Imposant: Das Krankenhaus im Gazastreifen – das Geld kam aus Katar – ist auch innen bestens ausgestattet. FOTOS: HAMMER FORUM - © emma
Imposant: Das Krankenhaus im Gazastreifen – das Geld kam aus Katar – ist auch innen bestens ausgestattet. FOTOS: HAMMER FORUM | © emma

Bünde Ein Silberstreif am Gazastreifen

Einsatz in Palästina: Theophylaktos Emmanouilidis und das Hammer Forum waren diesmal im Nahen Osten unterwegs – selbst für Weitgereiste eine neue Erfahrung

Haselhorst

Bünde. Theophylaktos Emmanouilidis hat in dieser Welt viel gesehen. Seit sich der 78-jährige ehemalige Chefarzt des Lukas-Krankenhauses – rein theoretisch – im Ruhestand befindet, fliegt er unermüdlich um den Globus, um im Namen der Ärzte-Organisation „Hammer Forum“ Kinder wie am Fließband zu operieren. Diesmal führte ihn die Reise erstmals in den Gazastreifen und ins Westjordanland. Dort wurden er und seine Kollegen zwei Wochen lang mit Bedingungen konfrontiert, die selbst für Emmanouilidis neu waren. Die ersten Unterschiede wurden bereits bei der Einreise deutlich: Während es „Dr. Emma“ als ehrenamtlich tätiger Arzt gewohnt ist, überall auf der Welt herzlich willkommen geheißen zu werden, schlug ihm am Flughafen von Tel Aviv große Skepsis entgegen: Viermal habe ihn der Beamte gefragt, ob er wirklich zum ersten Mal im Land sei. Viermal habe er bejaht. Erst nach einem sehr langen Blick ins Gesicht habe der Grenzer ihn durchgewunken. In den Gazastreifen zu kommen, war ebenfalls nicht einfach. Drei Checkpoints müsse man überwinden, bis man drin sei. „Wir hatten zum Glück einen netten israelischen Soldaten, der uns geholfen hat“, so der Bünder. Die Armut der Zivilbevölkerung kennt er bereits aus vielen afrikanischen Ländern, die er bereist hat. Umso überraschter war er, als er das pompöse Krankenhaus sah: „Sehr gut ausgestattet, besser als viele Häuser in Europa“, sagt der 78-Jährige. Der Hintergrund: Der Staat Katar gab Millionen, weitere Golfstaaten halfen beim Bau. „Allein hätten die Palästinenser das nicht geschafft“, macht Emmanouilidis deutlich. „Ohne ständige Fremdhilfe könnte der Gazastreifen nicht überleben.“"Ich habe mit einem Arzt gesprochen, der seit 17 Jahren dort eingesperrt ist" Knapp 2 Millionen Menschen tummeln sich auf dem 40 Kilometer langen und sechs bis 14 Kilometer breiten Streifen, keiner dürfe raus. „Ich habe dort mit einem einheimischen Arzt gesprochen, der seit 17 Jahren dort eingesperrt ist – und das ist keine Ausnahme“, erzählt der Bünder. Die Lebenslage und die permanente Bedrohung von außen hätten natürlich auch Einfluss auf Körper und Seele der Menschen dort. Will heißen: Viele sind so kaputt wie die Gebäude im Außenbereich des Areals. Dr. Emma räumt freimütig ein, dass er „vorher nicht wusste, was das bedeutet“ und dass man „das alles dort erst mal verstehen und verdauen muss“. Später im Westjordanland seien die Zustände nicht ganz so schlimm gewesen. „Dort können die Leute wenigstens rein und raus.“ Vom erfolgreichen Operieren hielt ihn und seine mitgereisten Berufskollegen all das nicht ab: 354 Untersuchungen und 103 erfolgreiche OPs hätten sie durchgeführt, 43 davon seien allein auf seine Kappe gegangen, „sehr viele Missbildungen“, wie er sagt. Außerdem habe man Vorträge vor Hunderten von Medizinern verschiedener Fakultäten gehalten. „Die Ärzte im Gazastreifen sind gut, aber durch ihre Isolation haben sie wenig Möglichkeiten, sich weiterzubilden“, erklärt der Bünder Arzt die Misere. Das Hammer Forum – für die Bewohner des Gazastreifens ein Silberstreif am Horizont. Oder wie es eine einheimische Mitarbeiterin ausdrückte: „Ihr wart die beste NGO, die jemals hier war.“

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