"Bünde bleibt bunt statt braun": Hinter einem Transparent mit diesem Slogan liefen Mitglieder verschiedener Parteien und Verbände. - © Myriam Domke-Feiner
"Bünde bleibt bunt statt braun": Hinter einem Transparent mit diesem Slogan liefen Mitglieder verschiedener Parteien und Verbände. | © Myriam Domke-Feiner

Bünde Friedliche Demo für ein weltoffenes Bünde

Zeichen gegen Rechts: Ein breites lokales Bündnis aus Parteien und Verbänden organisierte die Demonstration durch die Bünder Innenstadt mit rund 200 Teilnehmern. Die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle

Myriam Domke-Feiner

Bünde. Sie trugen Transparente, Plakate und Schilder. Aus Lautsprechern ertönte laute Musik, zwischendrin verlasen die Organisatoren ihre Botschaften. "Bünde bleibt bunt statt braun", "Wir wollen keine Rassisten und Nationalisten", "Wir wollen keine AfD und keine Neonazis". Am Samstagnachmittag, zur besten Besucherzeit des Zwiebelmarktes und einen Tag vor der Bundestagswahl, hatte das lokale Bündnis, bestehend aus SPD, Grünen, Die Linke, Deutscher Gewerkschaftsbund, IG Metall, Antifa, Verein International, Alevitengemeinde und Villa Kunterbunt, zu einer Demonstration gegen Rechts aufgerufen. Anlass war das vermehrte Auftauchen von Aufklebern der neonazistischen Kleinstpartei "Der Dritte Weg" in Bünde, die auffällig hohen AfD-Wahlergebnisse in Bünde bei der vergangenen Landtagswahl sowie die Störung des Auftritts von EU-Kommissar Günther Oettinger auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung im Steinmeisterpark vor einigen Wochen durch rechte Gruppierungen. Laut Polizei verlief die Veranstaltung am Samstag friedlich. Die Beamten hätten keine anlassbezogenen Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Die Demo startete auf dem Bahnhofsvorplatz. Von dort zogen die rund 200 Teilnehmer durch die Innenstadt bis zum Steinmeisterpark. Irmgard Pehle vom "Bündnis gegen Rechts" sprach als eine der Hauptorganisatorinnen: "Wir haben keine Lust, in einer Gesellschaft zu leben, in der Rassisten und Nationalisten immer mehr in den öffentlichen Raum und die Parlamente drängen." Neben dem "Dritten Weg" richtete sich Pehles Kritik vor allem gegen die Alternative für Deutschland (AfD): "Für uns ist die AfD keine demokratische Partei. Sie arbeitet mit dem Trick, sich als Opfer darzustellen." Auch wenn es bei dieser Demo eigentlich um rechte Gewalt ging, kam die Sprache auch auf ihren ideologisch "links" gefärbten Gegenpart. Unter den Demonstranten gab es da recht unterschiedliche Sichtweisen. "Ich verurteile rechte Ideologien schneller als linke.Wir sind nun einmal eine linke Partei", sagte SPD-Landtagsabgeordnete Angela Lück. Ihr Parteikollege Karsten Dogar sah das ganze etwas differenzierter: "So lange sich eine Vereinigung mit unserer Demokratie und unseren Gesetzen vereinbaren lässt, kann ich damit leben. Ich muss es aber nicht gut finden." Seine gelassene Toleranz bewies Dogar noch im Laufe der Veranstaltung. Beispielsweise als die Linken-Abgeordnete Inge Höger seine Partei während der Abschlusskundgebung im Steinmeisterpark direkt angriff. "Alle Parteien, die in den vergangenen 20 Jahren regiert oder mitregiert haben, sind durch ihre ungerechte Politik dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen rechte Parteien unterstützen." Dogar reagierte mit einem Schulterzucken: "Das nehme ich nicht ernst. Ich bin nicht der Meinung, dass die SPD dafür verantwortlich ist. Und ich weiß ja, wer da spricht." Bei den Demonstranten handelte es sich keineswegs um eine homogene Masse. Neben den Partei- und Verbandsmitgliedern - die selbstverständlich einen Tag vor der Bundestagswahl auch noch Wahlkampf betrieben - gab es auch Teilnehmer, die ohne Gruppenzugehörigkeit für ein offenes und tolerantes Bünde demonstrierten. Darunter waren auffällig viele junge Menschen. Drei von ihnen sind die 19-jährige Jasmin aus Enger und die beiden 20-Jährigen Juri und Jannis aus Löhne. Ihre Nachnamen möchten sie lieber nicht nennen. "Ich bin gegen Rassismus und Homophobie", sagte die junge Engeranerin. Der 20-jährige Juri fügte hinzu: "Und alles, was das Grundgesetz von Deutschland nicht schützt." Auch der 20-jährige Jannis hat eine klare Position: "Ich bin gegen jede Form von Gewalt. Besonders gegen rechte. Das habe ich von meinem Opa gelernt." Auch heute habe sein Opa zu ihm gesagt: "Geh da mal hin, Junge. Das ist wichtig." Mitlaufen konnte er selbst allerdings nicht: "Mein Opa ist 79, für ihn wäre das heute zu viel gewesen."

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