Im Gespräch: Freyja Diebrock (NABU), Friedrich Ostendorff (B90/Grüne), Hermann Dedert (landwirtschaftlicher Kreisverband) - © Carina Schmihing
Im Gespräch: Freyja Diebrock (NABU), Friedrich Ostendorff (B90/Grüne), Hermann Dedert (landwirtschaftlicher Kreisverband) | © Carina Schmihing

Bünde. Wie Landwirtschaft und Natur im Einklang stehen können

Debatte mit Zündstoff: Experten diskutieren die Nachhaltigkeit in der Agrarbranche. Besonders der Respekt im Umgang mit Bauern wird vermisst

Carina Schmihing

Bünde. Am Mittwochabend diskutierten drei Umwelt- und Landwirtschaftsexperten das Thema "Eine andere Landwirtschaft ist möglich" im Bünder Stadtgarten. Die Bünder Fraktion der Partei Bündnis 90/Die Grünen hatte die Landwirte aus dem Bünder Land eingeladen, gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Auf dem Podium diskutierten Freyja Diebrok, zweite Vorsitzende des NABU, Hermann Dedert, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbands Bielefeld-Herford und Friedrich Ostendorff, Bundestagsabgeordneter für die Grünen und Landwirt aus Bergkamen. Das Interesse der Gesellschaft an Natur, Tierwohl und Nachhaltigkeit steigt, da sind sich Gastgeber und Podiumsgäste einig. Trotzdem haben es die Themen weder auf die Agenda der Bundespolitiker noch der Lokalpolitiker geschafft. Bereits vor rund vier Jahren haben die Grünen eine Veranstaltung zum Thema grüne Landwirtschaft gemacht. Viel anderes sei bisher aber nicht passiert. Landwirtschaft ist tief in der Region verankert Aus seiner Arbeit mit den Bauern in der Region weiß Hermann Dedert, dass die Landwirtschaft tief in der Gesellschaft verankert ist. Dennoch werden Debatten mit Landwirten nicht sachlich genug geführt. "Bei vielen Landwirten stellt sich durch den hohen wirtschaftlichen und persönlichen Druck von Außen Frust ein." Er plädiert für einen sachlicheren Umgang mit den Bauern, wenn es um Themen wir Tierhaltung, Flächenverbrauch oder Schonung der Böden geht. Die Debatte um den Bau des neuen Werkes der Firma Häcker sei dabei nur eines von vielen Beispielen, indem die Belange von Landwirten wenig Beachtung fänden. Immer mehr wertvolles Ackerland werde durch Unternehmensexpansionen versiegelt und damit für die Landwirtschaft unbrauchbar gemacht. "Die letzten 20 Jahre waren für die Natur ein Desaster", hakt Freyja Diebrok vom NABU vehement ein. Insbesondere die Vögel würden unter der Verknappung von Brachflächen leiden. Seitdem immer mehr Landwirte in Biogasanlagen investierten, gäbe es kaum noch freiliegendes Feuchtland, auf dm viele Vogelarten heimisch sind. Sechzig Prozent der Arten seien deshalb in den letzten Jahren ausgestorben. Diese klimafeindliche Bewirtschaftung setzt zudem weiteres CO2 frei. Die EU-Subventionen für die Agrarindustrie in Milliardenhöhe müssten sinnvoll eingesetzt werden, so Diebrok. Auch der Naturschutz solle seinen berechtigten Anteil erhalten. Als Lösung schlägt die zweite Vorsitzende des NABU hier das Konzept der ökologischen Vorrangflächen vor. Keine traurigen Bilder mehr aus Ställen Verständnis für beide Seiten hat Friedrich Ostendorff. Der Bergkamener ist der einzige Landwirt im Bundestag, der der Fraktion der Grünen angehört. Sein großer Wunsch ist, keine "traurigen Bilder" mehr aus Ställen in den Medien sehen zu müssen. "Ich will keine Anklagen machen, aber es gibt Probleme". Die gesamte Branche habe in den letzten 20 Jahren vor einer Herkulesaufgabe gestanden. Um im internationalen Wettbewerb Schritt halten zu können, steigerten die Bauern in der Region ihre Produktivität massiv. Von Seiten der Naturschützer gäbe es gute Vorschläge, wie Landwirtschaft naturverträglicher gestaltet werden kann, sagt der Bundestagsabgeordnete. Einig sind sich aber doch alle drei Experten in Bezug auf den Dialog, der über klimafreundliche Landwirtschaft geführt werden muss. Mehr Respekt bedarf es einerseits im Umgang miteinander - aber auch andererseits im Umgang mit den Ressourcen.

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