Will Tabus brechen: Der Comedian Chris Tall begeisterte mit seinem neuen Programm "Selfie von Mutti-Wenn Eltern cool sein wollen" die Zuschauer im Stadtgarten. An zwei Abenden war dieser komplett ausverkauft. - © Angelina Kuhlmann
Will Tabus brechen: Der Comedian Chris Tall begeisterte mit seinem neuen Programm "Selfie von Mutti-Wenn Eltern cool sein wollen" die Zuschauer im Stadtgarten. An zwei Abenden war dieser komplett ausverkauft. | © Angelina Kuhlmann

Bünde Chris Tall gastiert vor ausverkauftem Haus im Stadtgarten

"Wir lachen viel zu wenig"

Angelina Kuhlmann

Bünde. Wir Ostwestfalen gehen zum Lachen in den Keller. Soweit das Vorurteil. Das wir aber auch schnell aus unserem Verlies auftauchen können - das bewies Comedian Chris Tall im Stadtgarten. Jörg, Neela, Nele und Christina haben es nicht leicht am Donnerstagabend. Einmal ins Visier von Chris Tall geraten, geht es aus der Nummer so schnell nicht mehr raus. Ob sie sich für eine coole Mutter halten würde, fragt Chris Tall Mama Christina. "Ich hoffe schon", sagt diese und lacht. "Dann schauen sie sich ihre Tochter Nele während der Show ganz genau an. Sie werden merken, dass ihr Eltern alle gleich seid", gibt der junge Hamburger zurück. Lachen. Denn genau darum geht es in seinem neuen Programm: Das ewige Leid mit den sich selbst für "cool" haltenden Eltern. Und um Dicke. Und natürlich ums Lachen. Irgendwie schafft es der junge Künstler von der ersten Sekunde an, das Bünder Publikum mit sich selbst an einen Tisch zu holen. Obwohl wir Bünder ja oft erst mal genau schauen, ob das was wir sehen uns überhaupt gefällt. Da können wir sehr wählerisch sein. Wir erwarten viel. Wer, wie Chris Tall aber schon in der Diskothek "Wilhelmshöhe" zu Gast war, der passt ins Bild. Der gehört dazu. Das weiß der erfolgreiche Comedian natürlich und baut sein "Stelldichein" in der "Höhe" direkt mit ein. "F***t die Dicken" - das ist Chris selbstgewähltes Lebensmotto. Denn er ist selbst nicht der Dünnste. Er ist ein "Bulettenboy". Der "lustige Dicke". Aber das findet er auch nicht schlimm. Und überhaupt testet der junge Mann gerne die Grenzen seines Publikums aus. "Wir schauen mal wo eure Grenze so liegt", sagt er schelmisch grinsend. Witze über Rollstuhlfahrer, "Schwarze" und die "Ossis" kommen auf die Platte. "Die Leute können das ab. Die machen ja selbst Witze über sich", sagt er während er im Publikum nach Zuschauern der besagten "Minderheiten" Ausschau hält. Neben all dem Witz und der Ironie wirft das Programm die ernsthafte Frage auf, worüber wir heute eigentlich noch lachen dürfen. Und ob wir durch das Grübeln über diese Frage das Lachen verlernt haben. Genau da will Chris Tall ansetzen. Tabus sollen gebrochen werden, Lachen wieder normal sein. Während der Show weist er immer wieder auf Sätze hin, die sich doch sehr gut in einem Presseartikel machen würden. Sätze die nicht gerade ein Tabu brechen. Sätze, die nicht obszön oder voll mit dunklem Humor sind. Aber über genau die sollte berichtet werden, wenn man über Chris Tall berichtet. Denn anders kommen wir nicht raus aus unserem Keller.

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