mal klar ist", sagte Richter Meiring in der Urteilsbegründung. Das Landgericht verurteilte Ulrich F. zu drei Jahren und neun Monaten, Jonas O. zu fünf Jahren Haft. Darüber hinaus ordnete die Kammer die Unterbringung des drogenabhängigen 29-Jährigen im Entzug an. Mit diesem Urteil sei die Kammer, so Meiring, den Angeklagten weit entgegengekommen.

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