Bald Geschichte: Der Abrissbagger zerkleinert die Deele des alten Weberhofes in Ahle. Das Fachwerk war zu vermodert, um es restaurieren zu können. Deshalb lassen die Eigentümer das Gebäude abreißen. - © Anne Webler
Bald Geschichte: Der Abrissbagger zerkleinert die Deele des alten Weberhofes in Ahle. Das Fachwerk war zu vermodert, um es restaurieren zu können. Deshalb lassen die Eigentümer das Gebäude abreißen. | © Anne Webler

Bünde Ein Teil des Weberhofes am Oberahler Weg wird abgerissen

Das Wohnhaus am Kopf der Deele bleibt stehen und wird vom Eigentümer-Ehepaar saniert. „Fachwerk war weggemodert“

Anne Webler

Bünde. Der ehemalige NW-Kollege Dieter Schnase rief vergangene Woche in der Redaktion an. „Der Weberhof in Ahle wird abgerissen", sagte er. „Er ist einer der ältesten Höfe hier." Dieter Schnase wohnt selbst in Ahle, wenige Hundert Meter von dem alten Fachwerkgebäude entfernt. Der Weberhof liegt zwischen den beiden beinah rechtwinkligen Kurven des Oberahler Weges. Die Fachwerkdeele fehlt nun. Der Abrissbagger brauchte nur wenige Tage, um das fast zweihundert Jahre alte Gebäude in seine Bestandteile zu zerlegen und in der Mulde im Hof zu versenken. Die massiven Balken polterten in den Container. Das sagt die Eigentümerin „Wir wollten die Deele erst erhalten", sagt die Eigentümerin. Sie möchte ihren Namen nicht so gern in der Zeitung lesen. Ende 2016 kauften ihr Mann und sie den Weberhof. Sie wohnen in Dünne. Wie marode die Deele war, hätten sie erst nach dem Kauf festgestellt. Seit langem sei Wasser in das Gebäude gelaufen, die Anbauten seien vor vielen Jahren schlecht ausgeführt worden, so dass sie Wasser gezogen hätten. „Das Fachwerk war einfach weggemodert." Die Deele mit den ehemaligen Ställen rechts und links habe seit 2008 leergestanden. Die Witwe Marie Riepe, die als letzte auf dem Hof lebte, habe das Gebäude aber auch vorher schon nicht mehr genutzt. „Irgendwann ist es zu spät, um ein Gebäude zu erhalten. Dann ist es einfach zu marode." Das Wohnhaus am Kopf der Deele saniert das Ehepaar. Es bekommt einen neuen Dachstuhl und „wir werden es im Stil der Gegend aufbauen". Reste des Fachwerks seien noch vorhanden. „Aber die fallen aus der Wand. Wir sind überrascht von den Mega-Schäden. Wir hatten uns etwas mehr Wand erwartet." Das sagt die Stadt „Das alte Gebäude wird nicht mehr benötigt und steht nicht unter Denkmalschutz", sagt der Technische Beigeordnete Andreas Siepenkothen auf Anfrage der NW. Deshalb habe die Stadt Bünde die Abrissgenehmigung erteilt. Stehe ein Gebäude nicht unter Denkmalschutz, müsse die Stadt dem Abriss zustimmen. Die untere Denkmalbehörde der Stadt Bünde hatte 1994 ein Verfahren eingeleitet, um den Weberhof unter Denkmalschutz zu stellen. Daraufhin prüfte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster die Hofgebäude. 1995 und 2003 nahmen Mitarbeiter der Abteilung Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen die Gebäude in Augenschein. Da durch mehrere bauliche Veränderungen so viel Originalsubstanz verloren gegangen sei, rieten sie davon ab, den Hof unter Denkmalschutz zu stellen. Da es nicht unter Denkmalschutz stehe, sei es „ein Gebäude wie jedes andere auch", sagt Marcus Horst, Leiter der unteren Denkmalbehörde der Stadt Bünde. Anstelle der Deele werde kein neues Gebäude gebaut. Das sagt der Denkmalschützer Fred Kaspar hat 2003 für den LWL den Weberhof begutachtet. Ziel des Denkmalschutzes sei es, historische Gebäude exemplarisch zu erhalten. Es gehe darum, etwas zu dokumentieren. Gebäude im Originalzustand gebe es sowieso nicht mehr. Der Weberhof weise jedoch „ungewöhnlich starke Eingriffe in die historische Substanz" auf. Es sei schade um den Hof. „Aber wir können nicht alle alten Höfe unter Denkmalschutz stellen." Ob man die Kulturlandschaft erhalte oder nicht sei auch eine politische Aufgabe. Das könne man nicht allein dem Denkmalschutz aufbürden. Das sagt eine Anwohnerin Gunthild Stuke saß lange für die CDU im Bünder Stadtrat und wohnt wie Dieter Schnase nur wenige Hundert Meter vom Weberhof entfernt. „Ich bin erschüttert", sagt sie, als sie vom Abriss des großen Fachwerkgebäudes hört. „Ich bin ganz sprachlos. So ein schöner Hof." Die Kommunalpolitiker könnten nichts tun, um alte Gebäude zu bewahren, außer sie unter Denkmalschutz zu stellen. Stuke gehörte 20 Jahre dem Planungsausschuss an und befasste sich dort immer wieder mit Denkmalangelegenheiten. „Es tat mir immer leid, wenn alte Fachwerkhäuser abgerissen wurden, auch in der Eschstraße." Sie könne die Trauer der Menschen über den Abriss verstehen, sagt die neue Eigentümerin. „Wir hatten auch andere Pläne. Aber Denkmalschutz kann keiner bezahlen."

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