Das Zerwürfnis zwischen Bürgermeister Wolfgang Koch (l.) und dem Technischen Beigeordneten Andreas Siepenkothen ist in öffentlichen Sitzungen wieder gegenwärtig. - © DUNKEL / TITTEL
Das Zerwürfnis zwischen Bürgermeister Wolfgang Koch (l.) und dem Technischen Beigeordneten Andreas Siepenkothen ist in öffentlichen Sitzungen wieder gegenwärtig. | © DUNKEL / TITTEL

Bünde Alles andere als harmonisch

Differenzen zwischen Bürgermeister und seiner Nummer 3 im Rathaus sind längst nicht beigelegt. CDU, FDP und UWG wollen die Stelle streichen

Stefan Boscher

Bünde. Mehrere Monate war es zumindest nach außen hin ruhig zwischen Bürgermeister Wolfgang Koch und seinem Technischen Beigeordneten Andreas Siepenkothen. Nun flammt der Streit der beiden wieder auf. Grund ist ein Vorstoß von CDU, FDP und UWG, Siepenkothens Stelle auf absehbare Zeit zu streichen. Im vergangenen Jahr war das Dreier-Bündnis mit seinem Antrag gescheitert, Siepenkothen abzuwählen. Sie hatten dem Technischen Beigeordneten das Vertrauen entzogen, eine Zwei-Drittel-Hürde im Stadtrat stoppte das Vorhaben allerdings. Nun gibt es einen zweiten Anlauf, der aus Sicht des Bündnisses erfolgversprechender ist: Man will nicht die Person loswerden, sondern streicht seine Stelle (die NW berichtete exklusiv). Dafür reicht eine einfache Mehrheit im Rat. Die haben CDU, FDP und UWG knapp, wenn sie vom Bürgermeister, der der CDU angehört, unterstützt werden. Vordergründig will man die Verwaltung mit dem Schritt effektiver machen, ohne Beigeordneten, so die Argumentation, könnten sich zwei Experten - ein Stadtplaner und ein Ingenieur - um den Bau- und Planungsbereich kümmern, dazu sollen Ämter gebildet werden. "Wir sind überzeugt davon, dass wir mittelfristig so besser aufgestellt sind", begründete Heinz-Georg Beneke den Antrag. Erst 2021 soll das Vorhaben umgesetzt werden, zu dem der Haupt- und Finanzausschuss gegen die Stimmen der SPD nun grünes Licht gegeben hat. Der Stadtrat muss noch zustimmen. Kritik gab es von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Andrea Kieper: Man treffe eine Entscheidung, die über die Amtszeit des Rats hinausgehe. "Ist das rechtlich zulässig?", fragte Kieper. Laut Koch ist es das. Trotzdem: Bis zur nächsten Ratssitzung am kommenden Dienstag fordert die SPD eine rechtliche Grundlage für das Vorgehen. Überhaupt kritisierte Kieper den gesamten Antrag: "Haben wir nicht genug anderes zu tun?" Und: "Ich plädiere für weiterhin zwei Beigeordnete." Die lange Vorlaufzeit bis zum Wegfall der Stelle verteidigte Martin Lohrie (FDP): "Die Suche nach geeigneten Leuten muss frühzeitig beginnen. So haben auch Mitarbeiter des eigenen Hauses eine Chance, sich auf die Stellen zu bewerben." Dann ergriff Andreas Siepenkothen, um dessen Stelle es geht, selbst das Wort und sparte nicht mit Kritik vor allem an der Leitung des Rathauses und damit am Bürgermeister. Von einer "vierjährigen Blockadepolitik" sprach Siepenkothen, von "Theater im Rathaus". Der hinter verschlossenen Türen und Ende vergangenen Jahres auch öffentlich ausgetragene Streit habe "viele Ressourcen gebunden. Wenn diese Arbeit für die Stadt Bünde eingesetzt worden wäre, stünden wir jetzt ganz anders da". Es sei offenbar nicht gewünscht, dass man eine andere Meinung habe als der Verwaltungschef selbst, so Siepenkothen, denn: "Wenn Sie hier Rückgrat zeigen und eine eigene Meinung haben, haben Sie Ärger ohne Ende." Die Vorwürfe in der öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses wollte sich Wolfgang Koch nicht gefallen lassen. Er solle "zurückhaltender" mit seinen Aussagen sein, so Koch in Richtung Siepenkothen. Und weiter: "Solche Äußerungen sind eine Unverschämtheit." Ob die Beigeordneten-Stelle wirklich gestrichen wird, entscheidet der Stadtrat in öffentlicher Sitzung am kommenden Dienstag, 17. Oktober, ab 19 Uhr im Rathaus. Stimmen alle Ratsmitglieder von CDU, FDP und UWG dafür, hätten sie 20 Stimmen. Die eine fehlende Stimme zur Mehrheit ist die von Bürgermeister Wolfgang Koch. Dass er der Streichung zustimmt, dürfte nach der jüngsten Auseinandersetzung mit Siepenkothen wahrscheinlich sein. Kommentar Keine Hoffnung Wer die Hoffnung hatte, Bürgermeister und sein Technischer Beigeordneter würden sich nach dem gescheiterten Abwahlversuch zusammenreißen, um das beste aus der Situation zu machen, muss nun einsehen: Es gibt wohl keine Hoffnung mehr auf ein einigermaßen normales Verhältnis zwischen den beiden. Ob man sich persönlich versteht oder nicht, ist im Beruflichen nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist eine professionelle Zusammenarbeit, die in diesem Fall das gleiche Ziel verfolgen sollte: Im besten Sinn für die Stadt Bünde zu arbeiten. Ob das im Alltag so ist, darf zumindest bezweifelt werden. Andreas Siepenkothen hat in einem Punkt Recht: Es muss einem leitenden Mitarbeiter erlaubt sein, seine Meinung zu sagen und Rückgrat zu zeigen. Ein guter Vorgesetzter fordert das sogar ein. Das gilt allerdings nur hinter verschlossenen Türen. Nach außen hin hat sich ein Angestellter unterzuordnen und seine eigene Meinung für sich zu behalten, wenn sie nicht mit der seines Chefs oder seines Arbeitgebers übereinstimmt. CDU, FDP und UWG scheinen gewillt, die Sache durchzuziehen und die Beigeordneten-Stelle zu streichen. Wenn sie es nicht aus persönlichen Gründen dem aktuellen Stelleninhaber gegenüber, sondern aus sachlichen Gründen tun wollen, müssen sie allerdings glaubhaft deutlich machen, warum man auf einmal auf die Funktion verzichten kann. Viele Jahre lang hat ein Beigeordneter Verantwortung für den Bereich Planen und Bauen getragen. Warum war das so lange notwendig, ist jetzt aber überflüssig? Kontakt zum Autor

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