Flott unterwegs: Bis der NW-Selbsttester das Wasser des Freibades dergestalt durchpflügt, vergeht wohl noch ein bisschen Zeit. - © Meiko Haselhorst
Flott unterwegs: Bis der NW-Selbsttester das Wasser des Freibades dergestalt durchpflügt, vergeht wohl noch ein bisschen Zeit. | © Meiko Haselhorst

Der Hasselhoff von Bünde-Mitte

Schwimmtagebuch (1): Redakteur Meiko Haselhorst muss was für Körper und Seele tun und geht neuerdings regelmäßig ins Bünder Freibad. Was er dort erlebt, lesen Sie künftig wöchentlich in der Neuen Westfälischen

Meiko Haselhorst

Bünde Das Wasser ist herrlich, die Sonne auch. Zusammen mit einer Handvoll anderer gut gelaunter Schwimmer drehe ich ein paar Runden. Nach gut einer Viertelstunde krampft ein Zeh – und hört nicht wieder auf, allen Dehnübungen zum Trotz. Fünf Minuten halte ich damit durch, als ich dann noch eine Fliege einatme und einen kleinen Hustenanfall kriege, mache ich Schluss. „Na ja“, denke ich mir, „aller Anfang ist schwer.“ Meine Frau war im letzten Jahr schwanger. Aus lauter Solidarität hab’ ich mir seinerzeit ebenfalls ein kleines Bäuchlein zugelegt. Doch während meine Frau längst wieder rank und schlank durch die Welt läuft, schleppe ich mein Hüftgold noch mit mir rum. Der Rest meines Körpers hingegen wird immer dünner und schlapper. Außerdem wache ich morgens seit geraumer Zeit ziemlich steif und mit Rückenschmerzen auf. „Das Alter“, sagt meine Frau und lächelt. „Du wirst 43.“Laufen? Fitnessstudio? Nee, keine Lust Höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Laufen? Fitnessstudio? Nee, keine Lust. Und keine Zeit, ich bin doch jetzt Papa! Recht schnell steht mein Beschluss: Ich hol’ mir eine Saisonkarte für’s Freibad und versuche – so oft es der Redaktionsalltag zulässt – meine Mittagspause im Wasser zu verbringen. Die Saison ist noch keine drei Tage alt, da stehe ich zum ersten Mal am Eingang der „Batze“. Leider stelle ich genau in diesem Moment fest, dass ich meine Badehose vergessen habe. Schwamm drüber, das Wetter ist sowieso Mist. Der nächste Tag: Das Wetter könnte sommerlicher kaum sein, und meine uralten Bade-shorts habe ich auch in der Tasche. Ich ziehe mich um, stell’ mich für zwei Sekunden unter die Brause und springe ins angenehm kühle Nass. Halt, stimmt nicht ganz: Vor zehn Jahren wäre ich gesprungen, heute gehe ich vorsichtig über die Treppe ins Wasser – und kurz danach über die Treppe wieder hinaus.Krampf im Zeh und Fliege im Hals Schwimmmeister Holger Sundhaupt versucht mir schonend beizubringen, dass der Krampf ein Zeichen dafür sein könnte, dass ich mich selbst überfordert habe. „Nach einer Viertelstunde Rumpaddelei?“, rufe ich entsetzt in die Frühsommerluft. Das will ich nicht wahrhaben. Ich schiebe das Problem lieber auf eine alte Fußverletzung vom Handball (ich war nämlich mal sportlich, hatte sogar einen Ausweis als Rettungsschwimmer). Holger Sundhaupt tröstet: „Ein Anfang ist jedenfalls gemacht, das ist die Hauptsache.“ Die Tage 2 und 3: Das Wetter ist nicht mehr so dolle – und alles tut mir weh. Sogar an Stellen, von denen ich nicht mal wusste, dass ich dort so etwas wie eine Muskulatur habe. Das schlechte Wetter hat immerhin den Vorteil, dass ich das Becken fast für mich allein habe. Und ganz wichtig: Der Krampf im Zeh bleibt aus! Und Fliegen im Mund hab’ ich auch keine. Nach knapp 30 Minuten gemächlichen Brust- und Rückenschwimmens verlasse ich recht zufrieden das Wasser. Fazit nach der ersten halben Woche: Es ist noch nicht alles verloren. Mit David Hasselhoff aus der legendären Strand-Serie Baywatch verbindet mich aber bis auf Weiteres nur eins: der ähnliche Nachname.

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