Bünde Plädoyer für einen Tierheimhund: "Henry schien sofort Vertrauen zu haben"

20 Jahre Tierheim: Henning Blomeyer erzählt von seinem Hund, mit dem er 15 gemeinsame Jahre verbrachte

Bünde. Henry (so hatten ihn die Tierheimleute getauft) wurde 1999 im Bünder Tierheim abgegeben. Die genauen Umstände der Abgabe blieben ebenso im Dunklen wie seine Vorgeschichte. Die Tierärztin schätzte sein Alter damals auf etwa zwei Jahre. Bei einem Besuch in Bünde im Spätherbst '99 lernte ich Henry kennen, da hockte er in der Quarantänebox, da sein Impfstatus unklar war und er daher von den anderen Hunden getrennt werden musste. Es war sowas wie Liebe auf den ersten Blick, der magere Hund schien Vertrauen zu mir zu haben und in den folgenden Tagen sind wir mehrfach gemeinsam spazieren gegangen, bis ich ihn nach erfolgter Kontrolle meines Wohnumfeldes durch Mitarbeiter des Tierheims an einem kalten Novembertag nach Hause holen konnte. Der Anfang mit Henry war nicht einfach, denn er litt sehr unter Trennungsangst und so hatte ich ständig einen "Schatten", wohin ich auch ging. Das gelegentliche Alleinsein musste er lernen, mit Geduld und Training klappte es dann immer besser. In der Folgezeit entwickelte er sich zu einem fröhlichen und ausgeglichenen Hund, der lange Spaziergänge mochte und im Haus ein ruhiger Zeitgenosse war, der seinen Sofaplatz und seinen großen Garten liebte. Wir haben zweimal im Jahr Hundeurlaub in Dänemark gemacht, wo auch das beigefügte Foto im Jahr 2008 entstand. Die Jahre vergingen und Henry wurde immer mehr ein Familienmitglied und Liebling der Verwandtschaft und der Gäste. In seinen letzten Lebensjahren schwand erst sein Gehör und dann auch langsam sein Sehvermögen. Trotzdem kam Henry damit erstaunlich gut zurecht, er bekam regelmäßig Medikamente zur Stärkung des Herzens und seine Tierärztin war für sein hohes Alter zufrieden mit ihm. Als Henry im März 2014 nachts einen Schlaganfall erlitt und am nächsten Morgen nach schlafloser Nacht nicht mehr auf die Beine kam, musste ich die schwere Entscheidung treffen, ihn gehen zu lassen. Die Ärztin kam zu uns ins Haus und mein bester Freund schloss auf meinem Schoß nach über 15 gemeinsamen Jahren seine Augen für immer. Wahrscheinlich war er da tatsächlich etwa 17 Jahre alt. Die große Dankbarkeit und Zuneigung, die Henry zeigte, als er ein neues Zuhause bekam, hat tausendfach für die Schwierigkeiten der ersten Zeit entschädigt.

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