Seit fünf Jahren Parteimitglied: Iwo Alexander Koslowsky aus Kirchlengern tritt für die Piraten an. - © Ekkehard Wind
Seit fünf Jahren Parteimitglied: Iwo Alexander Koslowsky aus Kirchlengern tritt für die Piraten an. | © Ekkehard Wind

Bünde Interview: "Frischen Wind in die Politik bringen"

Landtagswahl: Iwo Alexander Koslowsky (27) kandidiert für die Piratenpartei im Wahlkreis 91. Plädoyer für weiteren Breitbandausbau und bedingungsloses Grundeinkommen

Ekkehard Wind

Herr Koslowsky, nennen Sie bitte drei Gründe, warum Sie der beste Kandidat in Ihrem Wahlkreis sind? Iwo Alexander Koslowsky: Ich denke, ich bin der beste Kandidat, weil ich durch den Umgang mit Computern und digitalen Medien geprägt bin. Diese werden in Zukunft eine noch viel größere Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Und im Vergleich zu den anderen Kandidaten bin ich noch relativ jung und unverbraucht. Ich denke, dass ich auch frischen Wind in die Politik bringen kann mit neuen Ideen, die die anderen Parteien nicht haben. Welche zwei Projekte wollen Sie für Ihren Wahlkreis in den nächsten fünf Jahren anstoßen? Koslowsky: Bei einem Projekt bin ich aktuell schon dabei: Dem Aufbau eines freien, dezentralen Bürgernetzwerkes auf Wlan-Basis. In der Stadt Herford haben wir das in der Radewig schon umgesetzt. Ziel ist es, so ein Netz in allen Innenstädten meines Wahlkreises aufzubauen. Und das zweite Projekt? Koslowsky: Ich beschäftige mich mit dem Thema Bitcoin, also einer Kryptowährung. Wir können gute Konzepte für die Händler in der Region schaffen, im Sinne einer lokalen Währung, um Kaufanreize für die Menschen vor Ort zu setzen. Was versprechen Sie sich davon? Koslowsky: Wir haben durch diese Technik die Möglichkeit, eine Alternative zum Dollar oder Euro zu schaffen. Diese neue Währung ist durch Parameter, zum Beispiel eine begrenzte Geldmenge, die man festlegen kann, gut vor Inflation geschützt. Was nützt dem Bürger vor Ort die Landespolitik? Koslowsky: Ein ganz großer Faktor ist die Bildungspolitik, die Ländersache ist. Aber hier läuft nicht alles rund, wie die Diskussion um G8, dem Turbo-Abi, zeigt. Ich bin dafür, dass wir wieder das G9 zurückholen in NRW - aber auch Schülern auf Wunsch die Möglichkeit bieten, das Abitur schneller machen zu können. Das muss man flexibel handhaben. Läuft's bei der Inklusion in den Schulen rund? Koslowsky: Es gibt einfach nicht genügend Sonderpädagogen, die die Förderschüler in den Klassen betreuen. Auch mangelt es mitunter an der Ausstattung der Schulen. Inklusion: ja, aber man muss das richtig machen. Und wenn man dann auch noch Flüchtlingskinder in diesen Klassen beschult, funktioniert es überhaupt nicht mehr. Wir brauchen auf jeden Fall mehr Investitionen in Bildung, um genügend Lehrerstellen zu schaffen. Schulpolitik ist Ländersache. Soll das so bleiben? Koslowsky: Ich bin für einheitliche Standards. Die Bildungspolitik im Bund zu zentralisieren könnte gut sein. Denn jedes Land kocht heute sein eigenes Süppchen. Und ich weiß nicht, ob wir uns das auf längere Sicht leisten können. Wie soll die Finanzlage der Kommunen Ihrer Meinung nach verbessert werden? Koslowsky: Ich würde vorschlagen, nicht nur auf die Einnahmenseite zu schauen, sondern eher die Ausgabenseite auf den Prüfstand zu stellen. Das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler listet jedes Jahr auf, wo Geld verschwendet wird. Man sollte drei Mal prüfen, wofür Gelder ausgegeben werden. Landstraßen sind teilweise in einem schlechten Zustand. Gibt NRW genug Gelder für Straßensanierung aus? Koslowsky: Wir müssen generell wieder zu einer Politik hinkommen, die in die Zukunft investiert und nicht kaputt spart. Im Moment sind die Zinsen so günstig wie nie. Insofern sollten wir in die Infrastruktur investieren, in Straßen und in Brücken. Aber es müssen auch mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Wie soll Ihrer Meinung nach die Wirtschaft in Ihrem Wahlkreis gefördert werden? Koslowsky: Der Breitbandausbau für die Wirtschaft wird in den nächsten Jahren noch wichtiger. Und zwar mit Glasfaser. Wir müssen eine höhere Bandbreite bereitstellen. Denn wenn Unternehmen sich ansiedeln wollen, ist der Breitbandversorgung neben einer guten Verkehrsanbindung ein wichtiger Standortfaktor. Manche Menschen fühlen sich abgehängt. Wie kann Politik diese Menschen zurückgewinnen, damit sie nicht rechten Parolen nachrennen? Koslowsky: Das Grundproblem ist die Frage der sozialen Gerechtigkeit. Menschen fühlen sich nicht mehr mitgenommen. Dies sind vielfach Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen, die sich nicht mehr der Gesellschaft zugehörig fühlen. Und genau aus diesen Gründen wollen sie nicht mehr bei politischen Entscheidungsfindungsprozessen mitmachen. Wir brauchen deshalb ein bedingungsloses Grundeinkommen, um die Menschen abzusichern vor dem sozialen Abstieg, der in den meisten Fällen durch den Verlust des Arbeitsplatzes ausgelöst wird. Ein zweiter Punkt ist: Wir müssen die Politik transparenter gestalten, damit die Menschen nachvollziehen können, was Politiker im Landtag oder in der Kommune vor Ort entscheiden. Ein dritter Punkt ist: Die Menschen müssen aktiv Politik mitbestimmen können. Das heißt: Hürden für Bürgerbegehren müssen gesenkt werden. Wie sind Sie zur Politik gekommen? Koslowsky: Ich habe die Piratenpartei seit ihrer Gründung 2006 mitverfolgt. Als Fachinformatiker haben mich die Themen wie die Digitalisierung oder Urheberrecht im Internet interessiert. Andere Parteien haben die Möglichkeiten, die die digitale Revolution uns bietet, nicht so stark im Fokus wie die Piratenpartei. Schafft die Piratenpartei wieder den Sprung in den Landtag? Koslowsky: Im Moment sieht es nicht danach aus. Da bin ich Realist. Ich würde mich natürlich freuen, wenn es doch gelingt. Die Arbeit der Piratenfraktion im Landtag war sehr gut. Sie hat es nur versäumt, die Dinge, die dort gemacht wurden, vor allem laut nach außen zu kommunizieren. Hat Ihre Partei auch ein Imageproblem: Digitale Welt und Internet verbindet man mit der Piratenpartei. Fehlen darüber hinaus weitere Kompetenzthemen? Koslowsky: Ich sehe das nicht als direktes Problem. Das sind unsere Kernthemen und da kommen wir her. Das sind unserer Meinung nach die wichtigsten Zukunftsthemen. In unserem Wahlprogramm haben wir im übrigen eine sehr große Bandbreite an Themen. Wobei entspannen Sie sich von der Politik? Koslowsky: In meiner Freizeit baue ich Freifunknetze auf, Nebenbei studiere ich noch und spiele gern E-Gitarre. Zur Person Geboren am 31.10.1989 in Bünde Aufgewachsen in Kirchlengern (auch aktueller Wohnort), ledig Fachabitur am August-Griese-Berufskolleg (2009) Ausbildung zu Fachinformatiker für Systemintegration (2009 – 2012) Eintritt in die Piratenpartei (2012) Studium an der Hochschule Osnabrück in „Medieninformatik" (2012 – 2014) Aufbau der Freifunk Community in Herford Studium an der Hochschule Osnabrück im Fachbereich „Media & Interaction Design" (seit 2014) Kandidat der Piratenpartei im Wahlkreis 91 (Herford II – Minden-Lübbecke IV). Er umfasst im Kreis Herford die Gemeinden Bünde, Kirchlengern, Löhne, Rödinghausen und Spenge und im Kreis Minden-Lübbecke die Gemeinde Bad Oeynhausen mit den Stadtteilen: Dehme, Eidinghausen, Volmerdingsen, Werste und Wulferdingsen.

realisiert durch evolver group