Verstimmt: Anwohner Axel Wichmann findet immer wieder Müll wie leere Kaffeebecher oder Zigarettenpackungen im stillgelegten Springbrunnen an der Hauptstraße. - © Foto: Niklas Krämer
Verstimmt: Anwohner Axel Wichmann findet immer wieder Müll wie leere Kaffeebecher oder Zigarettenpackungen im stillgelegten Springbrunnen an der Hauptstraße. | © Foto: Niklas Krämer

Bünde Müll und Lärm: Anwohner der Hauptstraße fühlen sich vernachlässigt

Hauptstraße: Nachbarn ärgern sich über die zunehmende Vermüllung. Auch die Zustände der Sitzmöglichkeiten und des Springbrunnens werden kritisiert

Niklas Krämer

Bünde. Seit 41 Jahren lebt Axel Wichmann an der Hauptstraße. Dort ist sein Zuhause, dort möchte er eigentlich nicht weg. "In dieser Zeit habe ich viele Veränderungen mitgemacht, viel miterlebt", sagt er. Doch mittlerweile könne er nicht länger darüber hinwegsehen: Die Vermüllung an der Hauptstraße ist ein großes Ärgernis für den Bünder. Vor allem an den Sitzbänken rund um den stillgelegten Springbrunnen findet er immer wieder leere Bierflaschen, Pizza-Kartons, Kaffeebecher und unzählige Zigarettenstummel. Axel Wichmann ist ein Mann klarer Worte. "Das ist eine Sauerei wie sie im Buche steht", sagt der 58-Jährige. Spätabends würden sich dort Gruppen treffen, Alkohol konsumieren und die Nacht zum Tag machen - die Folgen sind dann am nächsten Morgen für die Anwohner sichtbar. Es ist elf Uhr morgens - die Sonne scheint - als Wichmann zum besagten Brunnen geht. Seine tägliche Route. Jeden Tag - so gegen 15.15 Uhr - macht er sich auf und geht eine Runde über die Hauptstraße. Und sammelt dabei den herumliegenden Müll ein. "Ein Nachbar meinte zu mir, dass ich mir das bezahlen lassen sollte", sagt der Frührentner. Aber das käme für ihn nie infrage - ihm geht es um sein Viertel, seine Heimat. "Leute benehmen sich hier total daneben" Im Springbrunnen liegen Zigarettenkippen, vor der Sitzbank findet er einen Pappbecher und Plastikmüll, im Gebüsch liegen ein paar Glasflaschen. "Heute ist das noch human", meint Wichmann. Er kennt diesen Platz auch anders: Völlig vermüllt wird er des Öfteren von Gruppen zurückgelassen. "Ist es denn so schwer unsere Straßen - unsere Mutter Erde - sauber zu halten?", fragt er ohne Verständnis. Werner Stork, der ein Geschäft an der Hauptstraße hat, kann das alles bestätigen. "Die Leute benehmen sich hier total daneben", sagt er. Der Höhepunkt - im negativen Sinne - war, als ihm auf die Fußmatte, die vor seinem Geschäft ausliegt, uriniert wurde. Von der Stadt sehe er nur sehr selten hier Mitarbeiter, die aufräumen, sagt Wichmann. Den Job übernimmt er dann halt selbst. "Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind ein abgeschnittener Teil der Stadt." Reinigungen sind laut Stadt fast täglich "Brennpunkte im Zuge von Vermüllung entstehen leider sehr oft dort, wo Leuten die Möglichkeit geboten wird, länger zu verweilen oder sich zu treffen - egal ob Parkanlagen oder ein Bahnhofsumfeld", teilt Doris Greiner-Rietz, Sprecherin der Stadt Bünde, mit. Der Bereich der Hauptstraße werde von den Mitarbeitern der Kommunalbetriebe fast täglich gereinigt, herumliegender Müll eingesammelt und die Papierkörbe geleert. Da könne man nicht von Vernachlässigung sprechen. "Auch finden regelmäßig Kontrollen durch das Bonus-Team statt. Hier kann jedoch nur eingeschritten werden, wenn jemand auf frischer Tat ertappt wird", teilt Greiner-Rietz mit. "Wenn noch so viele Papierkörbe aufgestellt und Kontrollen durchgeführt werden, liegt es schlussendlich an der Vernunft der Besucher dieser Anlagen, verantwortungsvoll zu handeln", heißt es weiter. Axel Wichmann geht es auch um die Instandhaltung: Für ihn verkommt die Ecke rund um den Brunnen zunehmend. Unkraut und Gras sprießt auf dem Gehweg in alle Richtungen, Sitzplätze sind abmontiert, der Springbrunnen ist trocken gelegt. "Wasser läuft im Brunnen schon länger nicht mehr." Maßnahmen zur Verschönerung sind laut Greiner-Rietz konkret nicht geplant. Aber der Springbrunnen soll Ende dieser Woche wieder in Betrieb genommen werden. Für Wichmann ist das vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer. Er sei kein Mensch, der sich immer und schnell beschwere. "Aber ich habe die Gegend hier ganz anders in Erinnerung."

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