Wechsel in einem hochsensiblen Fachgebiet: Chefarzt Bernd Wejda (v. l.), Ferdinand Möller-Fassbender und sein Nachfolger Michael Trapp mit dem Vorstand des Lukas-Krankenhauses Hans-Ulrich Sorgenfrei. Rechts im Bild ein Gerät, mit dem die Infusion für die Chemo-Therapie bei einer Krebserkrankung verabreicht wird. - © GERALD DUNKEL
Wechsel in einem hochsensiblen Fachgebiet: Chefarzt Bernd Wejda (v. l.), Ferdinand Möller-Fassbender und sein Nachfolger Michael Trapp mit dem Vorstand des Lukas-Krankenhauses Hans-Ulrich Sorgenfrei. Rechts im Bild ein Gerät, mit dem die Infusion für die Chemo-Therapie bei einer Krebserkrankung verabreicht wird. | © GERALD DUNKEL

Bünde Anwälte gegen den Krebs

Ambulanz für Onkologie und Hämatologie: Mit Ferdinand Möller-Fassbender, dem Leiter der Einrichtung, verlässt nach 23 Jahren ein vertrautes Gesicht das Lukas-Krankenhaus

Gerald Dunkel

Bünde. Mit Ferdinand Möller-Fassbender geht am Lukas-Krankenhaus ein Mediziner in den Ruhestand, der schon aufgrund seines Fachgebiets eine ganz besondere Beziehung zu seinen Patienten - und auch zu deren Familien - hatte. Er leitete die Ambulanz für Onkologie und Hämatologie, war also zuständig für die Behandlung bösartiger Krebserkrankungen und Veränderungen des Blutes und musste nicht selten Nachrichten überbringen, die die Endlichkeit des Lebens verdeutlichten. Onkologen, Mediziner, die sich vorrangig mit Krebserkrankungen befassen, sind oft Mediziner von einer ganz besonderen Struktur. Für die Patienten sind sie nicht nur die Ärzte, die sie gesund machen sollen. Sie sind ihre Anwälte im Kampf gegen - mitunter tödliche - Krankheiten. Sie sind weitaus mehr als die Ärzte, die lediglich Chemotherapien verschreiben. Möller-Fassbender hat die Leitung der Ambulanz für Onkologie und Hämatologie in den vergangenen Wochen an seinen Nachfolger Michael Trapp übergeben, der vom Klinikum Gütersloh ans Lukas-Krankenhaus wechselte. Bernd Wejda, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, zu der die Ambulanz gehört, sagt: "Eine solche Einrichtung ist schon etwas Besonderes für ein Haus wie das Lukas-Krankenhaus." Der medizinische Bereich der Onkologie, also die Behandlung von bösartigen Krebserkrankungen und der Hämatologie, die sich mit bösartigen Veränderungen des Blutes befasst, wachse allein durch das zunehmende Altern der Menschen stetig und überproportional. Die Ambulanz für Onkologie und Hämatologie am Lukas-Krankenhaus betreut im Durchschnitt etwa halb so viele Patienten wie eine Praxis eines niedergelassenen Mediziners gleicher Fachrichtung, etwa 500 bis 700 Patienten. "Ärzte sind generell die Anwälte ihrer Patienten im Kampf gegen Erkrankungen. In der Onkologie und Hämatologie gilt das umso mehr, weil es sich dabei sehr oft um lebensbedrohliche Veränderungen beim Patienten handelt", so Möller-Fassbender. »Man behandelt hier auch die Angehörigen des Patienten mit« In vielen anderen Fachgebieten verlassen die Patienten nach einer Operation oder anderen Therapie "geheilt" das Krankenhaus. In der Onkologie und Hämatologie gebe es nach der Behandlung, beispielsweise einer Chemo-Therapien, zwar auch eine Abschlussuntersuchung, aber damit bleibe der Patient trotzdem noch weiterhin Patient - mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, sein Leben lang. "Man baut eine ganz besondere Beziehung zu dem Menschen auf, der einem da begegnet - und auch zu seinen Angehörigen, die oft Teil des Behandlungsprozesses sind und immer mit eingebunden werden, wo es möglich ist." "Gerade der Partner eines Patienten gibt oft die ehrlicheren Antworten auf Fragen, nach dem aktuellen Befinden", sagt Möller-Fassbenders Nachfolger Michael Trapp. In diesem medizinischen Gebiet bedürfe es sehr viel mehr Gesprächsbedarf und Zuwendung, so Trapp. Dabei sei die Behandlung immer so individuell wie der Patient und seine bösartige Erkrankung. "Die Therapie muss nicht nur zum Tumor, sondern auch zum Patienten passen", so Trapp. Das Sprechen ist ein enorm wichtiger Teil dieser Therapie, den Ärzte in der Onkologie und Hämatologie beherrschen müssen. "Wichtig", so Ferdinand Möller-Fassbender, "ist es, dem Patienten und seiner Familie niemals die Unwahrheit über seinen Zustand mitzuteilen - nichts zu beschönigen, denn dann verliert man an Glaubwürdigkeit, die man nicht zurückgewinnt. Man muss ihm ehrlich seine Fragen beantworten, die er konkret hat." Aber auf keinen Fall sollte man ihm alles mitteilen, was man meint zu wissen oder was man vermutet, wenn er nicht danach fragt. "Als junger Kollege", erinnert sich Chefarzt Bernd Wejda, "macht man oft den Fehler, dass man den Patienten mit seinem Wissen über dessen Erkrankung überschüttet. Damit ist ihm aber nicht geholfen - im Gegenteil." So ganz verlässt Ferdinand Möller-Fassbender das Lukas-Krankenhaus aber dann doch nicht. Offiziell geht er zwar zum 30. Juni in den Ruhestand, bleibt aber für die Ausbildung junger Ärzte - besonders in der Diagnostik, aber auch der Gesprächsführung - mit reduzierter Stundenzahl nach wie vor im Haus. "Insofern ist die Veränderung für uns kein Abschied, sondern ein weiterer Gewinn für unser Krankenhaus", sagt Krankenhausvorstand Hans-Ulrich Sorgenfrei.

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