Die Hürden für einen Behindertenparkausweis sind hoch. - © www.gerald-dunkel.de
Die Hürden für einen Behindertenparkausweis sind hoch. | © www.gerald-dunkel.de

Hohe Hürden für einen Parkausweis

Lesertelefon: Eine Rödinghausenerin ist an Parkinson erkrankt, bekommt aber keinen Behindertenparkausweis. Darüber ärgert sie sich und kritisiert die hohen Anforderungen

Anne Webler

Bünde/Rödinghausen. Charlotte Weber (60, Name geändert) kann noch gut laufen, das sagt sie selbst. „Aber an schlechten Tagen komme ich kaum vom Auto bis zum Geschäft“, erzählt sie. Morgens seien ihre Beine steif, das sei typisch für Parkinson. Da bewege sie sich im Haus mit Rollator. Erst nachdem sie ihre Medikamente genommen habe, werde es besser. Ihr Mann müsse sie deshalb häufig zu Terminen fahren, die morgens oder am Vormittag lägen, und vor der Tür absetzen. Kürzlich wollte Weber einen Behindertenparkausweis beantragen, um kürzere Wege zu haben. Doch als sie die Anforderungen sah, gab sie auf. Sie habe gedacht sie bekomme sowieso keinen Behindertenparkausweis und habe den Antrag deshalb zerrissen, erzählt Weber am NW-Lesertelefon. „Man muss halb tot sein, um diesen Ausweis zu bekommen. Aber dann fährt man doch nicht mehr Auto.“ Seit sechs Jahren leidet die 60-Jährige an Parkinson, in ihrem Schwerbehindertenausweis steht ein Behindertengrad von 50 Prozent. Beim Einkaufen könne sie sich am Einkaufswagen festhalten. Aber wenn sie den Wagen zurück ins Depot gebracht habe sei der Weg zum Auto beschwerlich. Sie ärgere sich, wenn sie all die leeren Behindertenparkplätze sehe. „Wie krank muss ich werden, um diesen Parkausweis zu bekommen?“, fragt sie. Es würde ihr Sicherheit geben, dort parken zu dürfen. Die Voraussetzungen sind tatsächlich recht strikt. Um einen Behindertenparkausweis zu bekommen, muss im Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen „aG“ (außergewöhnlich gehbehindert) oder „Bl“ (blind) stehen. Außergewöhnlich gehbehindert sind „Personen, die sich dauernd nur mit fremder Hilfe oder nur mit großer Anstrengung außerhalb ihres Kraftfahrzeuges bewegen können“, heißt es auf der Seite www.schwerbehindertenausweis.de. Dazu zählen zum Beispiel Querschnittgelähmte sowie Menschen, die beide Beine oder ein Bein amputiert haben. Die Einschränkung der Gehfähigkeit muss mit einem Grad der Behinderung von mindestens 80 Prozent bewertet sein. Aus Sicht der Betroffenen sei ihr Frust nachvollziehbar, sagt Norbert Burmann, Verwaltungsleiter des Kreises Herford. „Die Hürden sind in der Tat hoch“, räumt er ein. Dennoch müsse der Kreis die Behindertenparkplätze für diese Personengruppe freihalten. Wenn sich die Krankheit verschlimmere, könne Charlotte Weber die Erhöhung ihres Behindertengrades beantragen. Ein Schwerbehindertenausweis allein reiche nicht aus, um einen Behindertenparkausweis zu bekommen, bestätigt auch Volker Barrmeyer, Leiter des Straßenverkehrsamtes in Kirchlengern. Hier werden die Anträge aus dem Kreis Herford, außer aus Bünde, Löhne und Herford, bearbeitet. Bei bestimmten Erkrankungen könnten Betroffene, die nicht das Merkzeichen aG im Schwerbehindertenausweis stehen haben, Parkerleichterungen beantragen. Das sind zum Beispiel Gehbehinderte mit dem Merkzeichen G (gehbehindert) und B (Begleitperson) im Schwerbehindertenausweis, bei denen der Grad der Behinderung für Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen mindestens 80 Prozent beträgt. Das Amt für Soziales in Herford, welches auch die Schwerbehindertenausweise ausstellt, prüft derartige Anfragen. Wer Parkerleichterungen genehmigt bekommt, darf im eingeschränkten Halteverbot und im Zonenhalteverbot bis zu drei Stunden parken. Er darf an Parkuhren oder Parkscheinautomaten ohne Gebühr und zeitlich unbegrenzt parken. Auf Parkplätzen für Bewohner darf er bis zu drei Stunden parken, in Fußgängerzonen, in denen das Be- und Entladen für bestimmte Zeiten freigegeben ist, darf er während der Ladezeit parken. Charlotte Weber ist so entmutigt, dass sie aufgegeben hat. „Ich habe keine Lust mehr.“

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