Der Firmensitz in Bünde. - © Arnold André
Der Firmensitz in Bünde. | © Arnold André

Bünde Das Unternehmen Arnold André feiert seinen 200. Geburtstag

Erfolgsgeschichte: Deutschlands größter Zigarrenhersteller feiert Jubiläum

Katharina Georgi

Wir haben 100 Fakten über das Unternehmen zusammengestellt, das Bünde bis heute prägt: 1In Osnabrück macht sich 1817 der aus Hannover-Hainholz stammende Tabakfacharbeiter Johann Friedrich Christian André mit der Fabrikation von Rauchtabak selbstständig. 2Seine vier Söhne, darunter Georg Rudolf André (1809-1861) als treibende Kraft und Kopf der Tabakfabrik, setzen das Geschäft unter dem Namen Gebrüder André fort. 3Seit 1851 ist der Zigarrenproduzent in Bünde ansässig und eröffnete eine Fabrikfiliale. 41853 beschäftigte die Firma 130 Mitarbeiter und ist damit größter Arbeitgeber im Kreis. 5 Einige Jahre später, 1866, wird die Produktion in Osnabrück eingestellt. 6 Arnold André, Enkel des Unternehmensgründers, tritt in Erscheinung und lässt die Firma unter seinem Namen am 17. Mai 1867 in das Handelsregister eintragen. 7 Zunächst besaß André eine Zigarrenfabrik an der Eschstraße, bevor sie 1905 auf das Areal zwischen Moltke- und Heidkampstraße zogen. 8 Seitdem ist Bünde endgültig Stammsitz des Familienunternehmens. 9 Nicht nur in Bünde, auch in Eilshausen produzierte Arnold André im 19. Jahrhundert. 10 Dem Unternehmen gehörten ein Wohnhaus und ein Industriebau an der Bünder Straße, direkt neben der Reesberg-Apotheke. 11Die Niederlassung war auch Umschlagplatz für die Frauen, die in Heimarbeit Zigarren drehten. 12 Das Fabrikationsgebäude wurde von den Eilshausern auch „die Bude" – kurz für „Zigarrenbude" – genannt 13 Zwanzig Jahre nach Arnold André übernimmt sein ältester Sohn Georg die Geschäfte. 14 Das Unternehmen wird 1923 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 15 Georg André wechselt vom Geschäftsführer zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. 16 Noch im selben Jahre wechseln seine Söhne Fritz und Walter in den Vorstand der Familien AG. 17 Es folgt die Umwandlung des Unternehmens in die Rechtsform der OHG. 18 André entwickelte sich während des so genannten „deutschen Wirtschaftswunders" in den 1950er und 60er Jahren zu einem Unternehmen mit nationaler Bedeutung. 19 Alle Produkte wurden jetzt unter dem Namen „Handelsgold" vertrieben. 20 Die meisten Zigarren verkaufte das Haus André 1964, nämlich 757 Millionen. 21 Das Unternehmen setzte nach Lockerung des Maschinenverbots in der Branche 1950 auf maschinelle Herstellung. Und konnte so am Markt mithalten. Das Maschinenverbot war 1944 verhängt worden. 22Der Zigarren-Markt erreiche 1956 seinen Zenit: 4.601.000.000 Zigarren, Zigarillos und Stumpen wurden hergestellt. 23 Der Sohn von Walter André, Ernst Arnold André, wird Gesellschafter des Unternehmens. 24 Das spiegeln auch die Zahlen von André wieder: 1959 betreibt das Unternehmen 30 Filialbetriebe und beschäftigte 6.000 Mitarbeiter – Höchststand. 25 Zu der Zeit arbeiteten die meisten Mitarbeiter in Bünde und den umliegenden Ortschaften in Heimarbeit. 26 Das Unternehmen weitete seine Produktion aus, als André sich entschied, bei Bremen eine neue Produktionsstätte zu errichten. 27 1962 folgte eine weitere Fabrik in Königslutter, nahe der damaligen innerdeutschen Grenze. 28 Die Bremer Fabrik wurde 1992 geschlossen und die Fertigung auf Königslutter konzentriert. 29 Die Fabrik ist fensterlos und ermöglicht dadurch die Anpassung der Luftfeuchtigkeit an den jeweiligen Fertigungsstand der Zigarren. 30 Die Produktionsstätte ist 12.000 Quadratmeter groß. 31 Bis heute wird in 
Königslutter produziert. 32 Alle Arbeitsschritte, von der Anlieferung der Rohstoffe bis zur Beladung der LKW, finden dort statt. 33 Ab den 1970er Jahren folgte André dem Trend zum Zigarillo. Er galt als jünger und modern. 34 Darum wurde 1973 die Marke Clubmaster etabliert. 35 Die neue Marke gehört nach Unternehmensangaben bis heute zu den absatzstärksten Zigarillomarken im In- und Ausland. 36 Sie ist außerdem führende Marke im Exportgeschäft des Unternehmens. 37 In den 1970er Jahren übernahm André die Bünder Cigarrenfabrik Elbaco (L. Bastert & Co), die sich auf Zigarren in höheren Preissegmenten konzentrierte. Die Firma galt als Spezialist für die indonesische Insel Sumatra. 38 Seit 1980 gehört auch die Friedrich Garves KG aus dem lippischen Alverdissen zu Arnold Andre. Das Unternehmen war bekannt für seine Brasil-Zigarren. 39 Mit Independence kam 1998 eine weitere Marke zum Haus André. 40 Die meistverkaufte Zigarre Deutschlands wird ebenfalls vom Bünder Familienunternehmen hergestellt: die Zigarre Tropenschatz. 41 Um den Weltmarkt zu erschließen tat sich André 1988 mit dem niederländischen Unternehmen Elisabeth Bas (EBAS) zusammen. Davon profitierten beide Seiten: André konnte besser in die Welt exportieren, EBAS erschloss mit Hilfe von André den deutschen Markt. 42 Aus EBAS wurde in den Folgejahren der internationale Konzern Swedish Match mit Sitz in Stockholm. Er hält 40 Prozent der Anteile an Arnold André. 43 Wechsel im Vorstand des Aufsichtsrates: Ernst Arnold André übernimmt den Vorsitz. 44 Die Marke „Independence" wird eingeführt. Ihr unkonventioneller Auftritt soll neue Zielgruppen ansprechen. 45 Auch in Frankreich ist Arnold André erfolgreich: Die Clubmaster Mini Vanilla (heute Red) wird eingeführt und ist der meistverkaufte Zigarillo. 46 Seit dem Jahr 2004 führt Axel-Georg André, Sohn von Ernst Arnold André, die Geschicke des Unternehmens. Er übernimmt im Juni den Vorsitz des Aufsichtsrates. 47 Seit Ende der 1990er Jahre arbeitet André mit der ältesten Zigarrenmanufaktur der Dominikanischen Republik zusammen. 48 2010 entstand die Idee, eine eigene Fabrik in der dominikanischen Republik aufzubauen. 49 Dafür sprachen laut Geschäftsführer Rainer Gröhner die damit gewonnene Unabhängig und die Affinität der Menschen zum Tabak. 50 Seit 500 Jahren wird Tabak auf der Insel Hispaniola angebaut und verarbeitet. Fakten von 51 bis 100 51 Von Anfang an sei klar gewesen, so Gröhner, dass einheimische Mitarbeiter im Werk arbeiten sollten. 52 Ein Jahr nach der ersten Idee wurde das Werk in der Dominikanischen Republik errichtet. 53 Etwa sechs Monate hat die Einarbeitungszeit gedauert. 54 2012 wurde auch die Herstellung der Deckblätter auf die Insel verlegt. 55 Im Werk in der Großstadt Santiago de los Caballeros bedienen mehr als 350 einheimische Mitarbeiter 360 Spezialmaschinen. 56 Sie produzieren rund 250 Millionen Deckblattzuschnitte pro Jahr. 57 Geleitet wird das Werk vom dominikanischen Zigarren-Spezialisten José Leocadio Vasquez. 58 Anfangs war er lediglich als Berater eingestellt. Stieg dann aber als Geschäftsführer des Werkes ein. 59 Bis Ende 2014 wurden in dem neuen Werk hauptsächlich Deckblattzuschnitte gestanzt und auf Textilbahnen aufgebracht. 60 Die auf Spulen aufgerollten Textilbahnen mit den Zuschnitten, ’Bobinen’ genannt, sind für die maschinelle Weiterverarbeitung geeignet. 61 Die dort produzierten Bobinen werden wiederum nach Königslutter geliefert und dort weiterverarbeitet. 62 Im Hochregallager in Königslutter gibt es 1.600 Stellplätze für Tabak. 63 Außerdem 2.400 weitere Plätze für Kartonagen. 64 Der Tabak aus zwölf verschiedenen Ländern wird dort verarbeitet. 65 Täglich etwa 3.500 Kilogramm pro Schicht. 66 Die Wickel werden von den Mitarbeitern in Wechselschichten hergestellt 67 Bei einer Tageskapazität von zwei Millionen Stück werden Zigarillos und Zigarren überrollt. 68 Damit sich die verschiedenen Aromen und Düfte entfalten können, werden sie sechs Wochen bei 62 Prozent Luftfeuchtigkeit und 20 Grad Celsius gelagert. 69 Für die Verpackung der fertigen Produkte arbeiten die Mitarbeiter in Normalschichten. 70 Zurück zur Dominikanischen Republik: Neu ins Sortiment aufgenommen wurde die Longfiller Zigarre „Buena Vista". 71 Dafür wurde eigens ein Kenner des Fachs eingestellt: Carlos Jimenez. Er leitet die Produktion der Longfiller. 72 Mit seiner Hilfe wird die Buena Vista handgerollt, anstatt maschinell gefertigt zu werden. 73 Jedes Jahr produziert Arnold André etwa 500 Millionen Zigarillos und Zigarren auf 1.400 Tonnen fermentiertem Tabak 74 Derzeit werden etwa 90 verschiedene Produktionssorten in unterschiedlichen Abpackungen verarbeitet. 75 Ein LKW fährt täglich von Königslutter nach Bünde, um in der Firmenzentrale die Tagesproduktion abzuliefern. 76 Von Bünde aus werden die Zigarren und Zigarillos versteuert und in die Welt versand. 77 In Bünde steht auch der Zentralrechner, über den alle Vorgänge im Unternehmen überprüft werden können. Auch auf die Daten in der Produktion in Königslutter gibt es einen schnellen Zugriff. 78 In Königslutter arbeiten derzeit 210 Mitarbeiter für die Bünder Firma: In Produktion, Verpackung, technischem Support und Verwaltung. 79 Neben der eigenen Produktion hat André den Vertrieb für andere Marken übernommen: Bis 2016 für Davidoff, Camacho, Avo Uvezian und The Griffin’s. 80 Die italienische Marke Toscano und die amerikanischen Marken Brick House und El Bazon gehören ebenfalls dazu. 81 Auch Pfeifentabak gehört seit 2009 zum Vertriebssortiment. 82 Die erste Ausgabe des kostenlosen Kundenmagazin „Alles André" erscheint. 83 Das Magazin erscheint bis heute drei Mal im Jahr. 84 Drei Jahre später erreicht die zehnte Ausgabe schon 40.000 Abonnenten. 85 Der internationale Export wird für das Bünder Unternehmen immer wichtiger: Mehr als die Hälfte der in Königslutter produzierten Zigarren und Zigarillos wird ins Ausland exportiert. 86 Die wichtigsten Märkte für die Bünder Marke sind Frankreich und Portugal. 87 Für die beiden europäischen Nachbarländer hat André eigene Vertriebsgesellschaften gegründet. 88 Im Tabakmuseum hat Arnold André einige der sechs Etagen gemietet. Ausrangierte Maschinen stehen dort, die bei Bedarf von dem Bünder Zigarrenhersteller als Ersatzteillager genutzt werden. 89 Das Unternehmen eröffnete seine erste „Carlos André Cigar Lounge" in Hamburg. 90 Ein Zigarren-Sommelier berät bei der Wahl des Rauchwerks und der passenden Getränke. 91 Die Marke Handelsgold feiert 2016 ihren 70. Geburtstag. 92 Der Bünder Zigarrenmogul Georg André erbaute 1891 die wohl schönste Prachtvilla an der Hindenburgstraße...

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