Bünde/Enger Der Bünder Strangbach wird von Experten untersucht

Gewässerschau: Fachleute von Kommune und Kreis begutachten Bäche und Flüsse in Bünde sowie im gesamten Kreisgebiet. Es geht dabei um die Ökologie, aber auch um den Hochwasserschutz

Katharina Georgi

„Hübschhässlich habt ihr es hier", sagt Christoph Wittler in bekannter Heinz-Rühmann-Manier. Mit „hier" ist der Strangbach gemeint, der abschnittsweise eher wie ein Abwassergraben als ein Bach aussieht. „Daran können wir auch im Moment nichts ändern", sagt der Gewässerfachmann der Stadt Bünde. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Herford, Pauline Klennert und Claudia Hopfginger, begutachtet er zwei Bäche im Bünder Stadtgebiet. Dazu lädt die Behörde jedes Frühjahr ein, bereist dabei den ganzen Kreis und will wissen, wie es um die Gewässer bestellt ist. Der Strangbach ist dabei kein besonders naturnahes Exemplar. „Der Bach verläuft sehr gerade und in rechten Winkeln. Das wollen wir eigentlich nicht", erklärt er. Das Flussbett musste Straßen und Feldern weichen und wurde so seines natürlichen Verlaufs beraubt. Eigentlich sollte er sich schlängeln, mäandern genannt. „Um das wieder zu ändern, müssten wir viel Fläche kaufen", erklärt Wittler. Bisher habe man aber noch nichts kaufen können, „sonst hätten wir schon was gemacht." Durchlässe können durch Abfälle und Gehölz versperrt werden Die Gruppe beginnt mit der Bachschau an der Grenze zu Enger. Dort fließt der Bach unter der Erde in einem Rohr und tritt kurz darauf in Bünde an die Oberfläche. Während Wittler vor allem darauf achtet, ob alle Rohre und auch der Bachlauf in Ordnung sind – „wir haben eine Unterhaltungspflicht" – achten die beiden Frauen vom Kreis auf die ökologischen Aspekte. „Wir schauen auf Ablagerungen, Gehölz oder Rasenschnitt" erklärt Pauline Klennert. Die Bauingenieurin hat auch während sie erklärt den Bach im Blick. Und entdeckt an einer Stelle, was sie gehofft hatte, heute nicht zu sehen: ein Grashaufen. Der wird protokolliert und fotografiert. Hölzer, Bauschutt und auch Gartenabfälle können nicht nur das Wasser verunreinigen, sondern auch die Durchlässe und kleinere Brücken versperren. Staut sich das Wasser bei starkem Regen, kann es zu Überflutungen kommen und die Gärten der Anrainer stehen unter Wasser. An vielen Stellen reichen die Felder bis an den Bach. Claudia Höpfinger runzelt die Stirn, als die Gruppe an solch einem Feld ankommt: „Wünschenswert wäre ein Abstand von etwa fünf Metern", sagt sie. Solche Streifen dienen als Pufferzone und bieten zusätzlich Raum, in dem sich der Bach und Fluss entfalten könnten. Dadurch verbessert sich die Wasserqualität, was wiederum Pflanzen und Tieren zugutekommt. Ein Landwirt würde seine Fläche abgeben, aber es fehlt an Tauschfläche Entlang des Bachs tauchen immer wieder Rohre an den Ufern aus, die in den Bach münden. „Das ist zum Beispiel Drainage- oder Regenwasser von den umliegenden Feldern und Höfen", erklärt Umweltschutztechnikerin Höpfinger. Oft sind das alte Leitungen, die noch unter den Bestandsschutz fallen. An einem großen Feld angekommen, weist Wittler mit dem Arm über den Acker. „Dieser Landwirt würde seine Fläche abgeben", sagt er. Leider stehe derzeit keine passende Tauschfläche zur Verfügung. Mit dem neu gewonnenen Platz ließe sich aber in Sachen Naturschutz viel umsetzen, wie Höpfinger erklärt: „Dank des Projekts Weser-Werre-Else lassen sich auch kurzfristig kleinere Pläne umsetzen" (die NW berichtete). Der rund vier Kilometer lange Bach wurde beispielsweise in Hüffen und Werfen schon teilweise wieder mäandernd durch die Auen verlegt. Das war 2007 und 2014. Weitere Projekte sind in Planung. Die aktuelle Gewässerschau hat keine größeren Beeinträchtigungen ergeben. „Das schlimmste wären illegale Abwassereinleitungen", sagt Wittler. Davon war aber an diesem Montagmorgen nichts zu sehen.

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