Bünde Was die Kiefer zu einem besonderen Baum macht

Verwurzelt im Bünder Land (19): NW und NABU stellen Bäume und Baumarten aus Bünde und Umgebung vor

Meiko Haselhorst

Bünde. Es geht auf Weihnachten zu, Fichten und Tannen geraten in den Fokus. Ein paar Wochen dauert's aber noch. Genug Zeit, ihre nahe Verwandte vorzustellen: die Kiefer. "Die Kiefer" trifft's allerdings nicht wirklich. 113 Arten gibt es, unter den Nadelbäumen ist sie die Gattung mit den meisten Arten. Ein Teil davon ist auf dem Grundstück eines heimischen Gartenbaubetriebs an der Wehrkampstraße zu sehen. "Pinus mugo, Pinus parviflora, Pinus nigra", sagt Friedhelm Diebrok und läuft durch die kleine Pflanzung. Der Gärtner und NABU-Kreisvorsitzende kennt sie alle - und das auch noch auf Latein. "Latschenkiefer, Mädchenkiefer, Schwarzkiefer", sagt er, um die Materie auch einem nicht so fachkompetenten NW-Redakteur begreiflich zu machen. "Die Österreichische Schwarzkiefer kommt eigentlich nicht von hier - wie der Name schon sagt." Diebrok nimmt einen der Zapfen in die Hand, die auf dem mit Nadeln übersäten Boden liegen. Zur Adventszeit werden sie bei uns gern als Deko verwendet, in anderen europäischen Ländern steht die Kiefer gar als Christbaum im Wohnzimmer. "Die Schwarzkiefer war mal schwer in Mode und ist darum ziemlich häufig bei uns anzutreffen", sagt Diebrok. In den 60er Jahren ersetzte sie als "Modebaum" die serbische Fichte. Die Menschen, die den neuen Baum in ihre Gärten pflanzten, wussten womöglich nicht, wie groß er wird: bis zu 45 Meter hoch. Und bei günstigen Bedingungen bis zu 600 Jahre alt. Mit der eher rötlich schimmernden Waldkiefer - ebenfalls ein sehr großer Baum - verhält es sich ein wenig anders. Die ist in OWL durchaus heimisch. Allerdings weniger im Kreis Herford. Kiefern bevorzugen sandige Böden, die Senne beispielsweise ist für sie wie gemacht. Darum ist sie dort in etwa so häufig anzutreffen wie die Pinie in Südeuropa - die übrigens nichts anderes als eine weitere Kiefernart ist. Ob Schwarzkiefer oder Waldkiefer - beide Arten sind knorrige Typen mit rauer und harziger Rinde und relativ weichem Holz. Die heimische Waldkiefer hat weniger Äste im unteren Bereich des Stammes als die Schwarzkiefer. Außerdem hat der Baum aus Österreich eine dunklere Färbung - die ihm seinen Namen gab. Von Fichten, Tannen und anderen Nadelbäumen unterscheiden sich beide Kiefern vor allem durch die deutlich längeren Nadeln. Auch wenn er sie alle mit Namen kennt - Friedhelm Diebrok ist kein allzu großer Freund von Kiefern. "Wie bei allen Nadelbäumen hält sich der ökologische Wert der Kiefer in Grenzen", erklärt der Naturschützer. "Eichhörnchen und Vögel fressen zwar die Samen - aber Insekten können mit dem Baum nicht so viel anfangen." Wie er das so sagt, wirkt Diebrok fast so knorrig wie die alte Schwarzkiefer neben ihm. Aber wer ihn kennt, der weiß: Raue Schale, weicher Kern. Wie die Kiefer. Eigentlich müssten die beiden sich sehr sympathisch sein.

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