Gesperrt: Wenn der Gewinghauser Bach unter der Gerhart-Hauptmann-Straße zu viel Wasser führt, drückt er es in die Unterführung. Diese Querverbindung zwischen Wasserbreite und Borriesstraße wird dann oft gesperrt und kann – wie in diesem Fall – noch auf eigene Gefahr befahren werden. Das Wasser stand aber auch schon wesentlich höher. - © Gerald Dunkel
Gesperrt: Wenn der Gewinghauser Bach unter der Gerhart-Hauptmann-Straße zu viel Wasser führt, drückt er es in die Unterführung. Diese Querverbindung zwischen Wasserbreite und Borriesstraße wird dann oft gesperrt und kann – wie in diesem Fall – noch auf eigene Gefahr befahren werden. Das Wasser stand aber auch schon wesentlich höher. | © Gerald Dunkel

Bünde Konzept gegen Überschwemmung

Gewinghauser Bach: NW-Leser Helmut Ostermeier wirft der Stadt Versäumnisse beim Hochwasserschutz im Bereich der Bahnunterführung der Gerhart-Hauptmann-Straße vor und hat Ideen zur Verbesserung der Situation

Gerald Dunkel

Bünde. Es muss nicht erst eines der vielbesagten Starkregenereignisse kommen, um die Gerhart-Hauptmann-Straße im Bereich der Bahnunterführung unter Wasser zu setzen. In den vergangenen Jahren mussten Stadtmitarbeiter an Wasserbreite und Borriesstraße mehrfach Sperren aufstellen, weil es wegen einer Überschwemmung zu gefährlich war, die Querverbindung zu befahren. NW-Leser Helmut Ostermeier will Abhilfe schaffen und glaubt, den „wahren Grund" für das schnelle Überlaufen des Gewinghauser Bachs gefunden zu haben. Anfang des Jahres befürchteten Bürger, dass durch das zusätzliche Oberflächenwasser des Baugebiets östlich der Gerhart-Hauptmann-Straße künftig so viel Wasser in den Gewinghauser Bach eingeleitet wird, dass es noch viel häufiger zu derlei Überschwemmungen kommen könnte. Dazu erklärte Christoph Wittler, bei der Stadt zuständig für Gewässer, vor einem halben Jahr, dass ein Grund für die Überschwemmungen in der Unterführung der zu enge Durchlass unter der Gerhart-Hauptmann-Straße sei. Bei der Berechnung habe man vor vielen Jahren heutige Regenmengen nicht berücksichtigt. Das sieht Helmut Ostermeier allerdings anders. Die „heutigen Regenmengen" habe es seiner Meinung nach früher auch schon gegeben. Es liege vielmehr an den vielen verdichteten und bebauten Flächen, dass der Gewinghauser Bach so viel Wasser führen müsse. Ostermeier hat umfangreiche Berechnungen zu Regenmengen, Fließgeschwindigkeiten des Gewässers und Durchflussmengen des Bachs angestellt und an einer Öffnung des unterirdischen Verlaufs nahe des alten Cordes-Gebäudes entdeckt, dass derzeit nur etwa 25 Prozent der Wassermenge hindurchfließen kann, die durchfließen könnte. Grund: „Darin steht fast ein dreiviertel Meter Schlamm, Geröll und Unrat, der das Wasser blockiert", erklärte Ostermeier bei einem Ortstermin, dem auch SPD-Ratsfrau Magdalena Monka beiwohnte. Nur ein ganz geringer Teil des unterirdischen Querschnitts sei noch frei. Ostermeier wirft den Verantwortlichen der Stadt hier Versäumnisse vor, den Durchlass in der Vergangenheit regelmäßig weder kontrolliert, noch gereinigt zu haben. Die Öffnung in dem Durchlass wurde laut Wittler geschaffen, um dem Gewinghauser Bach bei starkem Wasserdruck die Möglichkeit zu geben, sich oberirdisch über das alte Güterbahnhofsgelände auszudehnen. Im Gespräch mit der NW erklärt Wittler weiter: „Das Problem mit dem Durchfluss ist, dass er zu tief gebaut wurde. Flacher und breiter wäre besser gewesen. Denn durch die Tiefe lagert sich viel Material darin ab. Dagegen lässt sich nicht viel machen." Allerdings würde es laut Wittler auch nicht viel nützen, den Durchlass regelmäßig zu reinigen. Das Gefälle sei einfach zu flach und es würde sich in relativ kurzer Zeit wieder eine dicke Schicht ansammeln. „Selbst wenn der Durchlass regelmäßig freigehalten würde, hätte das kaum Auswirkungen auf die Wasserhöhe darin", so Wittler weiter. Bei Hochwasser wäre auch ein freigeräumter Durchlass voll, weil das hohe Wasser in der Else dagegen drücke und verhindere, dass das Wasser abfließt. „Es staut sich zurück und es kommt zu einer Überschwemmung", sagt Wittler. Ein Phänomen, das sich laut Helmut Ostermeier durch ein entsprechend berechnetes Regenrückhaltebecken verhindern ließe. „Der Aufwand, um eine Überschwemmung zu verhindern, muss aber auch finanziell realisierbar sein und im Verhältnis zu den Auswirkungen einer Überschwemmung stehen", sagt Wittler. Die Stadt habe dafür nicht unbegrenzt Mittel zur Verfügung und nicht alle Maßnahmen würden vom Land NRW gefördert. Zudem sei oft noch die Zustimmung der Bahn nötig. Geplant sei künftig eine neue Anlage mit schrägem Rechen im Bereich der Borriesstraße. Dort sollen größere Objekte im Wasser aufgehalten werden. Der jetzige Rechen sei senkrecht, weshalb sich viel Unrat davor ansammele und den Bachlauf verstopfe. Helmut Ostermeier hat seinen Worten nach ein Konzept in der Schublade, mit dem Ablagerungen im Durchlass und Überschwemmungen in dem Bereich künftig der Vergangenheit angehören sollen. Ratsfrau Magdalena Monka soll sich dafür einsetzen, dass er das den entsprechenden Gremien vorstellen kann.

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