Detailgetreu: Max Landwehr (r.) und Jonas Amrain haben ein Modell einer Pflanzenzelle gebaut. Noch fehlt das eine oder andere Teil, doch bis zur Präsentation am 18. Februar in Herford soll alles fertig sein. - © Björn Kenter
Detailgetreu: Max Landwehr (r.) und Jonas Amrain haben ein Modell einer Pflanzenzelle gebaut. Noch fehlt das eine oder andere Teil, doch bis zur Präsentation am 18. Februar in Herford soll alles fertig sein. | © Björn Kenter

Bünde Jugend forscht: Schüler geben Impulse für die Wissenschaft

Begabtenförderung: Das Gymnasium am Markt nimmt mit drei verschiedenen Projekten am Regionalentscheid "Jugend forscht" in Herford teil. Abiturientin Jessica Patzelt könnte mit ihrer Arbeit sogar in die Endrunde auf Bundesebene kommen

Björn Kenter

Bünde. Mit sechs Schülern und drei unterschiedlichen Projekten ist das Gymnasium am Markt am kommenden Samstag, 18. Februar, beim Regionalentscheid im Wettbewerb "Jugend forscht" in Herford vertreten. "Herstellung eines Wirt-Gast-Komplexes mit Beta-Cyclodextrin für einen Transport durch die Zellmembran" - bereits der Titel der Arbeit von Jessica Patzelt (18) lässt erahnen, dass es sich hier um ein außergewöhnliches Projekt handelt. "Beta-Cyclodextrin ist ein ringförmiges Zuckermolekül, das quasi als Fähre fungiert, um Stoffe in die Zellen zu transportieren", erläutert der betreuende Lehrer Thomas Michael Braun. In ihren Versuchen gelang es der Schülerin, das Beta-Cyclodextrin zusammen mit dem Antibiotikum TCH in die Zelle zu bringen und nachzuweisen, dass dieser Komplex deutlich wirksamer war als das Antibiotikum alleine. "Das Cyclodextrin ist praktisch ein Tischtennisball, in das eine Murmel eingeschlossen wird, die das Antibiotikum darstellt. Alleine würde es die Murmel nicht durch die Membran in die Zelle schaffen, doch im Inneren des Balles kann sie die Membran durchdringen", erläutert die 18-Jährige. Patzelt opferte im vergangenen Jahr sogar ihre zweiwöchigen Herbstferien, um im Labor der Universität Siegen bei Professor Holger Schönherr das Projekt voranzutreiben. Die Arbeit könnte vor allem für die Pharmazie von Interesse sein. "Tumorzellen haben einen erhöhten Stoffwechsel. Der Ausblick wäre, die Komplexe so zu programmieren, dass sie nur bestimmte Zellen angreifen und diese von innen zerstören, ohne dass andere Zellen Schaden nehmen", erklärt die junge Wissenschaftlerin. "Jessicas Eigenständigkeit ist wirklich bemerkenswert, ich habe lediglich den Anstoß zu der Arbeit gegeben. Alles andere hat sie selber geregelt, das ist höchst ungewöhnlich", lobt Braun, der sich auch über die Kooperation mit der Universität Siegen freut. "Das ist schon stark, dass die Universität das so unterstützt, zumal wir keinerlei finanzielle Gegenleistung bieten konnten", so Braun. Rund sechs Monate Arbeit stecken in dem Modell einer Pflanzenzelle, das Max Landwehr und Jonas Amrain gebaut haben. "Das Projekt hat sich sehr interessant angehört, so dass wir mehr darüber erfahren wollten, obwohl wir uns zunächst gar nicht so gut auskannten", erinnert sich Jonas Amrain. Im Gegensatz zu herkömmlichen, oft sehr teuren Nachbauten von Zellen kommt das Modell der beiden Schüler der 8. Jahrgangsstufe lediglich mit rund 200 Euro Kosten aus. Die Materialien dafür besorgte sich das Duo mit Unterstützung von Thomas Michael Braun aus dem Baumarkt. "Ich habe erst einmal als Geldgeber fungiert", so Braun mit einem Lächeln. Ein kleiner Gartenschlauch dient als endoplasmatisches Reticulum, auch weitere Zellbestandteile wie Chloroplasten, Zellkern oder Mitochondrien, die "Kraftwerke einer Zelle" sind in dem Modell, das auch im Unterricht eingesetzt werden soll, enthalten. Mit einem eher biologischen Thema gehen Vincent David Schulz, Jonas Barkei und Julia Feist aus der 5. Jahrgangsstufe im Bereich Mathematik/Informatik bei "Schüler experimentieren" an den Start. Die drei Schüler haben sich mit der Regelmäßigkeit von Pflanzen beschäftigt. "Dazu haben wir bei Farn und Zierspargel verschiedene Messungen durchgeführt und festgestellt, dass sich die Blätterform wiederholt", erzählt Vincent. "Die drei haben sich auch zu Hause getroffen und dort gearbeitet", so Mathematiklehrer Helmut Steuwe. "Bei dem Projekt geht es darum, sich altersgerecht anzuschauen, welche Zusammenhänge es in Bezug auf die Regelmäßigkeit von Pflanzen gibt."

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