Hatten allen Grund zum Feiern: Viele Fans des Liverpool-Clubs aus Bünde und aus der Region waren am vergangenen Wochenende in den Stadtgarten gekommen, um die letzte Veranstaltung dieser Art mitzuerleben. - © Nicolas Bröggelwirth
Hatten allen Grund zum Feiern: Viele Fans des Liverpool-Clubs aus Bünde und aus der Region waren am vergangenen Wochenende in den Stadtgarten gekommen, um die letzte Veranstaltung dieser Art mitzuerleben. | © Nicolas Bröggelwirth

Bünde Liverpool-Club: Der letzte Vorhang fällt

Konzert: Zu seiner Abschiedsveranstaltung luden die Macher des legendären Clubs drei Bands ein. Die "Rattles", "Major Healey" und "Razzle Dazzle" spielten am Samstagabend im Stadtgarten

Nicolas Bröggelwirth

Bünde. Siebzehn Jahre lang hat der Liverpool-Club außergewöhnliche Konzerte in Bünde organisiert und präsentiert. Mit dabei waren unter anderem die Legenden vergangener Tage, die "Animals", "Barclay James Harvest", "Uriah Heep" oder die "Yardbirds". Im April 1999 fand das erste dieser Konzerte mit den "Rattles" statt. Am Samstagabend schloss sich im Stadtgarten eben jener Kreis. Es war kein Platz für Wehmut oder große Worte. Ralf Niederstadt und Ortwin Valdorf moderierten die erste Band des Abends gelassen an. "Sie haben 2003 schon einmal für uns gespielt und eine gute Visitenkarte hinterlassen." "Razzle Dazzle" aus Stadthagen können auf eine 25-jährige Geschichte zurück blicken. Die sechsköpfige Combo in der Besetzung mit Saxofon und Kontrabass brachte das Publikum mit Hits wie "Summertime-Blues", "At the hop" oder "Roll over Beethoven" in die Welt des klassischen Rock'n'Rolls und gleich in den richtigen "Mood". In den Umbaupausen für die Bühne zog der süßliche Duft des Zigarettenrauch durch den Seitenhof vorbei an den Bratwurstbuden. Es war eines der Events, an dem jeder mit Anzug völlig fehl am Platze zu sein schien. Vorwiegend Jeans und Lederjacken prägten die Kleiderordnung der Gäste jeden Alters. "Wir sind wie eine große Familie", erklärten die beiden Moderatoren vor dem zweiten Teil. "Viele Gesichter, die heute hier sind, begleiten uns schon seit so vielen Jahren." Und damit kündigten sie auch die "Rattles" an. "Es war die erste Band, die wir präsentierten, sie waren schon fünf oder sechsmal dabei und wir freuen uns, dass sie heute wieder hier sind." Allerdings kamen sie nicht in der gewohnten Besetzung. Gleich zu Beginn ihres Auftrittes ergriff Schlagzeuger Reinhard "Dicky" Tarrach das Wort: "Herbert Hildebrandt kann heute leider nicht mit uns spielen, da er kurzfristig ins Krankenhaus musste. Wir wollten den Gig heute absagen, aber er hat uns gesagt, dass wir unbedingt in Bünde spielen müssten. Deswegen spielt heute Bernd Heinrich am Bass, mit dem wir die letzte Woche im Probenraum verbracht haben. Dank ihm haben wir auch drei Songs dabei, die wir normalerweise nicht im Programm haben." Darunter waren "Get back" und "Can't buy me love" von den Beatles. Zu diesem Zeitpunkt des Abends hielt es fast niemanden mehr auf den Sitzen des großen Saals, der im hinteren Teil bestuhlt war. Die "Rattles" spielten kleine Medleys bekannter Songs, krempelten die Arrangements von "Great balls of fire" und "Runaway" von Del Shannon um und brachten viel Kraft mit auf die Bühne, die sich ins Publikum übertrug. Bei ihren eigenen Songs schien es kaum jemanden zu geben, der die Texte nicht kannte. Nach ihrem größten Hit "The witch", einem fast zweistündigem Auftritt und mehreren Zugaben entließen sie ein zufriedenes, aber auch erschöpftes Publikum. Warum es voraussichtlich keine Veranstaltungen dieser Art mehr geben wird, beantwortete Egon Möhlmann vom Liverpool-Club so: "Wir können es einfach nicht mehr leisten, die Massen zu aktivieren. Deswegen haben wir das auch als Abschiedsveranstaltung bezeichnet, in der Hoffnung, dass mehr Leute kommen. Und das hat auch funktioniert. Etwa 1.300 Menschen sind heute Abend hier." Nach dem Rock'n'Roll der 50er und dem Beat der 60er Jahre stand der letzte Teil des Abends fast vollständig unter dem Stern und dem Glamour der 70er Jahre. "Major Healey" kamen um 23.42 Uhr auf die Bühne und waren nicht darum zu beneiden, nach den "Rattles" aufzutreten. Völlig zu Recht hatten sich die Reihen im Auditorium aber noch kaum gelichtet. Konnte man in Zweifel geraten, ob die Klamotten oder die lächerlichen Perücken besser auch die Albernheiten einer Dekade präsentierten, konnte es bei der Musik keinen solchen geben. Unter den Zuschauern gab es Fans, die nur wegen jener Show-Band an diesem Abend anwesend waren. Mit der sechsköpfigen Band aus Löhne und Liedern wie "Fox on the run", "Cold as ice" oder "Easy livin'" konnte man sich noch einmal an die großen Zeiten des Liverpool-Clubs erinnern und noch lange an diesem Abend feiern.

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