Die schweizer Taschensense: Mit dem ausklappbaren Spiegel kann "Der Tod" Seelen erblicken, die sich im toten Winkel verstecken. "Dann passiert auch sowas wie Jopi Heesters nicht nochmal." - © Nicolas Bröggelwirth
Die schweizer Taschensense: Mit dem ausklappbaren Spiegel kann "Der Tod" Seelen erblicken, die sich im toten Winkel verstecken. "Dann passiert auch sowas wie Jopi Heesters nicht nochmal." | © Nicolas Bröggelwirth

Bünde "Der Tod" bietet eine amüsante Nahtod-Erfahrung im Universum

Comedy: "Der Tod" spielte sein neues Programm "Happy Endstation". Am Samstagabend war das Universum ausverkauft

Nicolas Bröggelwirth

Bünde. Vor nicht einmal acht Wochen hatte "Der Tod" seine Premiere für sein neues Programm in den Berliner Wühlmäusen. Am letzten Wochenende kam er schon nach Bünde, auf der Suche nach Fans. Denn wie schon im vorherigen Programm hat er immer noch ein großes Imageproblem. Das thematisierte auch Charon, der mit der Praktikantin "Exitussi" den Abend einleitete. "Der Tod hat gesagt, wenn Du berlinerst, musst Du auch nicht freundlich sein." Viele würden sich von ihm nicht mehr über den Styx rudern lassen, sondern stattdessen durch einen Tunnel zum Licht laufen. Er beschwerte sich abwertend über die nervigen LEDs und die Lebensrückschaufilme in HD. "Meist lassen wir da allerdings nur eine alte Folge GZSZ laufen." Bei ihm im Boot allerdings sei Stimmung angesagt, die er auch zur Melodie des "knallroten Gummibootes" auf die Bühne tanzte. Pegida-Anhänger werden auf Arabisch begrüßt "Der Tod" selbst sang eines seiner Klagelieder. "Kundenbindung war bei uns im Hause immer eine große Schwäche." Er versucht ständig, sympathisch zu wirken und vergleicht seine Firma mit einem Reiseunternehmen. "Rentner sind im Jenseits die Hauptbesuchergruppe, und der Deutsche fragt immer sofort, wo er sich beschweren kann." Dabei erklärt er scheinbar ganz harmlos, was der Tod im Alltag macht und wie die Leute auf seinen Besuch reagieren. Er spricht über seine Stippvisiten beim Arbeitsamt und dem Arzt, akquiriert Werbeflächen auf Grabsteinen und ärgert sich über männliche Wehleidigkeit. "Wie oft bin ich schon irgendwo hingerannt, weil der rief: Ich sterbe, ich sterbe!??" Insofern birgt das neue Programm vom 34-jährigen Absalom Reichardt nichts Neues im Vergleich zum vorherigen. Die starken Unterschiede im Niveau irritieren immer noch, das Konzept funktioniert, und wirklich komisch wird er in den Augenblicken, wenn die Wortwitze - die auch gerne und absichtlich mal die Geschmacklosigkeit streifen dürfen - eine hohe Dichte erreichen. Parallel-, Paradox- und Doppeldeutigkeiten Die Perspektive seiner Bühnenfigur darf er allein aufgrund der Erwartungshaltung natürlich nie verlassen. Allerdings tut es dem Programm sehr gut, dass sich "Der Tod" selbst erlaubt, auch mal ein wenig politisch zu werden. "Viele wollen von den 72 Jungfrauen nichts mehr wissen, weil weder Alter noch Geschlecht angegeben sind." Gerade die Flüchtlingspolitik und der Unterschied der Religionen hat er dabei im Visier. "Wenn ich so einen Pegida-Anhänger abholen muss, begrüße ich den gerne mal auf Arabisch." Andererseits sei es so, dass viele Menschen im Ausland erwarten, dass der Tod zumindest einen deutschen Akzent hätte. Als Meister der verbalen Parallel-, Paradox- und Doppeldeutigkeiten analysiert er Sprache selbstverständlich auch sehr genau. "Alexander Dobrindt hat wörtlich gesagt, er möchte nächstes Jahr die Verkehrstoten halbieren. Und dieser Leichenschänder ist noch im Amt." Und wie bei jeden politischen Kabarettisten darf bei ihm natürlich auch die Statistik im Sinne eines Volker Pispers oder Christoph Siebers nicht fehlen. "Der Tod" hat auch auf diesem Gebiet seine ganz eigenen Ansichten. Nur zwei Menschen würden jährlich an Hai-Angriffen sterben, allein drei durch das Verschlucken an einer Banane und gar 500 durch Elefanten. Mit einsamer Hoffnung verschenkte er eine Banane. Nach wie vor kann einem beim "Tod" von Zeit zu Zeit das Lachen im Halse stecken bleiben. Es könnte allerdings auch Absicht dahinterstecken.

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