Die Realschule Bünde-Nord: Es sind vor allem bauliche Gründe, Platzmangel und keine ausgebildeten Fachkräfte, die aus Sicht des Schulleiters aktuell dagegen sprechen, im Rahmen des gemeinsamen Lernens weitere behinderte Kinder aufzunehmen und zu unterrichten. - © Foto: GERALD DUNKEL
Die Realschule Bünde-Nord: Es sind vor allem bauliche Gründe, Platzmangel und keine ausgebildeten Fachkräfte, die aus Sicht des Schulleiters aktuell dagegen sprechen, im Rahmen des gemeinsamen Lernens weitere behinderte Kinder aufzunehmen und zu unterrichten. | © Foto: GERALD DUNKEL

Bünde Nicht genügend Platz für Behinderte

Das Schulamt möchte behinderte Kinder an der Realschule Bünde-Nord unterrichten lassen. Die Schule wehrt sich

Stefan Boscher

Bünde. Behinderte und nicht-behinderte Kinder sollen möglichst gemeinsam lernen. Das ist das wesentliche Ziel des gemeinsamen Lernens. Doch dieses Ziel ist auch mit Problemen verbunden: Es müssen entsprechende Räume zur Verfügung stehen, dazu speziell ausgebildetes Lehrpersonal. Dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammenpassen, zeigt ein Fall aus Bünde. Hier fehlen demnächst zahlreiche Plätze für behinderte Kinder an einer weiterführenden Schule. Schon zwei Schulen, die Realschule Bünde-Mitte und die Erich-Kästner-Gesamtschule haben das gemeinsame Lernen ins Schulprogramm aufgenommen. Im Moment reichen die Plätze auch aus. Im kommenden Jahr könnte das allerdings schon anders aussehen. Also soll nach dem Willen des Schulamtes auch die Realschule Bünde-Nord ins Boot geholt werden. Dort ist man nicht begeistert von dem Vorhaben. Die Zahlen 18 Plätze fürs gemeinsame Lernen an weiterführenden Schulen gibt es aktuell in Bünde. Diese verteilen sich auf die Erich-Kästner-Gesamtschule (zehn Plätze) und auf die Realschule Bünde-Mitte (acht Plätze). Zum kommenden Schuljahr werde es nach Berechnungen des Kreises Herford und der Bezirksregierung "deutlich" mehr Bedarf geben. Die Experten rechnen mit 23 Plätzen, die benötigt werden. Das sagt das Schulamt Behinderte und nicht-behinderte Kinder sollen möglichst gemeinsam lernen. Das ist das wesentliche Ziel des gemeinsamen Lernens. Doch dieses Ziel ist auch mit Problemen verbunden: Es müssen entsprechende Räume zur Verfügung stehen, dazu speziell ausgebildetes Lehrpersonal. Dass Wunsch und Wirklichkeit nicht immer zusammenpassen, zeigt ein Fall aus Bünde Die Plätze fehlen, an den Zahlen wird nicht gezweifelt. Zudem seien die Kapazitäten an den bisherigen Schulen ausgereizt, während es an den Gymnasien und an der Realschule Bünde-Nord noch kein gemeinsames Lernen gebe. 18 Klassen gibt es an der Realschule Nord. Ihnen stehen 22 Unterrichtsräume zur Verfügung. Fünf weitere Klassenzimmer wurden ans benachbarte Freiherr-vom-Stein-Gymnasium abgegeben und können nicht genutzt werden. Sollte das gemeinsame Lernen kommen, müsste "ein Klassenraum aufgegeben und durch Einziehen einer Wand" umgebaut werden, so dass zwei Gruppenräume entstehen. Ähnlich war man bereits bei der Realschule Mitte vorgegangen. Das sagt die Schule Als "nicht durchführbar" bezeichnet Guido Broziewski Blomenkamp die Pläne. Der Leiter der Realschule Nord verweist darauf, das man sich der Integration behinderter Kinder nicht verschließe. So würden bereits jetzt drei Kinder mit Förderbedarfen an seiner Schule unterrichtet. Ihn stört unter anderem, dass die Schule bei der Einführung des gemeinsamen Lernens vor drei Jahren aufgrund der "prekären Raumsituation" übergangen worden sei. "Es verwundert mich daher sehr, dass die Einrichtung jetzt plötzlich möglich sein soll", schreibt Broziewski Blomenkamp in einer Stellungnahme, die der NW vorliegt. Die Raumsituation bezeichnet er schon jetzt als "nicht ausreichend". So müssten internationale Klassen, Gruppen zur Sprachförderung und weitere Kurse untergebracht werden. Von "Raumnot" spricht der Schulleiter schon jetzt. Hinzu kommt, dass kein Fahrstuhl vorhanden ist, was eine Integration von körperbehinderten Kindern weiter einschränke. Weiter fehlen Lehrer mit sonderpädagogischer Ausbildung und zusätzliche Stunden einer Schulsozialarbeiterin. Hier müsste zunächst gegengesteuert werden. Sein Fazit: Aktuell sei gemeinsames Lernen "nicht mit ausreichender Qualität leistbar. Damit wäre weder Kindern mit noch Kindern ohne Förderbedarf geholfen." Zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein solches Vorhaben "nicht verantwortlich durchführbar", so Broziewski Blomenkamp. So geht es weiter Der städtische Schulausschuss muss entscheiden, ob gemeinsames Lernen zum nächsten Schuljahr an der Realschule Bünde-Nord möglich sein soll oder nicht. Das Schulamt empfiehlt diesen Schritt. Sollte der Ausschuss anderer Meinung sein, müssten Alternativen gesucht werden. Die öffentliche Sitzung des Schulausschusses findet statt am Donnerstag, 21. September, 19 Uhr, im Rathaus.

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