Bünder Krippe mit Geschichte: Figuren, Tiere, Wände und eine Palme aus dünnem Sperrholz, das Dach aus Stroh. Christa Schürstedt hat diese einfache Krippe vor der Mülltonne bewahrt, als in den 60er Jahren das Bünder Säuglingsheim aufgelöst wurde. - © Meiko Haselhorst
Bünder Krippe mit Geschichte: Figuren, Tiere, Wände und eine Palme aus dünnem Sperrholz, das Dach aus Stroh. Christa Schürstedt hat diese einfache Krippe vor der Mülltonne bewahrt, als in den 60er Jahren das Bünder Säuglingsheim aufgelöst wurde. | © Meiko Haselhorst

Bünde Eine Bünderin zeigt ihre ganz besondere Krippe

Christa Schürstedts einfache Krippe stand schon vor über einem halben Jahrhundert im Bünder Säuglingsheim. Die Bünderin bewahrte sie damals vor der Müllkippe

Meiko Haselhorst

Bünde. War es 1964? Oder 1965? Christa Schürstedt kann es nicht mehr genau sagen. Fakt ist, dass es schon ziemlich lange her ist, dass der heute 81-Jährigen die kleine Krippe in die Hände fiel. Wände und Figuren sind aus dünnem Sperrholz, das Dach aus Stroh - der materielle Wert tendiert gen null. Es ist die damit verbundene Geschichte, die dem Stück einen Wert verleiht. Wie alt ihre Krippe ist, kann Schürstedt nicht sagen, möglicherweise älter als sie selbst. Die Bastler legten bei ihrer Laubsägearbeit jedenfalls Wert auf eine gewisse Authentizität: Statt verschneiter Tannen ist ein Kamel nebst Palme Teil der Kulisse. Die Heilige Familie, die genauso Heiligen Drei Könige, ein paar Engelchen, die Hirten und ihre Schafe - alle sind noch dabei. Genau genommen ist sogar eine Figur zu viel im Spiel: Ein männlicher Darsteller mit demütigem Blick und im grünen Gewand lässt sich nicht so recht zuordnen. "Josef ist da, die Könige sind da - und ein Hirte kann das nicht sein, dafür ist er eigentlich zu fein angezogen", sinniert Schürstedt. Ein Rätsel, dass sich nur noch schwer lösen lässt - Zeitzeugen zu finden, dürfte sehr schwierig werden. Christa Schürstedt war seinerzeit für die Buchführung im Säuglingsheim zuständig. Einmal im Monat schaute sie dort vorbei. Was war das eigentlich genau, ein Säuglingsheim? "Da kamen Babys hin, wenn sie krank waren", erklärt Schür-stedt. Heute würde man wohl Kinderklinik sagen. "Das war eine ganz kleine Einrichtung für acht oder zehn Kinder, da arbeiteten nur zwei Schwestern", erinnert sie sich. In den 60er Jahren hielt man ein solches Behandlungszentrum offenbar nicht mehr für zeitgemäß. Das Heim - übrigens ganz in der Nähe des heutigen Lukas-Krankenhauses - wurde aufgelöst, Christa Schürstedt half mit. Sie sah sich um und fand außer Badetüchern und Stoffwindeln eine Kiste mit der Krippe und ihren bemalten Figuren. "Die wollte keiner mehr haben - also hab? ich sie mitgenommen." Bünde. Seit jener Zeit stellt Christa Schürstedt die Krippe zu Weihnachten bei sich daheim auf. "Aber nicht in jedem Jahr", sagt sie. Aus ihrer Zeit im Heim ist ihr auch das ein oder andere Kinderschicksal im Gedächtnis geblieben, das sie traurig stimmt. "Und die Krippe erinnert mich unweigerlich daran", sagt sie und zuckt mit den Schultern. Nach einem Umzug war das gute Stück sogar mal für ein Weilchen verschollen gewesen. "Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich es beim Aufräumen im Keller wiedergefunden habe", erzählt die Bünderin. Christa Schürstedt glaubt nicht, dass ihre Kinder die Krippe eines Tages übernehmen werden. "Die haben keinen Sinn dafür." Die 81-Jährige hofft aber, dass sich dereinst jemand findet, der die Krippe vor der Müllkippe bewahrt - so wie sie selbst vor über 50 Jahren.

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