Zwiebelmarkt 2016 - © Gerald Dunkel
Zwiebelmarkt 2016 | © Gerald Dunkel

Bünde Geheimnis um Miete für Kirmesbuden in Bünde

Stadtfeste: Was kostet ein Stand oder ein Karussell bei Zwiebelmarkt, Frühlingsfest und Co?

Stefan Boscher

Bünde. Beim Zwiebelmarkt oder auch beim Frühlingsfest reihen sich Bier- und Bratwurstbuden, Verkaufsstände und Karussells aneinander. Doch wie viel müssen die Standbetreiber eigentlich dafür bezahlen, dass sie sich bei den Stadtfesten präsentieren dürfen? Diese Frage der SPD ist für die Stadt Bünde nicht so einfach zu beantworten. „Wir publizieren grundsätzlich keine Zahlen. Es handelt sich um Vertragsangelegenheiten", entgegnete Ralf Grund vom Bünder Stadtmarketing auf eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktionsvorsitzenden Andrea Kieper im Ausschusses für Wirtschaftsförderung. Die Gesamtsumme ist unstrittig: Knapp 90.000 Euro sind es, die die Stadt Bünde im Jahr von Schaustellern und anderen Betrieben einnimmt, die ihren Stand oder ihr Fahrgeschäft während einer der Feste in der Innenstadt aufbauen. Doch wie verteilt sich die das Geld? Kieper: „Was spricht gegen Transparenz?" Bratwurst ist teurer als Baumkuchen Da es sich um privatrechtliche Verträge zwischen der Stadt Bünde auf der einen Seite und den Gewerbetreibenden auf der anderen Seite handle, sei es nicht so einfach, die Details öffentlich zu machen, argumentierte Grund. Eine Erklärung, wie die Standgebühren berechnet werden: Mehrere Faktoren werden berücksichtigt. Unter anderem die Frage, was an einem Stand angeboten wird. Grund: „Bratwurst ist teurer als Baumkuchen." Auch die Größe des Standes werde in die Berechnung der Standmieten einbezogen sowie der Standort. Wo viel Publikumsverkehr herrscht, ist es teurer, Standorte, die weniger frequentiert werden, sind billiger. Generell gelte, so Grund: „Es gibt keinen festen Schlüssel bei der Berechnung der Standmieten. Es sind Erfahrungswerte." Und überhaupt gebe es „nur wenig Reibungspunkte" mit den Ausstellern bei der Frage der Preisgestaltung. Man streite sich zwar schon mal um 20 Euro, aber generell gebe es kaum Probleme, so Grund weiter. Wo liege die Stadt Bünde denn grundsätzlich bei den Kosten im Vergleich zu Stadtfesten in anderen Kommunen in der Region, wollte Uwe Mausch (Grüne) noch wissen. Der Zwiebelmarkt liege „im guten Mittelfeld" so Grund. Beim Frühlingsfest liegen die Standgebühren etwas darunter. „Spricht etwas gegen eine Erhöhung?", wollte Mausch wissen. Vor drei Jahren habe man die Mieten pauschal um fünf Prozent erhöht, so Grund. Natürlich hätte er nichts dagegen, Mehreinnahmen für die Stadt zu generieren, allerdings müsse man berücksichtigen, dass „Jahrmärkte ein schwieriges Geschäft" seien. Man müsse damit rechnen, dass einige Schausteller abspringen könnten, wenn man die Preise für die Standmieten erhöhe, so Grund weiter. Ohne konkrete Zahlen sei es schwierig, das Thema zu beurteilen, gab Ralf Brinkmann (SPD) zu bedenken: „Wenn Politik Vorgaben machen soll, müssen auch die Zahlen bekannt sein. Sonst fischen wir im Trüben." Ähnlich formulierte es Andrea Kieper. Sie verlangt bis zur nächsten Sitzung des Fachausschusses am 22. Mai eine Übersicht darüber, wie hoch die Gebühren für einen Stand bei den Bünder Stadtfesten sind – wenn schon nicht auf den Euro genau berechnet, dann wenigstens anhand von Beispielen, unter anderem Fahrgeschäfte, große und kleine Buden, gute und weniger gute Lage. Kommentar Muss man ein Geheimnis daraus machen, was ein Stand beim Zwiebelmarkt kostet? Die Frage der SPD ist genau richtig, denn von Transparenz kann man in diesem Zusammenhang nun wirklich nicht sprechen. Sicher spielen rechtliche Aspekte eine Rolle, aber andere Kommunen veröffentlichen diese Zahlen auch. Und man muss berücksichtigen: Bewirbt sich ein Unternehmer oder ein Schausteller um einen Platz, erfährt er auch im Vorfeld, welche Kosten dafür anfallen. Geheim sind die Zahlen also nicht wirklich – nur eben auch nicht öffentlich. Es mutet allerdings schon etwas komisch an, wenn es in Bünde keine festgelegten Parameter bei der Berechnung der Gebühren für Stände, Buden und Fahrgeschäfte geben sollte, wenn man sich im Rathaus auf Erfahrungswerte und wenig Stress mit den Ausstellern beruft. Das klingt nicht gerade so, als wenn die Organisatoren um jeden Euro feilschen und eine möglichst hohe Standmiete erzielen wollten. Die Forderung der SPD nach mehr Transparenz ist nachzuvollziehen, denn Gesamteinnahmen von knapp 90.000 Euro für alle Stadtfeste zusammen – Frühlingsfest, Zwiebelmarkt, Weihnachtsmarkt und Co – scheinen nicht sonderlich hoch zu sein. Kontakt zum Autor

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