tauichen im freibad - © Nils Brachem
tauichen im freibad | © Nils Brachem

Bünde Schwimmtagebuch: Meiko Haselhorst erforscht die Unterwasserwelt

Meiko Haselhorst

Bünde. „Du musst deine Schwimmbrille auch richtig tragen", sagt die Mitschwimmerin. „Nur so auf der Stirn bringt die gar nichts." Geht das schon wieder los. Seit ich das Schwimmtagebuch führe und alle Welt mitbekommt, dass ich mit meinen Kraulbemühungen nicht so recht vorankomme, werde ich veräppelt. „Ich hab’ eben ein paar Kraulübungen im Nichtschwimmer gemacht, aber jetzt will ich hier noch ein bisschen ,normal‘ schwimmen", verteidige ich mich. Die Frau nickt – wirkt aber wenig überzeugt. Das war der Montag. Die folgenden drei Tage komme ich vor lauter Terminen in der Redaktion leider nicht dazu, ins Freibad zu gehen. Schade eigentlich – bei dem schlechten Wetter hätte ich das Becken vermutlich für mich alleine gehabt. „Na, abgetaucht?", fragt eine weitere Mitschwimmerin, die mir am Freitag – endlich hab’ ich’s wieder geschafft – vorm Eingang der „Batze" entgegenkommt. „Schön wär’s. Gearbeitet hab’ ich", antworte ich. In 4,80 Meter Tiefe setze ich mich auf den Grund Aber „abgetaucht" bringt mich auf eine Idee: Wieso soll ich nicht mal eine Mittagspause unter Wasser verbringen? Quasi als Reminiszenz an meine Kindheit. Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich als Zehnjähriger mehr Zeit am Beckengrund als über der Wasseroberfläche verbracht habe – immer auf der Suche nach Ohrringen, Halskettchen oder Kleingeld. Schätze dieser Art vermute ich im Bünder Freibad natürlich nicht – aber trotzdem. „Habt ihr Taucherbrille und Flossen?", frage ich Schwimmmeister Nils Brachem am Eingang. Alles kein Problem. Perfekt ausgerüstet gehe ich Minuten später auf Tauchstation in der Sprunggrube. „Vergiss den Druckausgleich nicht", ruft Brachem mir noch hinterher. Immerhin: Besagten Druckausgleich habe ich auch nach Jahren ohne Tauchgang noch drauf. Auch die Lunge macht noch ganz gut mit. In 4,80 Meter Wassertiefe setze ich mich auf den Grund und schaue in das sonnendurchflutete Blau über mir. Ein schöner Anblick, auch wenn Fische und Korallen hier gänzlich fehlen. Vier oder fünf Tauchgänge lege ich hin – kleine Vorbereitung auf den Sardinienurlaub im September. In den flacheren Bereich des „Schwimmers" tauche ich nur kurz hinein – dann überkommt mich die Befürchtung, dass die Leute mich hier für einen Spanner halten könnten und ich am Ende noch die ganze NW in Verruf bringe. Nix wie raus. Im Nichtschwimmer ist nichts los – also tauche ich knapp überm Grund noch ein bisschen „auf Strecke". Und siehe da: Die Luft reicht noch für eine komplette Bahn. Nach meinen wenig erfolgreichen Kraulversuchen versöhnt mich das wieder ein bisschen mit mir selbst.

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