Die Interpretationen der "medlz" sind einmalig: Nelly Palmowske (v.l.), Sabine Kaufmann, Joyce-Lynn Lella und Silvana Mehnert werden durch ihre Arrangements unverwechselbar. - © Nicolas Bröggelwirth
Die Interpretationen der "medlz" sind einmalig: Nelly Palmowske (v.l.), Sabine Kaufmann, Joyce-Lynn Lella und Silvana Mehnert werden durch ihre Arrangements unverwechselbar. | © Nicolas Bröggelwirth

Bünde Die vier "medlz" sorgen für Gänsehaut

Konzert: Die A-Cappella-Gruppe aus Dresden spielte am Samstagabend im Universum. Mit ihrem Programm "Von Mozart bis Mercury" sorgte sie für ein ausverkauftes Haus

Nicolas Bröggelwirth

Bünde. Bereits eine Vorpremiere ihrer aktuellen Show fand in der vergangenen Saison im Ennigloher Theater statt und sorgte auf diese Weise für die Basis, ein rundes Konzept für eine Reise durch mehr als 200 Jahre Musikgeschichte an nur einem Abend zu schaffen. Die Auswahl für diese an sich unmögliche Aufgabe liegt im Material des Philharmonischen Kinderchores Dresden und im Weiteren des persönlichen Geschmackes der jungen Frauen begründet, die damit nun schon seit vielen Monaten und mit viel Erfolg auf Tournee sind. Einfach können die Melodien sein, so simpel wie die Europa-Hymne "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven, welche die "medlz" mit intelligenten Arrangements und viel Dynamik in eine neue Form bringen. Schon zu Beginn des Konzertes kann man erahnen, dass ihre Lehrer besonders auf eine klare Akzentuierung im Gesang achteten. "Wir finden, dass man in Deutschland viel zu wenig singt, zumindest deutsche Volkslieder. Und wenn, dann kennt man meist nur die erste Strophe und weiß gar nicht, wie schön sie eigentlich sind." Auf die griechische "Schwimmersage" geht die Ballade zurück, die zunächst von Ovid unter dem Titel "Hero und Leander" bekannt wurde und später international bearbeitet worden ist. Besonders in Deutschland erfreut sie sich als "Es waren zwei Königskinder" schon seit vielen Jahrhunderten großer Beliebtheit. Ihre älteste Melodie findet sich um 1480 im "Glogauer Liederbuch" und taucht auch im "Des Knaben Wunderhorn" und Liederbüchern des Wandervogels auf. Das Dresdner Ensemble zeigte auf beeindruckende Weise, wie sehr dieses Lied auch heute noch Gänsehaut-Momente auslösen kann, wie Marita und Heike, zwei Konzert-Besucherinnen, in der Pause berichteten. Erst 20 Jahre ist Joyce-Lynn Lella alt und begleitet seit einem halben Jahr die Band. Ihr fast rauchiger Alt kontrastiert den gläsernen Diskant von Nelly Palmowske und bereichert so den Chor, ergänzt ihn um eine Facette. An ihr stellten die Sächsinnen ihr fünftes Band-Mitglied, den "Buzzer" vor. Mit seiner elektronischen Hilfe werden bisweilen die Stimmen der vier Frauen nach unten transponiert, ist es doch sonst kaum zu glauben, welchen Tonumfang sie live und ohne Playback erzeugen können. Spätestens bei Songs von Marlene Dietrich und Frank Sinatra mochte man sich diese Frage stellen. Nach der Pause fanden sich die Zuschauer mehr und mehr in ihrer Welt wieder, wurde doch das Programm sehr chronologisch aufgebaut. Lieder von Led Zeppelin, Udo Lindenberg, Michael Jackson, Falco, Queen oder John Lennon spiegelten die Geschichten und Erlebnisse des Publikums in einer kaum gehörten, neu interpretierten, aber wiedererkennbaren Weise der Dresdner Formation wider. Ob sie nun ein Quiz als Einlage gestalten oder mit viel Augenzwinkern Selbstironie üben, ihr Kontakt zu den Gästen im Auditorium ist stets humorvoll und unterhaltsam. Universum-Chef Dirk Kaiser freut sich schon darauf, auch in der nächsten Saison wieder eine Vorpremiere der "medlz" für ihr nächstes Programm präsentieren zu können.

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