Amtsgericht Bünde: Das Verfahren gegen einen 40-Jährigen wurde ohne Urteil eingestellt. - © Björn Kenter
Amtsgericht Bünde: Das Verfahren gegen einen 40-Jährigen wurde ohne Urteil eingestellt. | © Björn Kenter

Bünder soll zwei Männer mit Messer bedroht haben

Amtsgericht: 40-Jähriger kann sich aufgrund massiven Alkohol- und Drogenkonsums an die Tat nicht mehr erinnern. Das Verfahren wurde deshalb eingestellt, der Mann muss eine Therapie besuchen und eine Geldstrafe zahlen

Niklas Krämer

Mit einem Messer soll ein 40-jähriger Bünder zwei Männer bedroht haben – soweit die Anklage. Erinnern kann er sich daran laut eigener Aussage nicht mehr, da er zuvor „massiv Alkohol und Drogen konsumiert" habe. Für die Tat hat er sich gestern vor dem Amtsgericht Bünde verantworten müssen. Das Verfahren wurde eingestellt, der Bünder muss eine Trauma-Therapie besuchen und eine Geldstrafe in Höhe von 600 Euro zahlen. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatte der 40-Jährige am 30. Januar 2017 einem Mann im Zug von Herford nach Bünde ein Messer mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern vors Gesicht gehalten. Am Gleis des Bünder Bahnhofs soll er ein 25 Zentimeter langes Jagdmesser gezückt und Stichbewegungen in Richtung eines Mannes ausgeführt haben. Die beiden Männern waren dem Bünder laut Anklage nicht bekannt. „Mein Mandant kann sich an diese Vorfälle nicht erinnern", teilte der Verteidiger mit. Er sei von einem Einbruch, dessen Opfer er ein paar Tage zuvor geworden war, traumatisiert gewesen und habe zu viel Alkohol und Drogen konsumiert. „Ich war drei Tage lang wach", sagte der Angeklagte. Er habe Weinbrand getrunken, Cannabis geraucht und Energy-Drinks zu sich genommen. Der Bünder, der momentan eine Haftstrafe verbüßt, habe damals nicht mehr schlafen und zur Ruhe kommen können. „Ich wusste nicht, ob die Einbrecher noch einmal wieder kommen. Da wollte ich meine Familie beschützen." Er habe so viel getrunken, dass er keinerlei Erinnerungen mehr an die Vorfälle im Zug hat. „Das war eine außergewöhnliche Situation." Angeklagter will sein Leben umkrempeln Das Verfahren wurde letztlich ohne Urteil eingestellt, da der Angeklagte aufgrund des übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsums ohnehin schuldunfähig wäre. Ein Gutachten, das auch noch Geld gekostet hätte, wäre zu dem gleichen Ergebnis gekommen. „Laut Zeugenaussagen ist er im Zug verwirrt gewesen und hat dummes Zeug geredet", sagte die Richterin. Nun muss der Angeklagte eine Trauma-Therapie über eine Dauer von sechs Monaten besuchen. Der 40-Jährige will, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wird, sein Leben umkrempeln. „Meine zweite Lebenshälfte möchte ich so verbringen, dass ich nicht mehr auffalle." Er entschuldigte sich bei Augenzeugen, die beim Prozess anwesend waren, für sein Verhalten im Zug.

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