Infektionsrisiko: Mit den Griffen von Einkaufswagen kommen Kunden in intensiven Kontakt. - © dpa
Infektionsrisiko: Mit den Griffen von Einkaufswagen kommen Kunden in intensiven Kontakt. | © dpa

Bünde Marcel Höcker hat Bakterien und Viren den Kampf angesagt

Mit seiner Erfindung werden die Griffe von Einkaufswagen hygienisch sauber

Katharina Georgi

Bünde. Kurz beim Einkaufen die Nase geputzt, Taschentuch in die Hosentaschen gesteckt, Hände wieder an den Einkaufswagen und weitergeschoben. Nur ein Beispiel dafür, warum der Griff der Einkaufshilfen vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit vor Keimen nur so wimmelt. Ein Problem, dass Marcel Höcker in den Griff bekommen will - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Der 30-Jährige hat mit seiner Firma "HöRe - Logical Manufacturing", die er 2013 in Bünde gegründet hat, einen kleinen Kunststoffschlitten entwickelt, der sich um den Griff eines Einkaufswagens schmiegt. Aus einem kleinen Tank im Inneren fließt Desinfektionsmittel in ein Filz. Schiebt man den Schlitten jetzt von der einen Seite des Griffs zur anderen, ist er hygienisch sauber. Am Außenrand des Schlittens sorgen zwei Abstreiflippen dafür, dass der Griff wieder trocken wird.

»Ich habe überlegt: Was kann man dagegen machen?«

Schon vor der Idee des 30-Jährigen haben einige Märkte versucht, die Bazillen an den Wagen in den Griff zu bekommen. Das Ergebnis war vor allem viel Müll: "Das Problem wurde vorher mit Tüchern gelöst", sagt Höcker. Und weil die Kunden das so praktisch fanden, wurden sie zum Beispiel auch zum Autowaschen verwendet. So hätten die Tuchspender bis zu zwei Mal am Tag wieder aufgefüllt werden müssen. "Da passen etwa 500 Tücher rein", sagt Höcker. So entstanden Unmengen von Müll, die der Herforder vermeiden will. "Ich habe mir dann überlegt: Was kann man dagegen machen?"

Eine runde Sache: Marcel Höcker (30) ist der Erfinder eines kleinen Reinigungsschlittens, vorne im Bild, der die Griffe an Einkaufswagen, wie hier bei Edeka Sieveking, säubert. - © Katharina Georgi
Eine runde Sache: Marcel Höcker (30) ist der Erfinder eines kleinen Reinigungsschlittens, vorne im Bild, der die Griffe an Einkaufswagen, wie hier bei Edeka Sieveking, säubert. | © Katharina Georgi

Während Erwachsene den Plastikring praktisch finden, ist er lustiges Spielzeug für Kinder. "Darum gibt er nur alle 20 Minuten das Desinfektionsmittel ab", erklärt Höcker. Das sei nicht problematisch, weil sich Bakterien nur etwa einmal in einer Stunde teilen.

Höcker hat mit seiner Erfindung offenbar ein länger schwelendes Problem gelöst. Zumindest ist er mit seiner Erfindung erfolgreich. Bundesweit sind verschiedene Supermarktketten seine Kunden. Ins europäische Ausland exportiert die Firma auch seit einiger Zeit. Gerade erst ist Höcker aus London zurück.

OClean HöRe - © OClean HöRe
OClean HöRe | © OClean HöRe

Einen Fuß in die Tür der Ladenbau-Branche hat er schon seit einigen Jahren. Auslöser war - wie so oft im Leben - dass er sich schlichtweg geärgert hat. Über den Einkaufswagen, der nicht fest am Auto steht, sondern wegrollt. Also erfand Höcker eine Plastikscheibe, in die sich die Rolle eines Einkaufswagens einhaken lässt. Mit einem Kommilitonen aus dem Studium gründet er HöRe - und war mit seiner Erfindung erfolgreich: "Es gibt Menschen, die gerne selbstständig arbeiten wollen, aber keine Idee haben. Bei mir war es genau umgekehrt."

»Die neue Idee kann ich leider noch nicht verraten«

Anfangs arbeitete der Herforder parallel als Vertriebsingenieur für ein weiteres Unternehmen, mittlerweile hat er sich ganz seiner Firma verschrieben, die ihren Status als Start Up langsam ablegen darf. Schließlich wird sie immer größer. In Bünde hat sie allerdings mittlerweile keinen Sitz mehr.

Aus privaten Gründen war Höcker mitsamt seiner Firma vor einigen Jahren nach Süddeutschland gezogen. Seit kurzem lebt er wieder in Hiddenhausen. "Die Verwaltung ist im Süden geblieben. Lager und Entwicklung sollen künftig in Herford beheimatet sein", sagt er. Das habe auch ganz praktische Gründe: Mit seinem Unternehmen kann er so Nord- und Süddeutschland bedienen. Dazu hat er einen weiteren Geschäftsführer an seiner Seite: Gemeinsam mit Helmut Förster lenkt er das Unternehmen.

In seiner neuen alten Heimat sitzt er schon über seiner nächsten Idee. "Was das ist, kann ich leider noch nicht verraten", sagt er. Für welche Branche seine neue Erfindung nützlich sein wird, ist allerdings schon jetzt klar.

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