Unterstützt die Pläne der EU: Matthias Wibbeler setzt auf kompostierbare Tüten. - © Niklas Krämer
Unterstützt die Pläne der EU: Matthias Wibbeler setzt auf kompostierbare Tüten. | © Niklas Krämer

Das sagen Bünder Gastronomen zum geplanten Plastikverbot

Plastikverbot: Die EU denkt über ein Verbot von Tellern, Besteck sowie Trinkhalmen aus Kunststoff nach. Wie sehr wären Bünder Imbisse davon betroffen?

Niklas Krämer

Früher war es gang und gäbe: Wer sich an der Imbissbude an der Ecke eine Portion Pommes bestellt hatte, der griff zu einer kleinen, bunten Gabel aus Plastik. Dazu wurde ein Glas Limonade oder Wasser getrunken – nicht selten aus einem Becher mit einem Strohhalm aus Kunststoff. Die EU-Kommission in Brüssel sagt solchen Einweg-Kunststoffprodukten den Kampf an. Nach Vorstellungen der Kommission sollen unter anderem Besteck, Teller und Trinkhalme aus Plastik verboten werden – eine Maßnahme der EU gegen die Verschmutzung der Meere. Wie würden sich Bünder Imbisse auf dieses Verbot einstellen? Kompostierbare Tüten ersetzen Plastikbeutel Matthias Wibbeler, Inhaber vom Hofladen Wibbeler und dem dazugehörigen Imbiss in Spradow, versucht schon länger, umweltschädlichen Plastikmüll zu vermeiden. „Wir sind früh damit angefangen, die Verpackung umzustellen", sagt Wibbeler. Er zeigt auf einen Karton, der hinter dem Tresen steht. Dort drin: vollständig kompostierbare Plastiktüten. Sie ersetzen die Beutel aus Kunststoff. „Sie sind deutlich umweltfreundlicher." Ein weiterer Aspekt für Wibbeler: Geld für Plastiktüten zu nehmen – so wie es in vielen Geschäften mittlerweile Brauch ist –, das kam für ihn nicht infrage. „Wenn mir jemand 15 Cent für eine Plastiktüte bezahlt, dann ist der Umwelt damit auch nicht geholfen." Die kompostierbaren Bio-Tüten bleiben für den Kunden kostenlos. „Ein weiterer positiver Effekt", so Wibbeler. Schließlich gehen bei ihm täglich viele Tüten über den Ladentresen. Neben dem Imbiss betreibt er einen Hofladen, wo es unter anderem Gemüse, Obst und Kartoffeln zu kaufen gibt. "Papiertüten sind umweltfreundlicher und können auch mehrfach genutzt werden." Auch Plastikboxen, die hauptsächlich für den Imbiss genutzt werden, werden gegen Behälter aus Maisstärke ausgetauscht. „Die sehen identisch aus, sind aber biologisch abbaubar", erklärt Wibbeler. Wer eine Pommes bestellt, der wird auf eine Plastikgabel vergebens warten. Der Spradower setzt auf den Holzpiekser. Aufgetischt wird die Portion Pommes in Pappschalen, das Schnitzel gibt’s in einer Aluminium-Schale. Von den Überlegungen der EU-Kommission sei er demnach wenig betroffen. „Plastikgabeln habe ich noch nie genommen." Auch Tatjana Klatt, Inhaberin des Grillstübchens an der Gerhart-Hauptmann-Straße, sieht das Verbot gelassen: Teller, Besteck oder Trinkhalme aus Plastik sind bei ihr ohnehin tabu. „Kunden, die hier vor Ort essen, bekommen einen ganz normalen Teller", sagt Inhaberin Tatjana Klatt. Wer es mit nach Hause oder zur Arbeit nimmt, dem werde das Essen auf eine Pappschale gepackt. Nur Schalen für Saucen, Ketchup oder Senf sind noch aus Plastik „Wir verpacken nicht viel in Plastik", sagt Jörg Hachmeister, Inhaber des Restaurants „Die Knolle". Täglich bietet das Kartoffelhaus einen Mittagstisch mit einem Außer-Haus-Verkauf an. „Unsere Tüten sind zum Beispiel aus Papier." Die Vorteile würden überwiegen: Sie seien umweltbewusster, hochwertiger als Plastiktüten – und können mehrfach genutzt werden. „Manche Kunden kommen mit ihrer Tüte wieder", sagt Hachmeister. Messer und Gabel aus Plastik werden in der „Knolle" nicht ausgegeben. „Stammkunden, die wir gut kennen, bekommen ein Besteck aus dem Restaurant. Das geben sie beim nächsten Besuch wieder zurück." Menüs für außer Haus werden in Alu-Schalen verpackt. Eine Ausnahme aus Kunststoff gibt es dann doch: Plastikschalen, in denen Saucen, Ketchup oder Senf abgefüllt werden. Doch die hat die EU-Kommission noch nicht auf dem Schirm.

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