Kommt nach Bünde: Rüdiger Hoffmann. - © ralf bittner
Kommt nach Bünde: Rüdiger Hoffmann. | © ralf bittner

Bünde Interview mit Comedian Rüdiger Hoffmann: "Das kleine Kribbeln im Bauch"

Rüdiger Hoffmann spielt am Donnerstag, 4. Mai, sein aktuelles Programm "Ich hab's doch nur gut gemeint . . ." im Stadtgarten Bünde. Im NW-Mitarbeiter Nicolas Bröggelwirth erklärt er, warum der Titel nicht als Entschuldigung gemeint ist

Nicolas Bröggelwirth

Herr Hoffmann, wie haben einen neuen Bundespräsidenten. Durften Sie auch wählen? RÜDIGER HOFFMANN: Leider nein. Ich hätte gerne die Ehre gehabt. Vielleicht beim nächsten Mal. Selbst Olivia Jones durfte. Ist das nicht unfair? HOFFMANN: Ach, wir können ja nicht alle dabei sein (lacht). Sind Sie zufrieden mit der Wahl? HOFFMANN: Absolut zufrieden. Frank-Walter Steinmeier ist doch ein guter Mann aus dem politischen Leben. Das Credo von Joachim Gauck lautete im Fazit häufig Freiheit. Welche Werte möchten Sie ihrem Kind vermitteln? HOFFMANN: Den Wert, geradlinig zu bleiben und zu seiner Meinung zu stehen. Sich nicht irritieren zu lassen. Das ist ganz wichtig. Abseits von Deutschland ist Donald Trump Präsident. Viele Kabarettisten jubeln über Material für viele Jahre. Vielen geht jedoch seine mediale Überpräsenz jetzt bereits auf die Nerven. Wie geht Ihnen das? HOFFMANN: Die Lächerlichkeit verursacht Trump ja selbst, und damit muss man leben. Ich habe ein kleines Liedchen über ihn geschrieben, was sich gerade im Internet sehr großer Beliebtheit erfreut. Ihr Programm heißt: "Ich hab's doch nur gut gemeint ..." Steckt da eine Entschuldigung drin? HOFFMANN: Ja, klar. Ich habe den Titel aber auch gewählt, weil der Satz einfach schön ist. Meine Frau ist darauf gekommen. Tucholsky sagte schon: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint." Frank Goosen sagte: "Der gute Wille enthebt nicht der ästhetischen Verantwortung - oder Scheiße bleibt Scheiße, selbst wenn sie gut gemeint ist." HOFFMANN: Nein, so war der Titel nicht gedacht. Ich bleibe bei Tucholsky. Der passt einfach gut zu meiner Art und meiner Bühnenfigur. Ihre Bühnenfigur ist meistens bedacht und analytisch. Können Sie privat auch mal auf den Tisch hauen? HOFFMANN: Analytisch würde ich nicht sagen. Sie hat ihre Tiefen, die aber auch emotional sein können. Der Ostwestfale kommt langsam, aber gewaltig. Privat regt mich so gut wie gar nichts auf. Ich bin sehr zufrieden. Manchmal vielleicht die Ungerechtigkeit in der Welt, ansonsten ... Statistisch sind ja 80 Prozent zufrieden, die restlichen 20 sind HSV-Fans (lacht). Entspannen Sie ihre Auftritte, oder ist das Stress? HOFFMANN: Stress? Nein, ich stehe gern auf der Bühne und fühle mich dort sehr wohl. Es gibt eine gewisse Spannung, die man auf der Bühne haben muss, um sich konzentrieren zu können. Und vorher gibt es vielleicht, naja, kein Lampenfieber, aber ein kleines Kribbeln im Bauch. Dann werde ich fokussiert und bekomme einen Tunnelblick. Dabei entspanne ich. Haben Sie mal überlegt, einen Choleriker darzustellen? HOFFMANN: Nee. Da hätte ich keinen Spaß dran. Die Frage ist auch, ob das das Gegenteil wäre... Im Programm ist auch so schon eine Dynamik. Wenn ich beispielsweise über das Single-Dasein spreche, brülle ich so laut es geht und springe auf der Bühne umher. Ich werde auch sehr laut, wenn ich junge Menschen anspreche. In Ihrem ersten Programm gab es noch Telefonschnüre, die "vernuddeln" konnten. Aber die kommunikativen Möglichkeiten der Gesellschaft ändern sich rasant. Ist das eine Chance oder eine Gefahr? HOFFMANN: Das wird im Programm beantwortet, darum geht es nämlich. Ich erkläre zum Beispiel Dinge, die manche nicht mehr kennen wie Festnetz oder Autoschlüssel. Geht das auch andersherum? Gibt es Dinge, die junge Menschen Ihnen erklären müssen? HOFFMANN: Nee, das ist eigentlich nicht der Fall. (überlegt) Nee, das kann ich nicht sagen. Ich habe da vom Alter her vielleicht gerade noch Glück gehabt. Mein erster Computer hatte noch kein Internet, aber ich lernte durchaus damit umzugehen. Bei Leuten, die nur ein paar Jahre älter sind, ist das vielleicht schon nicht mehr der Fall. Diese unglaubliche Maschine mit, ich glaube 256KB RAM, steht immer noch bei mir im Keller. (lacht) Etwas, das viele junge und ältere Menschen kennen, ist Ihr Diskurs mit Jürgen Becker, in Sie die Unterschiede zwischen Rheinland und Westfalen behandeln. Heute leben Sie im Rheinland. Was ist schief gelaufen? HOFFMANN: (lacht) Das frage ich mich manchmal auch. Es liegt an meiner Frau. Die kommt aus Königswinter. Also haben wir mal beschlossen, uns in der Mitte zu treffen. Königswinter ist 10 Kilometer weit weg, Paderborn 200, das ist für meine Frau die Mitte. Aber es ist schön und übersichtlich hier, fast provinziell. Und in der Nähe ist ein Flughafen, das ist für meinen Beruf ganz wichtig. Dennoch komme ich immer wieder gerne zurück nach Ostwestfalen. Es ist so schön flach da.

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