Ob die Wäschekörbe, die derzeit vor vielen Häusern liegen, ausschließlich einer Altkleidersammlung dienen, oder ob sie versteckte Hinweise geben sollen, bleibt fraglich. ARCHIVBILD: PATRICK MENZEL
Ob die Wäschekörbe, die derzeit vor vielen Häusern liegen, ausschließlich einer Altkleidersammlung dienen, oder ob sie versteckte Hinweise geben sollen, bleibt fraglich. ARCHIVBILD: PATRICK MENZEL

Bünde Wäschekörbe sorgen für Unbehagen

Dubiose Kleidersammlung: Tierbesitzer befürchten Zusammenhang mit Verschwinden von Tieren

Bünde. Seit einigen Tagen liegen in Teilen der Stadt Bünde - vorwiegend in Holsen - vermehrt Wäschekörbe vor Haustüren oder auf an Straßen grenzenden Grundstücksteilen, die laut einem Aufkleber darauf zu einer gewerblichen Altkleidersammlung gehören. Nun sind Bürger verunsichert und fragen, ob diese Sammlung überhaupt legal ist. Andere fürchten sogar, dass die unterschiedlichen Farben der Körbe ein Code für Tierfänger und Einbrecher sein könnten.

Rot, Blau und Gelb sind sie, die Wäschekörbe, in denen die Bewohner nicht mehr benötigte Kleidungsstücke sammeln sollen. "Eine Telefonnummer ist auf einem Aufkleber in dem Korb angegeben", berichtet eine NW-Leserin aus Holsen, "darunter ist allerdings niemand zu erreichen". Sie habe sogar die Adresse in Norddeutschland im Internet recherchiert. "Darunter ist aber kein Unternehmen für Textilverwertung zu finden, sondern lediglich ein Schreiner."

Aber den Bürgern in Holsen macht laut der Leserin noch etwas anderes Sorge. "Die Leute hier haben ein Unbehagen bei dem Gedanken daran, dass Fremde ihre Grundstücke betreten haben, um die Körbe dort abzulegen." Was gerade Tierbesitzer in Alarmbereitschaft versetzt, sind bislang Mutmaßungen, die besagen, dass Tierfänger oder gar Einbrecher in Verbindung mit den farbigen Körben stehen sollen.

Information
Bundesweit bekannte Masche

Die Wäschekörbe sind deutschlandweit bekannt. Auf Internetseiten wie haustierdiebstahl-in-deutschland.de warnen Tierschützer sogar mit einem Kalender davor, in welchem Monat einzelne Städte und Kommunen betroffen sind. Für Januar und Februar ist darin auch Bünde aufgeführt.

Der Polizei ist diese Masche nicht unbekannt. Sie rät zur Vorsicht und hat Ermittlungen aufgenommen, da es vielen Menschen kurios erscheint, dass unter der genannten Telefonnummer niemand zu erreichen ist, bzw. es sich offenbar um einen Anschluss handelt, der auf ein telefonisches Erotik-Angebot umgeleitet wird, wie eine Frau aus Holsen berichtet.

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Dienstagabend bzw. Mittwochmorgen sind offenbar auch schon Körbe in Hüffen, Werfen und Hunnebrock aufgetaucht.

Wie die Frau aus Holsen in unterschiedlichen Internetportalen erfahren habe, bedeute ein roter Korb, dass in dem Haus Katzen gehalten werden. Ein blauer Korb stehe für Hunde und ein gelber Korb solle darauf hindeuten, dass das Haus ein lohnenswertes Ziel für Einbrecher sein könne.

"Es ist auffällig, dass viele Tiere zu der Zeit verschwinden, wenn vermehrt diese Körbe vor den Häusern liegen", so die Leserin. Wie viele Tiere es aber konkret sind, kann sie nicht beziffern. Tatsache ist allerdings, dass in den vergangenen Tagen vermehrt Menschen aus Bünde beispielsweise in der NW-Facebook-Gruppe "Du lebst schon lange in Bünde, wenn..." ihre Tiere vermisst melden und Suchaufrufe initiierten. Eine Frau schreibt darin, dass die Körbe fast ausschließlich vor Häusern zu finden seien, in denen Tiere leben würden. Dass Körbe und das Verschwinden von Tieren in einem Zusammenhang stehen, kann die Polizei bis jetzt nicht bestätigen.

Die NW-Leserin aus Holsen ist mit dem Korb zur Polizei gegangen. "Wir gehen diesem Hinweis auf jeden Fall nach, weil es Verteiler solcher Körbe gibt, die das zum Auskundschaften nutzen", so Polizeisprecher Uwe Maser gestern auf NW-Nachfrage. Fest stehe auch, dass Altkleider ein Wertstoff sind, mit dem ein reger Handel getrieben werde. Der sei zwar nicht illegal, aber nicht mehr benötigte Textilien seien besser bei den lokalen Sammelstellen aufgehoben, die die Sachen oder den Erlös daraus einem karitativen oder sozialen Zweck zukommen ließen.

Uwe Maser betont aber auch, dass es derzeit keine Hinweise darauf gebe, dass in den Bereichen, in denen die Körbe verteilt wurden, vermehrt Haustiere verschwunden seien oder eingebrochen worden sei.

Axel Biermann vom Ordnungsamt der Stadt Bünde sagt, dass auch Altkleider-Sammlungen mit kommerziellem Hintergrund nicht verboten werden dürften. "Die Sammler müssen dem Kreis Herford einen Verwertungsnachweis vorweisen. Stellt sich dabei heraus, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, wird eine Genehmigung zum Sammeln nicht erteilt", so Biermann.

Die Stadt selbst könne hier tätig werden, wenn durch die Körbe der Straßenverkehr gefährdet sei. Laut der Frau aus Holsen sei auch das der Fall gewesen. "Der Wind hat viele Körbe aus den Einfahrten und von den Grundstücken auf die Straßen geweht", sagte sie. Manche haben die Körbe auch an den Straßenrand gestellt, weil sie sie nicht auf ihren Grundstücken haben wollten. Nun soll ein Team vom Ordnungsamt die Angelegenheit vor Ort prüfen.

Laut einer Information des Städte- und Gemeindebundes NRW muss niemand die Körbe auf seinem Grundstück dulden. Axel Biermann sagt: "Am besten einsammeln, ineinander stellen - oder entsorgen."

Für die betroffenen Bewohner und Tierbesitzer bleibt derzeit aber noch das Unbehagen. Sie halten die Augen offen und achten aufeinander.

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