Tolle Optik: Chefarzt Bernd Wejda hat das dünne Endoskopie-System durch das wesentlich stärkere (schwarz) geführt und nimmt das Logo des Lukas-Krankenhauses auf einem Blatt Papier auf. Die Endoskopie-Assistentinnen Theda Grothaus-Bahre (links) und Ines Karle unterstützen ihn bei den Untersuchungen der Patienten. - © Gerald Dunkel
Tolle Optik: Chefarzt Bernd Wejda hat das dünne Endoskopie-System durch das wesentlich stärkere (schwarz) geführt und nimmt das Logo des Lukas-Krankenhauses auf einem Blatt Papier auf. Die Endoskopie-Assistentinnen Theda Grothaus-Bahre (links) und Ines Karle unterstützen ihn bei den Untersuchungen der Patienten. | © Gerald Dunkel

Bünde Lukas-Krankenhaus: Wie ein Spion im Körperinneren

Verbesserte Untersuchungsmethode: Ein neues Endoskopiegerät kann zwar nur einmal verwendet werden, liefert dafür aber Bilder, die bislang nicht möglich waren

Gerald Dunkel

Bünde. "Wenn ein Chirurg in einen Körper blicken will, muss er dazu in aller Regel einen Schnitt anbringen", sagt Chefarzt Bernd Wejda vom Lukas-Krankenhaus. Und der Internist fährt mit einem Lächeln fort: "Wir nutzen dazu Löcher im Körper, die schon vorhanden sind." Mit einem neuen Gerät für die Endoskopie kann er sich Stellen zwischen Galle und Leber ansehen, die zuvor nur - relativ ungenau - mit herkömmlichen Bildgebungsverfahren wie dem Ultraschall sichtbar gemacht werden konnten. Nur wenige Millimeter misst der Gallengang im Durchmesser. "Es ist eine neue Dimension der Diagnostik bei Patienten mit Gallenwegs- und Bauspeicheldrüsenerkrankungen", sagt Wejda. "SpyGlass" (Spion-Brille) heißt das neue System, das seit etwa einem Jahr verfügbar ist. "Das ermöglicht uns die direkte Ansicht von Gallengängen durch ein durch den Mund eingeführtes Endoskop. Damit können wir gutartige Erkrankungen wie Steine oder Entzündungen von bösartigen Veränderungen wie Tumoren wesentlich besser erkennen und voneinander unterscheiden", erklärt der Chefarzt. Das "SpyGlass" wurde entwickelt, um die Beschränkungen der herkömmlichen indirekten Gallenwegsspiegelung zu überwinden. Normale, im Vergleich zum "Spy-Glass" voluminösere Endoskope, sind für den mehrfachen Gebrauch konzipiert und werden nach jeder Nutzung sterilisiert. Das ist bei dem sehr filigranen neuen System so nicht möglich. "Deshalb ist es nur für den einmaligen Gebrauch gedacht", so Chefarzt Bernd Wejda. Das etwa 800 Euro teure "SpyGlass" hat einen Durchmesser von gerade einmal 3,3 Millimetern. Dieses Miniaturendoskop wird durch ein herkömmliches Endoskop hindurch an seinen Einsatzort gebracht und hat an seinem vorderen Ende eine Optik mit einen digitalen Bildsensor, der Aufnahmen in einer hohen Auflösung liefert. Mit einer 1,5 Millimeter dicken Zange ist es möglich, Gewebeproben zu nehmen. Dort wo es für das normale Endoskop also zu eng wird, beginnt der Einsatz des neuen Gerätes. Die Zahl der Erfahrungen, die mit dem "SpyGlass" seit einem Jahr weltweit gesammelt wurden, ist laut Bernd Wejda eindrucksvoll. "Daneben ist die Methode auch gut verträglich", erklärt der Chefarzt. Dennoch wird die Untersuchung ausschließlich unter einer sogenannten Sedierung, einem kurzzeitigen Schlafzustand des Patienten durchgeführt, obgleich der Eingriff an sich schmerzfrei verläuft. "Gerade in diesen feinen und empfindlichen Bereichen des Gallengangs kann es bei einer Untersuchung zu Verletzungen führen, wenn sich ein Patient bewegt. Deshalb ist eine kurze Narkose sehr wichtig", so Wejda. Diese sogenannte Cholangioskopie ist laut dem Chefarzt kein Verfahren, das in der Diagnostik alltäglich sein wird. Es gehe aber über die üblichen Methoden hinaus und diene vor allem den Patienten, die wegen einer Erkrankung des entsprechenden Bereichs in der Bauch-Chirurgie weiterbehandelt werden. Die Endoskopiker im Lukas-Krankenhaus seien laut Wejda "begeistert von der Bildqualität und Bedienbarkeit des Geräts". Insbesondere aber von der raschen Klärung vorher nur schlecht diagnostizierbarer Erkrankungen. "Das ist einzigartig", sagt Bernd Wejda. Die Einführung der Gallenwegsspiegelung mit digitaler Bildgebung komplettiere das Spektrum der gastroenterologischen Fachabteilung im Lukas-Krankenhaus. Wejda ist davon überzeugt, dass dieses Verfahren in der Zukunft "einen festen Stellenwert in der Behandlung von Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwegserkrankungen haben wird".

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