Eindrücke vor Ort gesammelt: Die Schülervertreter der Haupt- und Förderschulen vor der Gedenkstätte in Berlin. - © HAUPTSCHULE BÜNDE
Eindrücke vor Ort gesammelt: Die Schülervertreter der Haupt- und Förderschulen vor der Gedenkstätte in Berlin. | © HAUPTSCHULE BÜNDE

Bünde Schülervertreter auf den Spuren der Stasi

Schülervertreter aus dem Kreis Herford setzen sich in Berlin mit der SED-Diktatur auseinander. Zeitzeuge erzählte über Folter- und Terrormethoden

Bünde. Die Stasi und ihre Methoden. Wie gelang es den Herrschenden in der DDR, ein System aus Gewalt und Drohung, Belohnung und Bevorzugung zu schaffen? Wie gewann das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter? Welche Rolle spielte die Stasi im Alltag?

Um Einblicke in den Herrschaftsapparat der DDR zu gewinnen und demokratische Bewertungskriterien anzulegen, suchten 31 Schülervertreter der Haupt- und Förderschulen des Kreises Herford und der Gesamtschulen Hüllhorst und Porta gemeinsam mit ihren SV-Lehrern bei einer dreitägigen Demokratiewerkstatt unter Leitung von Elke Schoenfelder (Hauptschule Bünde) und Johannes Schröder (Stätte der Begegnung) authentische Orte in Berlin auf. Eindrucksvoll erzählte der 1959 in Havanna geborene Zeitzeuge und heutige Menschenrechtler Jorge Luis Garcia Vazquez - seit 1980 als Dolmetscher für kubanische Vertragsarbeiter in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) - seine Erfahrungen mit der Staatssicherheit. Er geriet 1987 in die Mühlen des Überwachungsstaates und wurde in Berlin-Hohenschönhausen inhaftiert. Dort erlebte er am eigenen Leibe verschiedene Folter- und Terrormethoden. "Ich habe nichts verbrochen, ich wollte nur Freiheit", erklärte Vazquez.

An seiner Biografie, die beispielhaft ist für Tausende Inhaftierter, wird deutlich, dass die Stasi seit Beginn der 1970er Jahre keine körperliche Gewalt mehr anwendete, sondern die Persönlichkeit zerstörte. Mit so genannten Zersetzungsmaßnahmen versuchte sie, oppositionelle Kreise auszuschalten, indem sie Gerüchte streute, Menschen zerstörte.

Im Anschluss daran informierten sich die Schüler im Stasimuseum Berlin Normannenstraße über Aufbau, Entwicklung und Arbeitsweise des MfS sowie über die Menschen, die für diese Institutionen tätig waren und beschäftigten sich in Kleingruppen mit unterschiedlichen Fällen aus den Akten der Staatssicherheit, z. B. Folgen eines Fluchtversuches, Motive und Aktivitäten der inoffiziellen Mitarbeiter (IM). Dabei erfuhren die Teilnehmer, dass - gemessen an der Bevölkerungszahl der DDR - die Stasi eine der größten Geheimpolizeien der Welt war: 1989 arbeiteten über 91.000 Menschen hauptamtlich und rund 180.000 Personen als IM für das MfS.

Des weiteren wurde deutlich, dass in der DDR der Einzelne zu Anpassung, Unterwerfung und, wo möglich, zum Mittun erzogen werden sollte. Die SED hatte uneingeschränkten Zugriff auf fast alle Lebensbereiche - Ausnahmen waren u.a. die Kirchen -, um die Bevölkerung umfassend zu kontrollieren und bei Bedarf zu belohnen oder zu maßregeln. Alles geschah zum Wohle des Staates, schließlich war es Aufgabe der SED, die "Arbeiter- und Bauernmacht" zu schützen. Doch auch persönliche Vorteilsnahme veranlasste Menschen, für die Stasi zu arbeiten. "Die Berlinfahrt hat sich für uns gelohnt, weil wir die Chance hatten, besondere Orte aufzusuchen und ganz besondere Menschen zu treffen. Die Zeitzeugen haben uns tief beeindruckt", erzählten die Schülervertreter der Hauptschule Bünde.

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