„Ich fühle mich hier sehr wohl": Das sind von Louisa Frohwitter (22), Azubi im MuM, offensichtlich nicht nur leere Worte. Mit Geschäftsführerin Hempen hat sie jedenfalls auch bei der Besprechung von kleineren Aufgaben viel Spaß. - © Foto: Katharina Georgi
„Ich fühle mich hier sehr wohl": Das sind von Louisa Frohwitter (22), Azubi im MuM, offensichtlich nicht nur leere Worte. Mit Geschäftsführerin Hempen hat sie jedenfalls auch bei der Besprechung von kleineren Aufgaben viel Spaß. | © Foto: Katharina Georgi

Bünde Bünder Ärztenetzwerk bildet bundesweit als erstes aus

Medizin und Mehr: Zum bundesweit ersten Mal wird ein junger Mensch in einem solchen Zusammenschluss von Ärzten ausgebildet. Andere wollen dem Bünder Beispiel folgen

Katharina Georgi

Im Ärztenetzwerk Medizin und Mehr (MuM) treffen Patienten künftig auf ein neues Gesicht: Louisa Frohwitter (22) hat dort ihre Ausbildung als Kauffrau im Gesundheitswesen begonnen. Damit ist sie der erste Azubi überhaupt, der innerhalb eines Ärztenetzwerkes ausgebildet wird – und zwar bundesweit. „Ich arbeite gern mit jungen Menschen", begründet Annette Hempen, Geschäftsführerin des MuM, die Entscheidung, ab sofort selbst auszubilden. Dafür hat sie just, passend zum Ausbildungsbeginn, noch fix ihre Prüfung für den „Ausbildereignungsschein" absolviert – und bestanden. „Ich habe bei früheren Beschäftigung schon Auszubildende begleitet. Da brauchte ich den Schein noch nicht", sagt sie. So ganz ins kalte Wasser springt das MuM also nicht. Louisa Frohwitter hält wenigstens die Füße ins kalte Wasser. Zwar hat die 22-Jährige nach ihrem Fachabitur schon viele Praktika absolviert, beginnt aber jetzt ihre erste Ausbildung. Und folgt damit ein bisschen dem Vorbild der Eltern: „Mein Vater ist Kaufmann, meine Mutter Krankenschwester", sagt sie und strahlt. Dass sie nicht bei einem Arzt, sondern gleich in einem Netzwerk ausgebildet wird, findet sie klasse: „Ich lerne viel kennen." Netzwerk hat hohen administrativen Aufwand Im Netzwerk MuM haben sich 57 Ärzte zusammengeschlossen. In ihrer Geschäftsstelle an der Viktoriastraße koordinieren 30 Mitarbeiter die Abläufe – und einer davon ist jetzt Frohwitter. In ihrer Ausbildung werden „andere Inhalte abgebildet, als in einer einzigen Praxis", erklärt Hempen. Schwerpunkt wird das Vertragsmanagement sein, aber auch Prozesscontrolling. Heißt: „Wenn zum Beispiel ein Patient mit Übergewicht eine Magen-OP bekommen soll, muss er mit einer Ernährungsberatung, psychotherapeutische Begleitung und ein verpflichtendes Sportprogramm absolvieren. Das passiert alles im Netzwerk", erklärt Hempen. Ach die Nachsorge gehört dazu. Das sei ein hoher administrativer Aufwand: „Die Abrechnung der verschiedenen Ärzte, Kontakt mit Krankenkassen und so weiter", sagt Hempen. Zwar werde Frohwitter mit einem kaufmännischen Schwerpunkt ausgebildet, „aber anders als in anderen kaufmännischen Berufen arbeiten wir immer mit Menschen, nicht mit ,toten Dingen’." Das unterscheide sich schon sehr. Darum sei das Wichtigste: Kommunikation. Die wiederum liegt Frohwitter, die drei Jahre lang ausgebildet wird. An zwei Tagen fährt sie nach Bielefeld zur Berufsschule. Dass sie die Erste ist, die eine Ausbildung in einem Ärztenetz durchläuft, mache sie nicht nervös: „Es ist ja für beide Seiten neu." Bundesweit jedenfalls sind die Augen auf die junge Frau aus Porta Westfalica gerichtet. Denn sollte die Ausbildung gut klappen, sind auch andere Netzwerke daran interessiert, junge Menschen auszubilden. Läuft alles gut, hat Frohwitter die Perspektive, im MuM zu bleiben. Schließlich kenne sie alle Prozesse von der Pike auf, „hat alles durchdrungen", sagt Hempen. In zwei Jahren könnte dann der nächste Azubi folgen.

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