Bünde Gut gelauntes Ensemble

Theater: Das Mecklenburgische Junge Staatstheater aus Parchim spielte am Mittwochabend die Komödie "Trennung für Feiglinge" im Universum

Nicolas Bröggelwirth

Bünde. Was macht man, wenn man sich von seiner Freundin trennen möchte, aber nicht den Mut besitzt, es wirklich zu tun? Erschreckend dumm wird die Situation, wenn man erst kürzlich mit ihr zusammengezogen ist. Genau das ist Paul (Martin Klinkenberg) "passiert". Sein Leben ist in letzter Zeit dominiert von ständigen Todesfantasien über Sophies (Anne Ebel) Tod, die in seinen Träumen beispielsweise von einem oder auch gleich mehreren Lkw überfahren wird. Die Situation ist für ihn unerträglich geworden. Was nun? Hilfe verspricht er sich von seinem Freund Martin (Nils Höddingshaus). "Ich habe vor dem Spiegel eine Trennungsrede geübt und bin kläglich gescheitert." Das mag daran liegen, dass er in ihr die genauen Umstände von Sophies Tod detailliert geschildert hat. Aber er hat noch eine andere Idee. Wie Sophie - aus irgendeinem Grund beiläufig - erst kürzlich erwähnte, könnte sie sich ein Zusammenleben zu dritt nicht vorstellen. Also soll Martin einziehen und nach dem sich ergebenen Streit wäre Paul frei. Doch selbst Martin hält das für eine dämliche Lösung. Paul erfindet für Sophie den Tod von Martins Mutter. Als dieser im Gespräch mit Martins Hämorrhoiden verwechselt wird, nimmt die Geschichte ihren Lauf... Mit "Trennung für Feiglinge" ("Une semaine, pas plus") feierte der französische Autor, Schauspieler und Regisseur Clément Michel seinen international bisher größten Erfolg. In Paris 2011 uraufgeführt führte der Weg 2014 als deutschsprachige Erstaufführung über das Neue Theater Hannover und erlebte daraufhin großen Anklang unter anderem in Russland, Spanien, Mexiko, der Türkei und vielen Bühnen in Deutschland, darunter Münster, Düsseldorf und Braunschweig. Augenblicklich ist in Frankreich eine Verfilmung geplant. Die Handlung ist hanebüchen und voller logischer Lücken, aber von Franz-Lorenz Engel nah an der Alltagssprache übersetzt und scheut auch nicht die kraftvolle Rhetorik, bei der die Dialogpartner aber sehr oft weghören müssen, um keine Risse in den Charakteren zu erzeugen. "Es ist merkwürdig, Dich mit dem Kopf auf den Schultern zu sehen." Das einzige, was diese dürftig durchdachte Dramaturgie rettet, sind die gänzlich gut gelaunten Schauspieler, die in der Inszenierung von Katja Mickan auch große Albernheiten und Slapstick mittragen und ein mittelstarkes Overacting gezielt als Stilmittel einsetzen. Besonders der 1988 in Bielefeld geborene Nils Höddinghaus überzeugt in seiner Rolle zwischen Opfer und Agitator mit einer starken Bühnenpräsens. Ein Abonnement-Pärchen betrat vor der Vorstellung das alte Theater in Ennigloh. Er fragte sie, während sie die Eintrittskarten in der Hand und er ihr die Eingangstür offen hielt: "Was gibt es heute Abend eigentlich?" Der Stadtkultur Bünde gelang mit der Organisation des Gastspieles des Jungen Staatstheaters Mecklenburg die Realisation eines durchaus unterhaltsamen Boulevard-Theater-Abends, der sich zwar in fast jeglicher Konsequenz das Nachdenken energisch verbat, aber die etwa 120 Zuschauer zum herzlichen Lachen brachte.

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